Fußball

Drama beim WM-Debüt: Zwayers starke Leistung getrübt

Zwayer hat USA gegen Australien im Griff – bis ihn plötzlich Krämpfe stoppen. War das sein letztes WM-Spiel?

20.06.2026, 05:52 Uhr

Zwayer beendet WM-Debüt trotz Krampf – weiterer Einsatz bleibt aber offen

An Felix Zwayers erstes Spiel bei der WM werden sich viele wohl weniger wegen seiner Schiedsrichterleistung erinnern als wegen der Bilder aus der Nachspielzeit. Beim Gruppenspiel zwischen den USA und Australien saß der 45 Jahre alte Berliner im Stadion von Seattle auf dem Rasen, während Spieler ihm Krämpfe aus der linken Wade drückten.

Nachdem er wieder aufstehen und die Begegnung regulär beenden konnte, spendeten ihm die 66.925 Zuschauer anerkennenden Applaus. Danach verließ Zwayer die sonst für Football genutzte Arena ohne Kommentar – und damit auch ohne ein Update zu seinem Gesundheitszustand. Eine offizielle Einschätzung stand zunächst weiter aus, die FIFA wurde dazu angefragt.

Klopp zweifelt an Vorteil für weitere Ansetzungen

Der ungewöhnliche Zwischenfall bei 28 Grad und praller Mittagssonne in Seattle sorgte anschließend für reichlich Gesprächsstoff. Jürgen Klopp sagte bei MagentaTV mit Blick auf mögliche weitere WM-Einsätze: „Wir hatten doch vor dem Spiel darüber gesprochen: Was muss ein Schiedsrichter tun, um weitere Spiele zu kriegen? Ich würde jetzt einfach mal annehmen, dass das nicht dazu beiträgt.“

Für Zwayer war die Szene besonders unglücklich, weil er die Partie bis dahin souverän geleitet hatte. Beim 2:0 der USA im zweiten Gruppenspiel zeigte er zwar sieben Gelbe Karten – so viele wie zuvor kein anderer Referee bei diesem Turnier –, wirkte dabei aber mit seiner klaren Linie konsequent und verschaffte sich Respekt auf dem Platz.

Ittrich nimmt Zwayer in Schutz

Schiedsrichter-Experte Patrick Ittrich verteidigte seinen Kollegen und hob dessen Fitness hervor. „Man will sich nicht nachsagen lassen, dass man nicht fit ist und derjenige ist, der hier ausgewechselt werden muss. Das ist bei Felix Zwayer überhaupt nicht so, weil der topfit ist“, sagte er nach der Partie. Durch die verletzungsbedingte Unterbrechung des Referees verlängerte sich die Nachspielzeit zusätzlich.

Trotz des Vorfalls darf Zwayer bei dem XXL-Turnier über mehr als fünfeinhalb Wochen weiter auf einen weiteren Einsatz hoffen. Als Beispiel gilt der Argentinier Facundo Tello: Er musste im März in einem wichtigen WM-Playoff zwischen der DR Kongo und Jamaika wegen einer Verletzung am linken Bein in der Verlängerung ausgewechselt werden. Die FIFA setzte ihn später dennoch bei der WM ein – und ließ ihn bereits die dritte Turnierpartie zwischen Kanada und Bosnien-Herzegowina leiten.

Krampf oder Verletzung?

Entscheidend ist nun die Frage, ob Zwayer tatsächlich nur einen Krampf hatte oder ob eine strukturelle Verletzung vorliegt. „Ich bin besorgt, muss ich sagen“, erklärte Ittrich zwischenzeitlich. Dass Zwayer das Spiel nach der Behandlung selbst zu Ende brachte und den Rasen anschließend mit seinen Assistenten verließ, spricht immerhin dafür, dass kein sofortiger Abbruch nötig war.

Auch im TV Anlass für Späße

Bei ARD und MagentaTV blieb die Szene nicht ohne humorvolle Kommentare. Bastian Schweinsteiger scherzte, Zwayer habe sich in der 94. Minute auf dem Boden gewälzt und einen Krampf nur vorgetäuscht.

Ganz ernst war das ebenso wenig gemeint wie die Bemerkung von Magenta-Moderator Johannes Kerner, der angesichts des schwachen Niveaus nach der Pause sagte: „Er war der Einzige, den das Spiel in der zweiten Halbzeit umgehauen hat.“

Viel Lob für die Leistung des Deutschen

In der Bewertung der Spielleitung waren sich die Experten einig. Ittrich, Klopp und Schweinsteiger bescheinigten Zwayer eine starke Vorstellung. „Wirklich hervorragende Leistung: viel laufen lassen, gute Gelbe Karten. Das war wirklich top“, sagte Ittrich.

Zwayer ist bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko der einzige deutsche Schiedsrichter. Bei der WM 2022 in Katar war Daniel Siebert als deutscher Vertreter dabei und leitete zwei Vorrundenspiele.

2018 in Russland erhielt Felix Brych lediglich eine Ansetzung. Nach seiner Leitung der emotionalen Vorrundenpartie zwischen Serbien und der Schweiz war er damals massiv kritisiert worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen