Nach dem verletzungsbedingten WM-Aus von Lennart Karl hat DFB-Präsident Bernd Neuendorf von sehr emotionalen Szenen im Teamhotel der deutschen Nationalmannschaft berichtet. Im Waldorf Astoria sei es nach Karls Rückkehr aus dem Krankenhaus zu Tränen gekommen. Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus sprach in Chicago von einem schweren Schlag für den 18-Jährigen. Karl verließ die Mannschaft noch am Freitagabend Ortszeit, während Assan Ouédraogo als Ersatz direkt ins WM-Quartier nach Winston-Salem reisen soll.
Auch vom FC Bayern München erhielt das Offensivtalent nun Rückendeckung. Sportvorstand Max Eberl erklärte, das kurzfristige Verpassen einer Weltmeisterschaft tue extrem weh, die Nachricht sei für den gesamten Verein ein Schock gewesen. Zugleich betonte er, dass Karls Talent, Leidenschaft und Perspektive dadurch nicht geschmälert würden. Der Youngster habe sich die WM mit seiner starken ersten Profisaison mehr als verdient.
Eberl kündigte außerdem an, dass Karl beim FC Bayern jede Unterstützung erhalten werde, um möglichst bald auf den Platz zurückzukehren. Zudem verwies er darauf, dass der 18-Jährige noch viele große Turniere vor sich habe. Besonders positiv sei, dass Karl selbst bereits wieder nach vorne blicke und angekündigt habe, stärker zurückzukommen.
Nagelsmann verabschiedet Karl im Teamhotel
Karl hatte sich im Abschlusstraining vor der WM-Generalprobe gegen die USA heute um 20.30 Uhr MESZ/RTL einen Muskelbündelriss im linken Oberschenkel zugezogen und fällt für längere Zeit aus. Neun Tage vor dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curaçao wurde sein Turnier-Aus damit offiziell. Für Karl rückt der 20 Jahre alte Leipziger Assan Ouédraogo in den 26-Mann-Kader nach.
Nach den Untersuchungen im Krankenhaus kam es im Mannschaftshotel zur Verabschiedung. Neuendorf schilderte, dass Bundestrainer Julian Nagelsmann ebenso wie die gesamte Mannschaft anwesend gewesen sei. Nagelsmann habe noch einige Worte an Karl gerichtet, und auch der junge Angreifer selbst habe sich an das Team gewandt, obwohl ihm das sichtlich schwergefallen sei. Laut Neuendorf war Karl tief getroffen, und es seien auch Tränen geflossen.
Der DFB-Präsident sprach von einem spürbaren Dämpfer für die Stimmung im Team – gut eine Woche vor dem WM-Start am 14. Juni in Houston gegen Curaçao. Karl habe in den vergangenen Spielen starke Leistungen gezeigt und der Mannschaft viel gegeben, sagte der 64-Jährige.
Matthäus blickt trotz allem nach vorn
Matthäus zeigte großes Mitgefühl mit dem Offensivtalent des FC Bayern. Für einen jungen Spieler sei die Aussicht auf eine Weltmeisterschaft die Erfüllung eines Kindheitstraums, sagte er bei einem DFB-Sponsorentermin. Umso härter sei es, wenn dieser Traum nach nur wenigen Monaten im Profifußball so abrupt ende. Nun müsse Karl nicht nur körperlich, sondern auch mental mit diesem Rückschlag fertigwerden.
Matthäus bezeichnete die Nachricht ebenfalls als Schock, erinnerte aber daran, dass Verletzungen zum Risiko im Profisport gehörten – auch wenn der Zeitpunkt besonders bitter sei. Es tue ihm sehr leid für Karl, sagte der Weltmeister von 1990, betonte jedoch zugleich, dass die Mannschaft nun weitermachen müsse.
Dabei verwies Matthäus auch auf eigene Erfahrungen: Ein Kreuzbandriss hatte ihn einst um die Teilnahme an der Europameisterschaft 1992 gebracht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion