Fußball

Rot-Premiere! Türkei scheitert trotz Überzahl

Trotz Rot-Premiere und langer Überzahl: Für Arda Güler endet die WM bitter früh – was lief bei der Türkei schief?

20.06.2026, 07:05 Uhr

Türkei nach Niederlage gegen Paraguay vorzeitig ausgeschieden

Die Türkei ist bei der WM schon nach der Vorrunde gescheitert. Trotz einer kompletten zweiten Halbzeit in Überzahl verlor das Team von Trainer Vincenzo Montella gegen Paraguay mit 0:1 (0:1). Damit steht die Mannschaft um Real-Madrid-Star Arda Güler bereits vor dem abschließenden Spiel gegen Co-Gastgeber USA als Tabellenletzter der Gruppe D fest. Die erste WM-Teilnahme seit 2002 endet damit in einer herben Enttäuschung.

Unmittelbar nach dem Abpfiff war die Verzweiflung bei den Türken unübersehbar: Kenan Yildiz vergrub sein Gesicht im Trikot, Mert Müldür weinte auf dem Rasen. Güler sagte anschließend: "Wir sind richtig, richtig traurig. Das ist auch beschämend, wir entschuldigen uns bei unserem Volk." Weiter erklärte er: "Wir sind einfach super traurig. Ich weiß nicht, wie ich von unseren Gefühlen sprechen soll, wir sind ehrlich gesagt alle am Weinen."

Für die Türkei ist das Aus besonders bitter, weil bei dieser XXL-WM zuvor nur der Inselstaat Haiti vorzeitig ausgeschieden war. Die USA stehen in der Gruppe bereits als Sieger fest.

Im Stadion von Santa Clara in der San Francisco Bay Area sorgte Matías Galarza schon in der 2. Minute für die Entscheidung. Paraguay spielte über weite Strecken nur noch mit zehn Mann, nachdem Miguel Almirón in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit die Rote Karte gesehen hatte. Schiedsrichter Ivan Barton aus El Salvador griff dabei erstmals bei diesem Turnier auf eine neue Regel zurück: Almirón wurde nach einem Streit mit Müldür des Feldes verwiesen, weil er sich die Hand vor den Mund hielt. Paraguay hat nun drei Punkte und kann mit einem Sieg gegen Australien aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen.

Früher Rückschlag für Montellas Team

Montella hatte nach dem 0:2 zum Auftakt gegen Australien angekündigt, seine Mannschaft werde die Kritik auf dem Platz beantworten. Doch stattdessen wurde die Türkei sofort kalt erwischt. Paraguay gewann den Ball früh im türkischen Spielaufbau, bediente Galarza, und der 24-Jährige traf aus gut 20 Metern präzise ins Eck. "Es war völlig verrückt", sagte der Torschütze nach dem Spiel.

Die mit Trommeln angereisten paraguayischen Fans sorgten danach für lautstarke Unterstützung. Die Türkei fand zunächst kaum in die Partie. Ein früher Versuch von Güler aus guter Position ging deutlich über das Tor. Zwar verzeichneten die Türken nach etwa 30 Minuten fast 80 Prozent Ballbesitz, zwingende Chancen entstanden daraus jedoch kaum.

Viel Unruhe und ein Schiedsrichter im Mittelpunkt

Auch das nötige Glück fehlte der Türkei. Nach einem Freistoß kam Müldür per Kopf zum Abschluss, doch der Ball sprang erst an die Latte und anschließend an den Pfosten, statt im Netz zu landen.

Die Bedeutung des Spiels war jederzeit spürbar, immer wieder wurde es hektisch. Referee Barton hatte Mühe, die Emotionen zu kontrollieren, und rückte schließlich selbst in den Fokus. Nach Sichtung der Videobilder entschied er auf Rot gegen Almirón. Die neu eingeführte Regel soll diskriminierendes Verhalten auf dem Platz unterbinden.

Mit einem Spieler mehr erhöhte die Türkei den Druck im zweiten Durchgang deutlich. Das Team von Montella kam auch zu Abschlüssen, doch entweder fehlte die Genauigkeit oder Paraguays Torhüter Orlando Gill war zur Stelle. Paraguay verteidigte mit großem Einsatz und brachte den knappen Vorsprung über die Zeit.

Kritik von Altintop – Montella nimmt Team in Schutz

Ex-Nationalspieler Halil Altintop zeigte sich als Experte bei Magenta TV deutlich enttäuscht. "Es hat sich ja gar nichts verändert, ob sie jetzt einen Mann mehr waren oder nicht. Das ist erschreckend", sagte er. Mit Blick auf die Qualität im Kader sprach Altintop von großer Naivität.

Montella verteidigte seine Spieler trotz der zweiten Niederlage dagegen ausdrücklich. Der Trainer verwies auf die Vielzahl ungenutzter Möglichkeiten und sagte: "Wir haben nicht getroffen, aber wir hatten 65 Torschüsse in zwei Spielen." Seine Mannschaft habe "Herz und Seele auf dem Feld gelassen". Zugleich betonte er: "Fußball ist nicht logisch, deswegen ist es das schönste Spiel der Welt. Das bessere Team gewinnt nicht immer."

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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