Fußball

Klopps Kimmich-Plan: Warum er alles lenkt

Klopp ist fast da – doch nach dem DFB-Deal warten schon brisante Entscheidungen, die alles verändern könnten.

21.07.2026, 13:02 Uhr

Klopp zurück aus den USA: DFB-Vertrag vor dem Abschluss

Kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland meldete sich Jürgen Klopp mit gut gelaunten Bildern aus den USA in den sozialen Netzwerken. Nach sieben Wochen sei es ein außergewöhnliches Erlebnis gewesen, schrieb er zu Fotos mit TV-Kollegen sowie Stars wie Lionel Messi und Kylian Mbappé. Für Aufmerksamkeit sorgte dabei auch ein Selfie mit weißer Gesichtsmaske und dem Kommentar, nun sei es Zeit, wieder Kraft zu tanken.

Von Erholung kann jedoch kaum die Rede sein. Für Klopp steht nun der Wechsel vom TV-Experten zum künftigen Bundestrainer an. Im Hintergrund arbeiten Berater, Juristen und DFB-Verantwortliche mit Hochdruck an einem Vertrag, der ihn bis zur WM 2030 binden soll. Klopp hatte zuletzt selbst angedeutet, dass eine Einigung sehr nah sei und eine Verkündung in den kommenden Tagen erfolgen könnte.

Große Aufgaben warten auf Klopp

Mit der möglichen Übernahme der Nationalmannschaft beginnt für Klopp deutlich mehr als reine Vertragsarbeit. Nach dem erneuten enttäuschenden Abschneiden bei einer Weltmeisterschaft wartet auf ihn vor allem die Frage, wie Deutschland sportlich wieder näher an die internationale Spitze heranrücken kann – und mit welchem Personal.

Kimmich als Schlüsselfigur

Ein zentrales Thema dürfte Joshua Kimmich werden. Dessen Rolle als Rechtsverteidiger wird vielerorts als Fehlgriff der vergangenen Turnierphase bewertet. Klopp, der für dominanten Fußball steht, dürfte den Kapitän eher wieder im Zentrum einplanen. Das wäre ein klares Signal.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp hat sich schon seine Gedanken gemacht über die Personallage. (Archivbild) Quelle: Tom Weller/dpa

Allerdings würde damit auf der rechten Abwehrseite sofort die nächste Baustelle entstehen. Ridle Baku und Josha Vagnoman konnten sich bislang nicht nachhaltig aufdrängen. Nathaniel Brown von links nach rechts zu ziehen, wäre eher eine Verlegenheitslösung. Möglich wäre ein neues DFB-Kapitel für Benjamin Henrichs. Eine Umstellung auf Dreierkette gilt dagegen als eher unwahrscheinlich, weil sie nicht zu Klopps bisheriger Trainerphilosophie passt.

Die Torwartfrage nach Neuer

Auch im Tor muss Klopp eine wichtige Weichenstellung treffen. Manuel Neuer hat seine DFB-Laufbahn nach dem WM-Aus beendet. Damit ist erstmals seit vielen Jahren die Position der Nummer eins offen.

Zur Diskussion stehen verschiedene Szenarien: Ein echter Neustart mit dem 22 Jahre alten Jonas Urbig, der beim FC Bayern als möglicher Neuer-Nachfolger gilt, dort aber vorerst nur Ersatzmann ist. Oder die erfahrene Variante mit Oliver Baumann, der sich trotz Rückschlägen im Nationalteam viel Respekt erarbeitet hat, mit 36 Jahren aber kaum für einen langfristigen Neuanfang steht. Auch Marc-André ter Stegen könnte wieder ein Thema werden – sofern er verletzungsfrei bleibt.

Die Torwartfrage wird im deutschen Fußball traditionell besonders aufmerksam verfolgt. Entsprechend groß ist die Bedeutung der ersten Entscheidung des möglichen neuen Bundestrainers.

Mehr als nur Einzelentscheidungen

Neben Personalfragen geht es grundsätzlich um die Qualität und Struktur des deutschen Fußballs. Klopp wird nicht im Alleingang alles verändern können. Zwar drängen junge Spieler nach, und Talente wie Lennart Karl oder Said El Mala werden als Hoffnungsträger genannt. Doch allein mit Jugend dürfte der Umbruch nicht gelingen.

Lothar Matthäus mahnte bereits an, dass es nicht nur auf junge Kräfte ankomme. Erfahrung und Führungsstärke seien ebenso unverzichtbar. Genau darin liegt eine der größten Herausforderungen für Klopp: eine Mannschaft zu formen, die Talent, Reife und Widerstandskraft verbindet.

Fehlt der Mannschaft die Härte?

Zuletzt war auch die Mentalität des Teams wieder Thema. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann bezeichnete die aktuelle Generation als zu weich. Klopp ist bekannt dafür, Klartext zu sprechen und mit hoher Energie zu arbeiten. Gerade diese Mischung aus Intensität, Emotionalität und konsequenter Ansprache könnte nun gefragt sein.

Beim FC Liverpool feierte Klopp große Erfolge mit aggressivem, kraftvollem Pressingfußball. Genau diese Mentalität könnte auch der Nationalmannschaft helfen. Da ihm als Bundestrainer deutlich weniger gemeinsame Trainingstage zur Verfügung stehen als im Vereinsfußball, werden vor allem seine Führungsqualitäten und seine Fähigkeit zur schnellen Vermittlung einer klaren Idee entscheidend sein.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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