Fußball

Ganz Spanien verfällt «Papa» Flick: «Unendliche Liebe»

Barça ist Meister, Spanien feiert Flick – doch hinter dem Triumph steckt ein Drama. Und der nächste große Coup wartet schon.

11.05.2026, 12:22 Uhr

Flicks emotionaler Meistermoment mit Barça – und eine Parade in Blau-Rot

Hansi Flick rang nach dem 2:0 des FC Barcelona gegen Real Madrid sichtbar mit den Gefühlen. Mit tränenden Augen sagte der Barça-Coach: „Diesen Tag werde ich nie vergessen.“ Der Sieg machte die Katalanen schon drei Spieltage vor Saisonende zum spanischen Meister. Es ist der 29. Titel in der Primera División für Barcelona.

Die Kulisse verlieh dem Abend zusätzlichen Glanz: Rund 60.000 Fans feierten im modernisierten Camp Nou, erstmals fiel eine Meisterentscheidung gegen den großen Rivalen Real Madrid. Für Flick bekam der Triumph jedoch auch eine sehr persönliche, traurige Note: Am selben Tag war sein Vater in Deutschland gestorben.

Nach dem Schlusspfiff wurde der 61-Jährige nicht nur von seinen Spielern gefeiert, sondern auch von Akteuren der Gegenseite in den Arm genommen. Seine Mannschaft hob ihn in die Luft, von den Rängen hallten immer wieder „Hansi, Hansi!“-Sprechchöre. Medien in Barcelona beschrieben die Stimmung als beispiellose Ekstase. Flick selbst sprach von einem schweren Tag, betonte aber zugleich, wie wohl er sich in Barcelona fühle: Der Club sei für ihn wie eine Familie.

Große Anerkennung in ganz Spanien

Die Begeisterung über Flick beschränkt sich längst nicht nur auf Katalonien. Auch in Madrid fielen die Reaktionen ungewöhnlich positiv aus. Die Sportzeitung „AS“, sonst häufig kritisch gegenüber Barça, schrieb, Flick habe „die Herzen aller gewonnen“. In seinen zwei Jahren beim Club habe er eine besondere Verbindung zu Verein, Stadt und Anhängern aufgebaut. Besonders hervorgehoben wird, dass der Deutsche keine Rücksicht auf große Namen nehme und genau deshalb breite Anerkennung genieße. Seine Spieler, so der Tenor, gingen für ihn bis ans Limit.

In Barcelona selbst wurde der Trainer aus Heidelberg besonders gefeiert. „El Periódico“ schrieb, er habe sich „ewige Liebe“ verdient. Ausschlaggebend seien nicht allein die Erfolge, sondern ebenso sein Auftreten. Flick habe dem Verein Ruhe und Zusammenhalt gegeben. Genau das gelte als Schlüssel für den Erfolg.

„Er ist für mich wie ein Vater“

Der Unterschied zu Real Madrid könnte derzeit kaum deutlicher sein. Während Barcelona Harmonie und Geschlossenheit ausstrahlt, berichten Medien aus der Hauptstadt von Spannungen, Machtkämpfen und Konflikten innerhalb der Kabine. Im Umfeld der Königlichen ist sogar von Ego-Duellen unter Stars wie Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Jude Bellingham die Rede. Angeblich erschwere das inzwischen sogar die Suche nach einem neuen Trainer.

Bei Barça hingegen wirkt das Klima trotz des schmerzhaften Aus im Champions-League-Viertelfinale gegen Atlético Madrid weiterhin intakt. Flick gilt innerhalb des Teams als zentrale Bezugsperson. „Er ist für mich wie ein Vater“, sagte Angreifer Raphinha nach dem Titelgewinn. Der Brasilianer erklärte, der Trainer habe ihm das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückgegeben. Auch Pedri machte deutlich, wie eng die Bindung innerhalb der Mannschaft ist: Man habe den Titel auch für Flick holen wollen, als Dank für alles, was er dem Team gegeben habe.

