Nach dem nächsten WM-Rückschlag der deutschen Nationalmannschaft und der schnellen Trennung von Julian Nagelsmann nimmt die Suche des DFB nach einem neuen Bundestrainer spürbar Fahrt auf. Im Fokus steht weiter Jürgen Klopp – und der Wunschkandidat hat nun selbst das bislang klarste Zeichen gesendet.
Vor der New Yorker Skyline sprach Klopp in der Nacht bei MagentaTV offen über seine Situation, seine Motivation und die Voraussetzungen für ein mögliches Engagement beim DFB. Seine zentrale Botschaft war unmissverständlich: „Ich bin mittlerweile mehr als aufgetankt, also ich bin bereit.“
Klopp fühlt sich wieder bereit
Zwei Jahre nach seinem Abschied vom FC Liverpool hat Klopp nach eigenen Worten wieder große Lust auf die tägliche Arbeit als Trainer. Er möchte wieder mit einer Mannschaft auf dem Platz stehen, in ausverkauften Stadien arbeiten und die Emotionen an der Seitenlinie erleben.
Damit macht er klar, dass die Erschöpfung nach den intensiven Liverpool-Jahren verflogen ist. Zugleich betonte er, dass seine Aufgabe bei Red Bull keineswegs nur eine Zwischenstation sei. Er arbeite dort inzwischen seit 19 Monaten und beschrieb diese Zeit als intensiv. Auffällig war allerdings, dass er dabei teilweise bereits in der Vergangenheitsform sprach.
DFB plant zeitnahen Trip in die USA
Trotz der klaren Bereitschaft ist eine schnelle Einigung nicht zu erwarten. Auf die Frage, was bis zu einer möglichen Unterschrift noch fehle, antwortete Klopp knapp mit nur einem Wort: „Zeit.“
Während Klopp mehr als 6.000 Kilometer entfernt in New York Stellung bezog, wurden in der DFB-Zentrale bereits die nächsten Schritte vorbereitet. Nach den gegenseitigen Signalen der Offenheit wollen Präsident Bernd Neuendorf und DFB-Vize Hans-Joachim Watzke im Laufe der kommenden Woche in die USA reisen, um die Gespräche voranzutreiben. Nach dpa-Informationen steht die Agenda mit den wichtigsten Themen und Aufgaben für die nächsten Tage und Wochen bereits fest.
Watzke spielt in den Gesprächen eine Schlüsselrolle
Vor allem Watzke dürfte in möglichen Verhandlungen eine wichtige Funktion übernehmen. Der Liga-Präsident ist mit Klopp durch die gemeinsame Erfolgszeit bei Borussia Dortmund eng verbunden. Diese persönliche Nähe könnte für den DFB ein entscheidender Vorteil sein, wenn es darum geht, Vertrauen aufzubauen und Vorstellungen zusammenzuführen.
Klopp bestätigt Kontakt – und fordert mehr als nur einen Trainerwechsel
Klopp machte zugleich deutlich, dass es in möglichen Gesprächen nicht allein um den Austausch auf der Trainerbank gehen könne. Die Probleme des deutschen Fußballs seien aus seiner Sicht nicht an der Personalie Julian Nagelsmann festzumachen.
Zwischen den Zeilen wurde klar: Klopp würde nur dann einsteigen, wenn er echten Einfluss und ausreichend Gestaltungsspielraum bekommt. Er sieht die Aufgabe offenkundig größer als nur die Besetzung des Bundestrainerpostens.
Auch mit Red Bull muss eine Lösung gefunden werden
Parallel zu möglichen Gesprächen mit dem DFB muss Klopp auch seine vertragliche Situation bei Red Bull klären. Sein Vertrag dort läuft noch bis 2029. Eine Trennung müsste so gestaltet werden, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren.
Mit Red-Bull-Chef Oliver Mintzlaff habe es bereits erste Kontakte gegeben. Mintzlaff hält sich aktuell in England beim Formel-1-Wochenende in Silverstone auf. Größere Probleme bei einer möglichen Lösung erwartet Klopp nach eigenen Worten eher nicht. Er ließ erkennen, dass beide Seiten das Thema bereits vorsondiert haben.
Normalerweise halte er Verträge zwar „super gerne“ ein, sagte Klopp. Gleichzeitig wurde deutlich, wie groß der Reiz der DFB-Aufgabe für ihn ist. Auch Mintzlaff dürfte dabei in eine besondere Verantwortung geraten, weil es aus Klopps Sicht letztlich um die Zukunft von Fußball-Deutschland geht.
Klopp sieht den deutschen Fußball an einem Wendepunkt
Im Interview wurde Klopp auch auf die Perspektive bis zur EM 2028 angesprochen. Dabei bremste er vorschnelle Erwartungen. Die Situation sei noch kein einfach zu lösendes Projekt, sondern eher ein „ungelegtes Ei“.
Seine Botschaft fiel dennoch eindeutig aus: Der deutsche Fußball steht aus seiner Sicht an einem Wendepunkt. Nötig seien grundlegende Veränderungen – unabhängig davon, ob am Ende Klopp selbst Bundestrainer werde oder jemand anderes.
Damit wies er zugleich jede mögliche Messias-Rolle zurück. Eine Rückkehr zum Erfolg könne nur über strukturelle Reformen und viel Arbeit gelingen.
Die WM hat bei Klopp neue Lust auf Spitzenfußball geweckt
Sein Einsatz als TV-Experte bei der Weltmeisterschaft hat bei Klopp nach eigenen Worten die Lust auf Spitzenfußball zusätzlich verstärkt. Er erlebt Partien teilweise direkt im Stadion und versteht das Turnier auch als eine Art Weiterbildung.
Sinngemäß machte er deutlich, dass ihn diese WM fachlich weiterbringt – ganz gleich, wie es für ihn danach weitergeht.
Über einen entscheidenden Punkt spricht Klopp nicht
Ein zentrales Thema blieb im Interview außen vor: das Geld. Genau dieser Punkt dürfte in möglichen Verhandlungen allerdings erheblich sein. Red Bull wird Klopp kaum ohne Gegenleistung ziehen lassen, selbst wenn am Ende eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. Gleichzeitig kann auch der DFB finanziell nicht unbegrenzt handeln.
Hinzu kommt, dass bereits die Trennung von Julian Nagelsmann teuer war – auch wenn der zum Jahresende ausscheidende DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig laut Sky betonte, Nagelsmann habe dabei auf Geld verzichtet. Umso deutlicher ist, warum vor einer Entscheidung vor allem eines gebraucht wird: Zeit.
Auch Völler und Mertesacker rücken in den Fokus
Hinter der Personalie Klopp geraten weitere wichtige Fragen derzeit etwas in den Hintergrund, sie bleiben aber bedeutend. Nach dpa-Informationen hängt auch die künftige Rolle von Sportdirektor Rudi Völler davon ab, wer neuer Bundestrainer wird. Deshalb steht demnach auch ein zeitnaher Austausch zwischen Völler und Klopp im Raum. Völlers Vertrag beim DFB läuft noch bis zur EM 2028.
Zudem hat Per Mertesacker grundsätzlich Interesse signalisiert, Teil eines möglichen Neuanfangs zu sein. Der Weltmeister von 2014 erklärte als ZDF-Experte, dass er bereit sei, dem deutschen Fußball etwas zurückzugeben, falls das gewünscht werde.
Klar ist damit: Die Debatte um Klopp betrifft längst nicht nur den Trainerposten. Sie berührt die künftige sportliche Struktur der Nationalmannschaft insgesamt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber