Fußball

Karls Ansage: Erst das Tor, dann die Blabla-Geste

Nach Kritik liefert Bayerns Jungstar in Madrid die perfekte Antwort – doch sein provokanter Jubel entfacht sofort neue Debatten.

04.11.2026, 04:44 Uhr

Karl antwortet auf dem Platz – und sorgt mit Jubel für neue Debatten

Lennart Karl hat die Diskussionen um seine Person auf sportliche Weise beantwortet. Mit seinem frechen Führungstreffer leitete der 18-Jährige den wichtigen Champions-League-Erfolg des FC Bayern München bei Atlético Madrid ein. Doch nicht nur das Tor machte Schlagzeilen: Auch sein anschließender Jubel lieferte sofort neuen Gesprächsstoff.

In der 54. Minute eroberte der Junioren-Nationalspieler im Strafraum den Ball gegen Atléticos Robin Le Normand und hob ihn anschließend sehenswert über Jan Oblak zum 1:0 ins Tor. Danach feierte Karl zunächst mit seinen Mitspielern, ehe er mit den Händen an den Ohren und einer deutlichen „Blabla“-Geste offenbar eine Botschaft an seine Kritiker sendete.

Zuletzt war viel über den Offensivspieler gesprochen worden. Nach seinem rasanten Aufstieg in der vergangenen Saison erlebt Karl nun erstmals Gegenwind im Profifußball. Uli Hoeneß hatte öffentlich mehr „Demut“ von dem Talent gefordert und ein klärendes Gespräch angekündigt. Auch Sportvorstand Max Eberl mahnte, Karl solle sich noch stärker auf den Fußball konzentrieren. Dessen Berater Michael Ballack kritisierte wiederum die öffentlichen Aussagen aus dem Verein und meinte, Karl werde dadurch unnötig zur Zielscheibe.

Verein vermeidet klare Bewertung des Jubels

Nach dem Spiel wollten die Münchner Verantwortlichen die Jubelgeste nicht weiter vertiefen. Lob für Karls Leistung gab es dennoch reichlich. Eberl betonte, dass der junge Angreifer für Bayern ein wichtiger Spieler sei und dies nie infrage gestanden habe. Auf dem Platz habe Karl engagiert gearbeitet und sich mit seinem Treffer belohnt. Zum Jubel selbst sagte Eberl lediglich, er habe die Szene gar nicht richtig wahrgenommen und wolle sie deshalb nicht bewerten.

Trainer Aaron Danks, der erneut den erkrankten Chefcoach Vincent Kompany vertrat, setzte in Madrid wegen der angespannten Personallage in der Offensive von Beginn an auf Karl. Der Engländer verwies auf den großen Wirbel der vergangenen Wochen, lobte aber zugleich dessen Charakter und mentale Stärke. Karl glaube fest an sich selbst, sagte Danks, und habe eine starke Partie mit einem sehenswerten Tor gekrönt.

Neuer und Laimer stellen sich vor den Youngster

Auch innerhalb der Mannschaft war die Freude über Karls Auftritt groß. Kapitän Manuel Neuer bezeichnete ihn als wichtigen Teil des Teams, der seine Bedeutung mit dieser Leistung erneut unter Beweis gestellt habe. Für ihn gebe es an der Sache nichts weiter aufzubauschen.

Konrad Laimer, der später zum 2:0 traf und als Spieler des Spiels ausgezeichnet wurde, warb ebenfalls um Verständnis für den jungen Bayern-Profi. Es freue ihn besonders für Karl, weil dieser ruhig bleibe, hart arbeite und sich nun belohnt habe. Natürlich müsse er in seinem Alter noch lernen, sagte der Österreicher, doch er sei auf einem sehr guten Weg und habe beste Voraussetzungen für eine große Karriere.

Hummels äußert Kritik

Weniger Verständnis für den Jubel zeigte dagegen Mats Hummels in seiner Rolle als TV-Experte bei Amazon Prime. Solche Gesten sehe man inzwischen viel zu häufig, meinte der Weltmeister von 2014. Kritik gehöre nun einmal zum gut bezahlten Geschäft des Profifußballs dazu. Selbst im Jugendbereich sei die Pose mittlerweile angekommen: Schon bei den Spielen seines achtjährigen Sohnes beobachte er Kinder, die diesen Jubel nachmachen. Dem eigenen Sohn habe er diese Geste deshalb untersagt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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