Trotz schwieriger Umstände zum Titel

Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als ideal. Barcelona steckt weiterhin tief in finanziellen Problemen und ist hoch verschuldet. Große Transfers sind deshalb seit Jahren nur eingeschränkt möglich. Hinzu kam ein junges, vergleichsweise unerfahrenes Aufgebot.

Erschwerend kam in dieser Saison eine lange Verletzungsliste hinzu. Leistungsträger wie Pedri, Raphinha, Robert Lewandowski und zuletzt auch Lamine Yamal fielen immer wieder aus. Außerdem musste Barça wegen der Umbauarbeiten am Camp Nou lange im Olympiastadion spielen, das bei vielen Fans wegen seiner wenig mitreißenden Atmosphäre ungeliebt ist.

Umso bemerkenswerter ist Flicks Bilanz: Nach zwei Meisterschaften in Folge mit dem FC Bayern 2020 und 2021 holte er nun auch mit Barcelona den Ligatitel. Dazu kommen in zwei Jahren bei Barça zwei Siege im spanischen Supercup sowie ein Erfolg im Pokal.

Große Meisterparade durch Barcelona

Einen Tag nach dem Titelgewinn setzte sich die Feier in der Stadt fort: Mit hupenden Autos, blau-roten Fahnen und Zehntausenden Fans am Straßenrand zelebrierte der FC Barcelona seine Meisterschaft bei einer großen Parade. Die Mannschaft von Hansi Flick fuhr auf einem offenen Bus durch die katalanische Metropole und wurde entlang der Strecke lautstark gefeiert.

Flick wirkte dabei gefasst. Auf Zurufe von Fans und Fragen von Journalisten antwortete er nach Medienberichten: „Mir geht es gut, danke.“ Dabei lächelte er und ballte die linke Hand zur Faust. Der Verein schrieb dazu in den sozialen Netzwerken sinngemäß, Flick habe sich diesen Moment verdient.

Währenddessen präsentierten sich die Barça-Stars ausgelassen. Lamine Yamal, Pedri, Raphinha und ihre Teamkollegen sangen, tanzten, winkten in die Menge und filmten die Szenen mit ihren Handys. Besonders im Mittelpunkt standen auch Robert Lewandowski und Wojciech Szczęsny: Die beiden Polen saßen weit vorn im Bus, alberten herum, schwenkten eine große katalanische Fahne und ließen sich sogar Eis und Pizza schmecken, die ihnen Fans zugeworfen hatten.

Der Bus war gegen 17.30 Uhr am Camp Nou gestartet. Die Strecke führte an vielen bekannten Orten Barcelonas vorbei. Schon Stunden vor Beginn hatten sich unzählige Anhänger entlang der Route versammelt. Zeitweise kam der Verkehr in der Stadt am frühen Abend nahezu zum Stillstand. Erst spät in der Nacht sollte der Bus nach rund vier bis fünf Stunden wieder zum Stadion zurückkehren.

Nächstes Ziel: 100 Punkte

Trotz aller Feiern ist die Saison sportlich noch nicht beendet. Barcelona will die letzten drei Ligaspiele gewinnen, um die Marke von 100 Punkten zu erreichen. Damit würde die Mannschaft den Vereinsrekord von Tito Vilanova aus dem Jahr 2013 einstellen und zugleich den Bestwert von Real Madrid unter José Mourinho aus dem Jahr 2012 egalisieren. Bereits am Mittwoch ist das Team bei Abstiegskandidat Deportivo Alavés gefordert.

Flick blickt schon auf die Champions League

Und auch über diese Saison hinaus hat Flick klare Ambitionen. Nach dem Meisterstück richtete der Trainer den Blick sofort auf die kommende Spielzeit. Sein nächstes großes Ziel ist der Gewinn der Champions League.

„Wir werden wieder alles versuchen, um die Champions League zu holen“, sagte Flick. Für Europas Konkurrenz ist das eine deutliche Ansage.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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