Fußball

Elfer-Krimi! Ägypten stürmt ins Achtelfinale

Salahs Ägypter schreiben Fußball-Geschichte - und zwingen Australien in einem dramatischen WM-Krimi in die Knie.

03.07.2026, 22:54 Uhr

Ägypten nach Elfmeterkrimi im Achtelfinale – Salah spricht von historischem Moment

Ägypten hat mit einem dramatischen Sieg gegen Australien Fußball-Geschichte geschrieben. Der siebenmalige Afrika-Cup-Gewinner setzte sich im Sechzehntelfinale mit 4:2 im Elfmeterschießen durch und feierte damit den ersten WM-Sieg in einer K.-o.-Runde. Zugleich stehen die Nordafrikaner erstmals seit 92 Jahren wieder im Achtelfinale einer Weltmeisterschaft. 1934 hatte das Turnier allerdings direkt mit dem Achtelfinale begonnen.

Im Dallas Stadion vor 70.244 Zuschauern verwandelte Hossam Abdelmaguid den entscheidenden Strafstoß. Während er sich im Jubel das Trikot vom Leib riss, feierte Mohamed Salah etwas ruhiger: mit erleichtertem Lächeln, Tränen in den Augen und immer wieder mit der Hand auf dem Herzen.

„Das ist ein historischer Moment“, sagte Salah nach dem Spiel. „Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt: Das ist die größte Bühne, auf der ihr in eurem Leben spielen könnt. Also genießt es einfach.“ Im Elfmeterschießen traf der Offensivstar selbst mit einem lässigen Panenka. „Ich weiß nicht, ob das meine letzte Weltmeisterschaft ist oder nicht, aber ich musste es einfach tun. Ich wollte dem Team damit Selbstvertrauen geben“, erklärte der Ex-Liverpool-Profi.

Australiens Trainer Tony Popovic brachte kurz vor Ende der Verlängerung für das Elfmeterschießen den erfahrenen Torhüter Mathew Ryan für den bis dahin starken Patrick Beach – der Plan ging jedoch nicht auf. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:0) gestanden.

Für die ägyptische Führung sorgte Emam Ashour bereits in der 13. Minute mit seinem zweiten Turniertor. Australien kam nach der Pause durch ein Eigentor von Mohamed Hany (55.) zum Ausgleich. Für Hany war es bereits das zweite Eigentor bei diesem Turnier.

Salah, der sich im letzten Gruppenspiel gegen den Iran beim 1:1 eine Oberschenkelzerrung zugezogen hatte, blieb über weite Strecken weitgehend wirkungslos. Im Elfmeterschießen zeigte der Starspieler dann aber keine Nerven.

Im Achtelfinale trifft Ägypten nun auf den Sieger der Partie zwischen Argentinien um Lionel Messi und Außenseiter Kap Verde. Australien wartet derweil weiter auf den ersten Sieg in einer WM-K.-o.-Runde.

Australien beginnt mutig, Ägypten trifft zuerst

Vor dem Anpfiff drehte sich in Ägypten alles um die Frage, ob Salah rechtzeitig fit werden würde. Der Superstar stand letztlich in der Startelf, zunächst aber prägten die Australier das Spiel.

In der 5. Minute zog Cristian Volpato nach schneller Drehung aus rund 25 Metern ab und traf fast zur Führung – der Ball streifte die Latte. Kurz darauf musste Ramy Rabia im Strafraum in höchster Not gegen Jordan Bos klären.

Dann schlug Ägypten mit der ersten gefährlichen Aktion zu. Nach einer Flanke bekam Ashour überraschend viel Raum, obwohl Australien eigentlich als kopfballstark gilt. Der Offensivspieler köpfte zum 1:0 ein.

Irvine zieht mit Leckie gleich

Der Treffer gab den Ägyptern sichtbar Selbstvertrauen. Das Team übernahm zunehmend die Kontrolle, ließ Ball und Gegner laufen, ohne dabei dauerhaft zwingend zu werden. Omar Marmoush, der neu in die Startelf gerückt war, und auch Salah bekamen vorne nur selten verwertbare Zuspiele.

Australien wurde nach der Trinkpause wieder aktiver. Ein Abschluss von Aziz Behich blieb jedoch zu unplatziert (35.). Jackson Irvine vom Bundesliga-Absteiger FC St. Pauli arbeitete intensiv gegen den ägyptischen Spielaufbau. Mit seinem elften WM-Einsatz zog er mit Mathew Leckie als australischer Rekordspieler gleich.

Kaum Tempo nach der Pause

Direkt nach Wiederbeginn bot sich Marmoush die große Chance zum 2:0, doch er verzog. Australien erhöhte in der Folge den Druck, wurde aber vor allem nach Standards gefährlich. Genau daraus fiel auch der Ausgleich: Nach einem Freistoß von der linken Seite köpfte Hany unglücklich ins eigene Tor.

Danach verflachte die Partie wieder. Die Bedeutung des Spiels war beiden Mannschaften anzumerken, kaum jemand ging ein größeres Risiko ein. Vieles spielte sich zwischen den Strafräumen ab. Erst in der Schlussphase der regulären Spielzeit drängte Ägypten wieder stärker nach vorne, doch Rabia scheiterte per Kopf am glänzend reagierenden Patrick Beach (90.+3).

In der Verlängerung wirkte Salah deutlich agiler. Kurz nach Beginn kam er zu einer guten Gelegenheit, setzte den Ball aber klar über das Tor. Auch danach trieb der Offensivstar seine Mannschaft an und war an mehreren gefährlichen Aktionen beteiligt, ehe Ägypten im Elfmeterschießen die besseren Nerven bewies.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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