Fußball

Europa-Schock! Freiburg patzt ausgerechnet beim HSV

Europa-Held Freiburg taumelt beim HSV – und ausgerechnet im Volkspark wird ein Abschied zur ganz großen Bühne.

10.05.2026, 17:26 Uhr

Vuskovic verabschiedet sich mit Tor: Freiburg vertagt Europapokal-Qualifikation in Hamburg

Der SC Freiburg muss seine Reiseplanungen für den Europapokal in der kommenden Saison noch verschieben. Drei Tage nach dem Einzug ins Finale der Europa League unterlagen die sichtlich müden Breisgauer beim Hamburger SV mit 2:3 (1:1) und verpassten damit am vorletzten Bundesliga-Spieltag die vorzeitige Qualifikation für das internationale Geschäft.

Trotz des Rückschlags bleibt Freiburg mit 44 Punkten in einer guten Ausgangslage. Vor dem letzten Saisonspiel gegen RB Leipzig liegt das Team von Julian Schuster im Rennen um Rang sieben weiter vor Eintracht Frankfurt und dem FC Augsburg, die beide 43 Zähler aufweisen.

Vor 57.000 Zuschauern im zum 17. Mal in dieser Saison ausverkauften Volksparkstadion trafen Bakery Jatta (14.), Luka Vuskovic (64.) und Joker Fabio Baldé (67.) für den HSV. Beide Freiburger Tore erzielte Igor Matanovic (16./87.).

Emotionaler Abschied für Vuskovic

Besondere Aufmerksamkeit galt nach dem Abpfiff Luka Vuskovic. Fans, Mitspieler und Trainer verabschiedeten den 19 Jahre alten Innenverteidiger mit viel Applaus, die Mannschaft schickte ihn sogar noch einmal in die Nordkurve. Der von Tottenham Hotspur ausgeliehene Kroate, für den es keine Kaufoption gibt, dürfte sein letztes Heimspiel für den HSV bestritten haben.

Der junge Abwehrspieler hatte seinen Abschied mit einem besonderen Moment veredelt: Sein Treffer zum 2:1 fiel per wuchtigem Freistoß. Anschließend präsentierte er sein Trikot mit der Nummer 44 in Richtung HSV-Fans. Vuskovic, der als wichtiges Puzzleteil beim Klassenverbleib des Aufsteigers gilt, zeigte sich danach tief bewegt.

„Das ist ein besonderer Tag für mich. Die Fans waren so beeindruckend. Ich habe so viel Liebe von den Fans, von den Spielern, vom Betreuerstab bekommen“, sagte Vuskovic bei DAZN.

Eine Rückkehr stellte er jedoch kaum in Aussicht.

„Im Fußball weiß man nie, aber die Chance ist sehr, sehr klein. Ich habe diese Saison für den Verein gespielt. Jedes Spiel war sehr besonders. Es war sehr schön. Hamburg ist meine zweite Heimat.“

Auch Mitspieler Bakery Jatta fand deutliche Worte:

„Luka ist ein sehr feiner Kerl. Er ist mein Nachbar in der Kabine. Er ist ein überragender Fußballer. Wir haben jeden Moment, jede Sekunde mit ihm Spaß gehabt.“

HSV ohne Druck, Freiburg mit schwerer Last

Für den HSV stand sportlich nicht mehr viel auf dem Spiel. Der Bundesliga-Rückkehrer hatte den Klassenverbleib bereits in der Vorwoche gesichert und konnte deshalb im letzten Heimspiel der Saison befreit aufspielen. Exakt ein Jahr nach dem Aufstieg trat die Mannschaft entsprechend gelöst auf.

Freiburg hatte unter der Woche beim 3:1 gegen Sporting Braga im Europa-League-Halbfinale viel Kraft gelassen. Entsprechend war den Gästen die Belastung deutlich anzumerken.

Mit Blick auf das Olympia-Referendum in Hamburg am 31. Mai liefen die HSV-Profis beim Warmmachen in Shirts mit der Aufschrift „Hamburg kann große Spiele“ auf. Ein fußballerischer Leckerbissen wurde die Begegnung zwar nicht, unterhaltsam blieb sie dennoch.

Jatta trifft erstmals in der Bundesliga

Zu Beginn wirkte Freiburg aktiver und setzte die Hamburger früh unter Druck. In dieser Phase hielt Vuskovic die HSV-Abwehr mit mehreren starken Aktionen zusammen und unterband nahezu im Alleingang klare Freiburger Möglichkeiten.

Die Hamburger Führung kam daher eher überraschend. Jatta staubte aus kurzer Distanz ab und erzielte sein erstes Tor in der Bundesliga. Lange währte die Freude aber nicht: Matanovic, einst für den FC St. Pauli aktiv, traf nur zwei Minuten später zum 1:1 und markierte damit seinen neunten Saisontreffer.

Danach entwickelte sich eine offene Partie mit Chancen auf beiden Seiten. Beide Teams bemühten sich um Ordnung im Spiel, fanden aber nur phasenweise Struktur. Die beste Gelegenheit besaß Fabio Vieira, dessen Schuss in der 19. Minute am Pfosten landete.

Bemerkenswert war auch eine rund zehnminütige Ruhephase auf den Rängen nach einem medizinischen Notfall in der Nordkurve. Bereits zuvor und später erneut reagierten die Fans beider Lager bei weiteren Zwischenfällen sehr umsichtig.

Hamburg nach der Pause zielstrebiger

Nach dem Seitenwechsel kam der HSV deutlich besser ins Spiel. Freiburg war die Belastung der vergangenen Tage anzumerken, und den Gästen fehlte zunehmend die Frische. Hamburg erspielte sich nun mehrere gute Szenen: Matthias Ginter klärte gegen Otto Stange im letzten Moment (47.), kurz darauf verfehlte Ransford Königsdörffer das Tor aus aussichtsreicher Position nur knapp (52.).

Zwar prüfte Lukas Kübler dazwischen noch HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes (51.), insgesamt aber tat sich Freiburg offensiv schwer. In der 64. Minute war es dann Vuskovic, der die Gastgeber per Freistoß erneut in Front brachte. Nur drei Minuten später erhöhte der kurz zuvor eingewechselte Fabio Baldé auf 3:1.

Freiburg fand darauf kaum noch Antworten. Erst in der 87. Minute keimte durch Matanovics zweiten Treffer noch einmal Hoffnung auf. In der Nachspielzeit hätte Vieira beinahe endgültig alles entschieden, traf jedoch nur den Pfosten (90.+5).

Entscheidung fällt am letzten Spieltag

Damit bleibt der Kampf um Platz sieben bis zum Saisonende offen. Freiburg hat trotz der Niederlage weiterhin die besten Karten, muss im abschließenden Duell mit RB Leipzig aber noch einmal liefern, um sich den Europapokalplatz tatsächlich zu sichern.

Die Enttäuschung über die verpasste Vorentscheidung war bei den Breisgauern spürbar.

„Klar hat das Körner gekostet. Wir haben dieses Jahr unfassbar viele Spiele gespielt. Trotzdem sind die Tore, die wir kassiert haben, zu einfach. Wir hatten die Chance, eines von zwei Endspielen für uns entscheiden. Das haben wir nicht geschafft. Jetzt haben wir wieder die Chance gegen Leipzig“, sagte Keeper Noah Atubolu.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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