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Warum Männer beim Marathon plötzlich einbrechen

Marathon-Kollaps auf den letzten Kilometern? Männer trifft der gefürchtete Einbruch fast doppelt so oft – und Forscher ahnen warum.

04.07.2026, 04:30 Uhr

Studie zum Berlin-Marathon: Männer brechen im Rennen deutlich häufiger ein als Frauen

Wer einen Marathon zu schnell angeht und auf den letzten Kilometern stark abbaut, erlebt das, was in der Laufszene als „Hitting the Wall“ bekannt ist. Einer neuen Untersuchung zufolge trifft dieses Muster Männer wesentlich öfter als Frauen. Laut der im Fachjournal Scientific Reports veröffentlichten Studie ist ein solcher Leistungseinbruch bei männlichen Marathonläufern ungefähr doppelt so wahrscheinlich.

Gemeint ist damit ein plötzlicher Abfall der Leistungsfähigkeit, wenn die rasch verfügbaren Energiereserven des Körpers weitgehend aufgebraucht sind. Das Forscherteam um den Schweizer Sportwissenschaftler Beat Knechtle legte für die Analyse fest: Von „Hitting the Wall“ wird gesprochen, wenn sich das durchschnittliche Lauftempo in der zweiten Marathonhälfte im Vergleich zur ersten um mindestens 20 Prozent verschlechtert.

Mehr als 850.000 Marathonzeiten ausgewertet

Für die Studie wurden gemeinsam mit Forschern aus Brasilien Daten des Berlin-Marathons aus den Jahren 1999 bis 2025 untersucht. Berücksichtigt wurden mehr als 850.000 Zielzeiten über die komplette Distanz von 42,195 Kilometern. Ein Teil der Datensätze stammt von denselben Personen, die mehrfach antraten. Rund 76 Prozent der analysierten Teilnehmenden waren Männer, mehr als die Hälfte war zwischen 35 und 49 Jahre alt.

Im Durchschnitt waren die Männer zwar schneller im Ziel: Sie benötigten im Mittel 4:02 Stunden, Frauen 4:29 Stunden. Gleichzeitig zeigte sich aber, dass Männer erheblich häufiger einen deutlichen Leistungseinbruch erlitten. Knapp 18 Prozent der Männer waren betroffen, bei den Frauen lag der Anteil bei unter 10 Prozent.

51. Berlin-Marathon
Hunderttausende Läuferdaten aus Berlin flossen in die aktuelle Studie ein. Quelle: Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Besonders auffällig war der Unterschied bei sehr schnellen Läufern. Bei Männern mit einer Marathonzeit unter drei Stunden trat das Phänomen rund sechsmal so oft auf wie bei Frauen in derselben Leistungsklasse – 1,42 gegenüber 0,23 Prozent.

Selbst schnelle und erfahrene Männer sind nicht geschützt

Co-Autor Aldo Seffrin bezeichnete dieses Ergebnis als bemerkenswert. Überraschend sei vor allem, dass der Einbruch nicht nur Anfänger betreffe, sondern gerade unter den sehr schnellen Männern besonders häufig vorkomme. Gute Fitness und viel Erfahrung hätten also offenbar nicht ausgereicht, um davor zu schützen.

Nach Einschätzung der Forscher laufen Männer im Schnitt zwar schneller, teilen ihre Kräfte aber oft weniger gleichmäßig ein. Frauen dagegen halten ihr Tempo häufiger konstant und kommen kontrollierter durch die zweite Hälfte des Rennens. Das spreche dafür, dass die richtige Renneinteilung mindestens so wichtig ist wie das reine Grundtempo. Viele Männer könnten demnach profitieren, wenn sie vorsichtiger starten würden.

Auch ein weiterer Befund passt dazu: Bei 52 Prozent der Frauen ließ sich im Rennverlauf kein klarer Leistungsabfall erkennen. Bei den Männern traf das nur auf 36 Prozent zu.

Mögliche Ursachen: Stoffwechsel und Risikoverhalten

Dass Männer bei langen Läufen häufiger langsamer werden, war bereits aus früheren Untersuchungen bekannt. Die neue Studie zeigt nun anhand einer sehr großen Datenbasis, dass sich dieses Muster auch im großen Maßstab bestätigt.

Als eine mögliche Erklärung nennen die Autoren Unterschiede im Energiestoffwechsel. Der weibliche Körper könnte seine Glykogenspeicher beim Laufen effizienter schonen. Glykogen ist die gespeicherte Form von Glukose und dient als schnell verfügbarer Energievorrat. Unterschiede im Stoffwechsel sowie bei bestimmten Muskelfasertypen könnten dazu beitragen, dass der kritische Energiemangel bei Frauen später einsetzt.

Darüber hinaus verweisen die Forscher auf Erkenntnisse aus der Verhaltensforschung. Männer neigten demnach eher dazu, sich zu überschätzen und größere Risiken einzugehen. Bei einem Marathon, bei dem jeder sein Tempo selbst bestimmt, könnte das zu einem zu schnellen Beginn führen. Belegt wurde dieser Zusammenhang in der aktuellen Studie allerdings nicht direkt; es handelt sich dabei um eine mögliche Erklärung.

Empfehlung der Forscher: Kontrollierter anlaufen

Aus den Ergebnissen leiten die Wissenschaftler vor allem einen praktischen Rat ab: Männer sollten das Rennen eher zurückhaltend beginnen und erst später beschleunigen. So ließe sich das Risiko, im zweiten Abschnitt massiv einzubrechen, möglicherweise senken.

Für Studienleiter Knechtle ist das Thema nicht nur wissenschaftlich interessant. Nach eigenen Angaben läuft er selbst regelmäßig Marathon – und kann die Erkenntnisse daher auch unmittelbar für die Praxis nutzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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