Antonelli triumphiert in Madrid und baut Führung im WM-Kampf weiter aus
Kimi Antonelli hat das Formel-1-Comeback in Madrid eindrucksvoll für sich genutzt und den nächsten großen Schritt Richtung Weltmeisterschaft gemacht. Der 20 Jahre alte Italiener gewann im Mercedes zum achten Mal in dieser Saison und festigte damit seine Rolle als neuer Maßstab der Formel 1.
Nach dem Rennen sprang Antonelli mit breitem Grinsen in die Arme seiner Crew. Von seinem sichtlich stolzen Vater gab es eine rote Nelke und eine innige Umarmung, anschließend überreichte Spaniens König Felipe VI. dem Sieger die Trophäe. Über Funk hatte Mercedes den Erfolg als „absolute Meisterklasse“ gefeiert.
Ganz zufrieden war Antonelli trotz des Triumphs aber nicht. „Es ist schön, zu gewinnen, aber es fühlt sich nicht so gut an. Ich finde, dass Lando den Sieg verdient gehabt hätte“, sagte er nach dem Rennen. Dennoch blieb seine Botschaft im Titelkampf klar: „Ich will weiter abliefern.“
Zweiter auf dem Stadtkurs in der spanischen Hauptstadt wurde Max Verstappen im Red Bull, Dritter Titelverteidiger Lando Norris. Der Brite fühlte sich um den möglichen Sieg gebracht: „Es hat sich angefühlt, als wäre ich ein perfektes Rennen gefahren. Nur das Glück war nicht auf meiner Seite.“ Nico Hülkenberg holte als Zehnter einen Punkt für Audi.
Hamilton nach Bremsdrama wohl endgültig raus aus dem Titelkampf
Lewis Hamilton erlebte in Madrid dagegen ein Debakel. Der Ferrari-Pilot musste sein Auto schon nach wenigen Runden wegen Bremsproblemen abstellen und liegt als WM-Dritter nun mehr als 100 Punkte hinter Antonelli. Damit dürfte sein Traum vom achten Titel praktisch beendet sein.
Hamilton meldete die Probleme früh über Funk. „Ich kann den Wagen kaum stoppen“, funkte er. Später schilderte er, das Bremspedal habe plötzlich „einen Ruck gemacht“. Mit Mühe schaffte es der Rekordweltmeister noch an die Box, ehe sein Rennen endgültig vorbei war.
Auch in der Gesamtwertung vergrößerte Antonelli seinen Vorsprung auf Mercedes-Teamkollege George Russell. Der Brite kam in Madrid nur auf Rang fünf und hat nun bereits 81 Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter.
Prominenter Besuch beim Madrid-Comeback
Vor dem ersten Grand Prix in Madrid war die Spannung groß. Der neue Kurs galt als extrem schnell, zugleich aber eng und schwierig. Viele fragten sich im Vorfeld, ob Überholmanöver überhaupt möglich sein würden oder ob Chaos drohte.
Die Rückkehr der Formel 1 nach Madrid lockte auch abseits des Fahrerlagers viel Prominenz an. Besonders stark vertreten war Real Madrid: Von früheren Größen wie Roberto Carlos und Zinedine Zidane bis zu aktuellen Stars wie Jude Bellingham war reichlich Fußball-Prominenz vor Ort. Das Trainingszentrum des Klubs liegt direkt neben der Strecke, nachdem Real am Vorabend noch 4:1 gegen Rayo Vallecano gewonnen hatte.
Rund 100.000 Zuschauer verfolgten das Rennen auf dem Circuito Madring.
Turbulenter Auftakt und Funkzoff mit Verstappen
Schon die erste Runde bot reichlich Dramatik. Pole-Setter Norris verteidigte seine Führung mit aller Kraft, während Antonelli sofort Druck machte und in einer Schikane ausweichen musste. Auch zwischen Verstappen und Hamilton ging es eng zu. Zu einem Unfall kam es zwar nicht, doch über Funk wurde heftig diskutiert.
Hamilton forderte: „Max muss die Position zurückgeben.“ Verstappen beschwerte sich seinerseits: „Hamilton ist fast in mich reingekracht.“
Zunächst behauptete Norris die Spitze. Seine Poleposition hatte er sich tags zuvor mit einer starken Runde gesichert, bereits die dritte in den vergangenen vier Rennen. Hinter ihm bekam Verstappen vom Team die Anweisung, Antonelli und Hamilton wieder vorbeizulassen, weil er eine Passage abgekürzt hatte. So sollte eine Strafe vermieden werden.
Verstappen reagierte verärgert: „Was redet ihr da? Wenn ich nicht Platz gemacht hätte, wäre ich nicht mehr im Rennen.“ Die Positionen gab er letztlich aber doch zurück.
Norris verliert durch VSC und langsamen Stopp
Die Premiere in Madrid blieb auch danach spannend. Nachdem sich die Lage zunächst beruhigt hatte, musste Lance Stroll seinen Aston Martin abstellen. Das führte zu einer virtuellen Safety-Car-Phase, die Antonelli und Verstappen für einen Reifenwechsel nutzten. Unter diesen Bedingungen lässt sich wertvolle Zeit sparen.
Für Norris kam die Neutralisation dagegen zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Er war bereits an der Boxeneinfahrt vorbei und konnte erst eine Runde später stoppen. Genau als er zu seinen Mechanikern rollte, wurde die VSC-Phase beendet. Dazu kam ein langsamer Reifenwechsel. Statt an der Spitze fiel er auf Rang fünf zurück.
Neuer Führender war zunächst Charles Leclerc, der noch draußen geblieben war. Direkt dahinter lagen Antonelli und Verstappen.
Antonelli nutzt die Chance konsequent
Noch vor der Rennhälfte begannen bereits die ersten Überrundungen. Besonders bitter war das für Fernando Alonso, der als Erster betroffen war. Zuvor war der Spanier auch noch mit seinem Landsmann Carlos Sainz aneinandergeraten. Der Madrilene erhielt dafür eine Zeitstrafe und musste später ebenfalls aufgeben.
Leclerc blieb zunächst auf der Strecke, doch sein Boxenstopp war unvermeidlich. Damit war der Weg für Antonelli frei, der das Rennen danach souverän kontrollierte. Norris machte in der Schlussphase zwar mit viel Wut im Bauch Druck auf Verstappen, fand aber keinen Weg vorbei.
Als Leclerc in Runde 49 schließlich an die Box kam, stand Antonellis Sieg endgültig fest. Der junge Italiener feierte damit in Madrid den nächsten großen Erfolg einer bislang beeindruckenden Saison.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber