Kane bewahrt Bayern in Elversberg vor dem Fehltritt
Der FC Bayern München hat beim überraschend starken Aufsteiger SV Elversberg nur mit Mühe einen Ausrutscher verhindert. Zum Abschluss des 3. Bundesliga-Spieltags setzte sich der Rekordmeister mit 2:1 (1:0) durch und vermied damit nach dem torlosen Auftritt bei Schalke 04 den nächsten Dämpfer.
Vor 9.307 Zuschauern brachte Lennart Karl die Münchner in der 26. Minute in Führung. Nach der Pause glich Maurice Krattenmacher (61.) für die Gastgeber aus, ehe Harry Kane in der 72. Minute den Bayern doch noch den Sieg sicherte. Mit sieben Punkten klettert das Team von Vincent Kompany auf Platz vier, Elversberg ist trotz der ersten Niederlage mit sechs Zählern Sechster.
Nach dem Schlusspfiff stand Kane im Mittelpunkt. Aleksandar Pavlovic, der den entscheidenden Treffer vorbereitet hatte, lobte den Torjäger bei DAZN: „Den macht er super rein. Den mag er, den macht er öfter. Hat er überragend reingemacht.“ Zugleich betonte der Nationalspieler, dass Elversberg „es nicht schlecht gemacht“ habe.
Riesiger Kontrast vor dem Anpfiff
Schon vor dem Anpfiff hatte die Begegnung bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt. Das Duell zwischen dem kleinen Dorfclub und dem prominent besetzten Branchenführer aus München stand sinnbildlich für ein klassisches Kräftemessen zwischen Außenseiter und Favorit. In der 63-jährigen Bundesliga-Geschichte hat es wohl selten einen größeren Kontrast zwischen zwei Klubs gegeben.
Zusätzlichen Gesprächsstoff lieferte Elversbergs Trainer Vincent Wagner, der nach seiner Gelb-Roten Karte in Mönchengladbach letztlich doch an der Seitenlinie stehen durfte. Unterstützung für die Aufhebung der Sperre kam sogar aus München, unter anderem von Trainer Vincent Kompany und Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.
Auch abseits des Rasens war einiges ungewöhnlich: Die Bayern flogen mit zwei Privatjets nach Luxemburg, übernachteten dort in einem Fünf-Sterne-Hotel und fuhren den Rest per Bus. In Elversberg selbst warteten wegen der Baustellensituation eher provisorische Bedingungen, die Spieler mussten sich in Containern umziehen. Kompany nahm es gelassen und verwies auf den besonderen Reiz der Bundesliga.
Viele Wechsel bei Bayern
Im Vergleich zum 5:0 in der Champions League gegen Bodø/Glimt stellte Kompany seine Anfangsformation auf sieben Positionen um. Unter anderem saßen Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Luis Diaz zunächst auf der Bank.
Wagner setzte dagegen auf dieselbe Elf wie beim 4:3 in Mönchengladbach. Seine Marschroute war klar: mutig und mit Tempo, aber dennoch geordnet.
Schon nach fünf Minuten musste Elversberg jedoch den ersten Rückschlag verkraften. Francis Onyeka verletzte sich nach einem Foul an Ismael Saibari und wurde durch Noah Darvich ersetzt. Wenig später meldete sich der Außenseiter offensiv an: Eine scharfe Hereingabe von Lukas Petkov lenkte Minjae Kim beinahe ins eigene Tor, der Ball landete aber nur am Außennetz.
Bayern zunächst ohne Schwung
Die Münchner brauchten bis zur 20. Minute für ihren ersten Abschluss. Karl schoss aus rund 18 Metern allerdings zu unplatziert, sodass Nicolas Kristof problemlos parieren konnte. Insgesamt wirkte der Favorit lange ideenarm und schwerfällig, auch Michael Olise fand hinter Harry Kane kaum ins Spiel.
Dann genügte den Bayern ein gelungener Angriff zur Führung: Saibari setzte sich links durch und spielte quer in den Strafraum, wo Karl aus kurzer Distanz verwandelte. Für Elversberg war das ein Nackenschlag, weil die Gastgeber zu diesem Zeitpunkt gerade besser in die Partie fanden.
Kurz vor der Pause schien Cole Campbell den Ausgleich erzielt zu haben. Nach längerer VAR-Prüfung wurde der Treffer wegen einer Abseitsstellung jedoch aberkannt.
Krattenmacher trifft, Kane antwortet
Nach dem Seitenwechsel sorgte ausgerechnet Maurice Krattenmacher für den Ausgleich. Der 21-Jährige, der im Sommer von Bayern nach Elversberg gewechselt war, traf mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel zum 1:1.
Kompany reagierte sofort und brachte mit Kimmich, Musiala und Diaz frische Qualität. Der Druck der Gäste nahm dadurch deutlich zu, Elversberg hatte der geballten Offensivpower nur noch wenig entgegenzusetzen. Schließlich war es Kane, der in der 72. Minute den entscheidenden Treffer erzielte und den Bayern damit einen knappen, aber wichtigen Auswärtssieg sicherte.
Elversbergs Trainer Wagner wollte sich nach der Partie für die starke Vorstellung seiner Mannschaft allerdings nichts kaufen. „Um Gottes willen, wir haben verloren, da gibt’s nichts zu beglückwünschen. Nah‘ dran ist die Schwester von Scheiße, habe ich mal gehört“, sagte er.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber