Fußball

Platz zwei fix: Ist der «Club» plötzlich ein Spitzenteam?

Nürnberg jagt Hertha nach dem 2:0 weiter - doch Klose bremst. Warum der Club plötzlich zu den stärksten Teams zählt

08.11.2026, 11:43 Uhr

Miroslav Klose blieb auch nach dem 2:0 gegen Darmstadt zurückhaltend. Trotz des gefestigten zweiten Tabellenplatzes wollte der Trainer des 1. FC Nürnberg nicht von einer Spitzenmannschaft oder gar einem ernsthaften Aufstiegskandidaten sprechen. „So etwas werden Sie von mir nicht hören“, sagte der frühere Nationalstürmer.

Julian Justvan formulierte die Lage offensiver. Natürlich wolle die Mannschaft oben mitmischen und sich dort festsetzen, erklärte der Offensivspieler. Über den Aufstieg zu reden, sei zwar heikel, doch die aktuelle Situation sei hervorragend – und genau so solle es weitergehen.

Nach elf Spieltagen fällt die Zwischenbilanz beim „Club“ sehr positiv aus. Nürnberg geht mit 24 Punkten als Tabellenzweiter in die Länderspielpause. Auf Spitzenreiter Hertha BSC fehlen sieben Zähler, auf Rang drei und Kaiserslautern hat der FCN drei Punkte Vorsprung.

Warum Nürnberg derzeit so stark ist

Mentale Stabilität

Gegen Darmstadt tat sich Nürnberg lange schwer. Nach der Führung direkt nach der Pause folgte eine schwächere Phase, in der früher womöglich noch der Ausgleich gefallen wäre. Diesmal aber brachten die Franken das Spiel kurz vor Schluss endgültig nach Hause. Klose sieht den Grund dafür im gewachsenen Glauben an die eigene Stärke und in einer größeren inneren Festigkeit. Seit seinem Amtsantritt im Sommer 2024 sei viel in diesen Bereich investiert worden, auch in persönlichen Gesprächen. Aus seiner Sicht sei es gelungen, die oft negative Grundhaltung im Umfeld der Mannschaft zu verändern.

1. FC Nürnberg - Darmstadt 98
Das Tor zur 1:0-Führung: Nürnbergs Scobel trifft nach dem Seitenwechsel. Quelle: Daniel Löb/dpa

Torgefahr in der Offensive

Entscheidend ist auch die Qualität im Angriff. Piet Scobel erzielte in der 50. Minute das 1:0 und steht damit bereits bei sechs Saisontoren. Gerade weil Topstürmer Mohamed Ali Zoma verletzt fehlt, ist der 21-Jährige derzeit besonders wichtig. Dabei hatte Scobel zuvor keinen leichten Tag und stand bereits kurz vor einer Auswechslung. Klose vertraute ihm dennoch – mit Erfolg. Zudem traf William Bøving in der 88. Minute per Abstauber per Kopf zum 2:0. Mit insgesamt 26 Treffern stellt Nürnberg gemeinsam mit Wolfsburg die beste Offensive der Liga.

Breiter und verlässlicher Kader

Auch die personelle Tiefe zahlt sich aus. Gegen Darmstadt musste der FCN nicht nur auf Zoma verzichten, sondern auch auf Innenverteidiger Fynn Otto. Styopa Mkrtchyan sprang bei seinem Debüt in der Startelf jedoch souverän ein. Als Rafael Lubach verletzt raus musste, kam Rayan Ghrieb ins Spiel und bereitete das 2:0 mit einem starken Solo vor. Justvan betonte, dass jeder Spieler – egal ob von Beginn an oder nach Einwechslung – Verantwortung übernehmen und die Spielidee verinnerlichen müsse. Die Qualität im Kader sei deutlich spürbar. Hinzu kam, dass Torwart Jan Reichert in der Nürnberger Schwächephase der zweiten Halbzeit mit mehreren starken Paraden glänzte.

Große Motivation

Nach zwei schwierigen Jahren ist in Nürnberg deutlich zu spüren, wie groß die Sehnsucht nach einem echten Aufstiegskampf ist. Laut Justvan will jeder in der Mannschaft oben bleiben, wenn man sich einmal dort festgesetzt hat. Klose sieht das ähnlich, warnt aber vor Nachlässigkeit. Niemand dürfe sich nun zufrieden zurücklehnen, denn genau dann entstünden die größten Fehler.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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