Antonio Rüdiger hat Teamkollege Felix Nmecha nach dessen Gebet unmittelbar nach dem WM-Auftaktsieg gegen Curaçao gegen Kritik in Schutz genommen und dabei die Bedeutung von Meinungs- und Religionsfreiheit betont. Zugleich äußerte sich der Nationalspieler kritisch über eine im Profifußball verbreitete Social-Media-Kultur, die aus seiner Sicht stark auf Reichweite und Klickzahlen ausgerichtet ist.
Nach dem deutlichen 7:1 der deutschen Auswahl hatte Nmecha gemeinsam mit Jonathan Tah und Spielern des Gegners im Stadion von Houston einen Gebetskreis gebildet. Für Rüdiger ist daran nichts Anstößiges. Das sei eine persönliche Angelegenheit, sagte der Innenverteidiger, der in der Szene nichts Falsches erkennen könne.
Die Bilder aus Houston waren unterschiedlich aufgenommen worden. Nmecha spricht immer wieder öffentlich über seinen christlichen Glauben und persönliche Überzeugungen. Auch in der Vergangenheit hatten Beiträge von ihm in sozialen Netzwerken Diskussionen ausgelöst. Rüdiger bewertete die Aufnahmen des Gebetskreises hingegen als positiv und sprach von "schönen Bildern".
Aus seiner Sicht bekam die Szene in den Medien zu viel Aufmerksamkeit. Viel wichtiger sei Nmechas starke sportliche Leistung gewesen, erklärte der 33-Jährige. Der Dortmunder hatte mit seinem ersten Treffer bei einer Weltmeisterschaft die deutsche Mannschaft in Führung gebracht. Innerhalb des DFB-Teams spiele Nmechas religiöses Bekenntnis nach Rüdigers Darstellung keine Rolle.
Rüdiger selbst war wegen seines muslimischen Glaubens bereits mehrfach Ziel von Kritik. Hinzu kamen immer wieder Reaktionen auf sein teils als provokant empfundenes Verhalten auf dem Platz. Die Rolle des vermeintlichen Unruhestifters nehme er inzwischen gelassen hin.

Keine Probleme mit fundierter Kritik
Warum er in den sozialen Medien häufig als Buhmann dargestellt werde, könne er nicht sagen, meinte Rüdiger. Damit habe er sich aber arrangiert. Gegen ernsthafte und sachliche Kritik habe er nichts einzuwenden.
Mit einem ironischen Seitenhieb ergänzte er, sein Name sorge offenbar für viel Aufmerksamkeit im Netz. Gerade in Zeiten von Social Media sehe er darin auch etwas Positives, denn sein Name generiere nun einmal viele Klicks.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion