Dank eines späten Treffers von Joker Amad Diallo hat die Elfenbeinküste das Duell zweier kommender deutscher WM-Gegner gewonnen. Die Westafrikaner setzten sich in Philadelphia mit 1:0 (0:0) gegen Ecuador durch und rückten in Gruppe E vorerst auf Rang zwei hinter die DFB-Auswahl von Bundestrainer Julian Nagelsmann vor. Diallo traf in der 90. Minute.
Vor 68.274 Zuschauern wurde zugleich deutlich, dass auf Deutschland deutlich anspruchsvollere Aufgaben warten als beim 7:1 zum Auftakt gegen Curaçao. Vor allem körperlich verlangten die Ivorer und Ecuadorianer einander alles ab. Gegen die Elfenbeinküste spielt Deutschland am Samstag in Toronto, gegen Ecuador dann am 25. Juni in East Rutherford.
Diomande ragt heraus
Auch wenn Diallo der Torschütze war, prägte vor allem Yan Diomande die Partie. Der 19 Jahre alte Flügelspieler von RB Leipzig wurde als bester Spieler des Spiels ausgezeichnet und war mit seinem Tempo und seinen Dribblings der auffälligste Akteur auf dem Platz. Genau ihn muss die deutsche Mannschaft am Samstag in den Griff bekommen.
Diomande blickte dem Duell mit dem DFB-Team mit Respekt entgegen. Es werde sicher ein "schwieriges Spiel", sagte der Offensivmann. Deutschland sei "eine der größten Mannschaften der Welt". Einschüchtern ließ er sich vom klaren deutschen Auftaktsieg aber nicht: "Wir wollen Geschichte schreiben", sagte Diomande.
Bei ihrer vierten WM-Teilnahme wollen die Ivorer erstmals die Vorrunde überstehen. Der Last-Minute-Sieg gegen Ecuador brachte sie diesem Ziel ein gutes Stück näher. Nach dem überraschenden 2:1 im letzten Testspiel gegen Mitfavorit Frankreich war der Erfolg gegen Ecuador das nächste Ausrufezeichen.
Ecuador trifft mehrfach Aluminium
Entgegen der Erwartung eines eher defensiven Spiels suchten beide Teams von Beginn an den Weg nach vorne. Auch Ecuador, eigentlich für seine stabile Defensive bekannt, wurde früh gefährlich und hatte gleich mehrfach Pech mit dem Aluminium. Zunächst setzte der in Hamburg geborene John Yeboah den Ball an die Latte (16.), wenig später traf auch Alan Minda nur den Querbalken (23.).
Auf den Rängen sorgten die südamerikanischen Fans für eine eindrucksvolle Kulisse. Im Stadion der Philadelphia Eagles dominierten tausende gelbe Trikots das Bild, bei fast jedem Angriff Ecuadors wurde es laut.
Diomande wirbelt auf beiden Seiten
Doch auch die Ivorer setzten offensive Akzente. Hoffenheims Bazoumana Touré prüfte den gegnerischen Keeper mit einem gefährlichen flachen Abschluss von links (17.), kurz darauf vergab Elye Wahi aus kurzer Distanz (18.). In der Nachspielzeit der ersten Hälfte versuchte es Wilfried Singo zudem spektakulär per Fallrückzieher.
Vor allem Diomande sorgte für Betrieb. Erst belebte er das Spiel über rechts, später wirbelte er auch auf der linken Seite. Selbst Ecuadors Abwehrspieler Piero Hincapié, einst Double-Sieger mit Bayer Leverkusen und inzwischen beim FC Arsenal, bekam den dribbelstarken Youngster kaum zu fassen. In 36 Pflichtspielen der vergangenen Saison erzielte Diomande für Leipzig 13 Tore.
Ivorische Defensive nicht immer sattelfest
Auch nach dem Seitenwechsel blieb die Partie lebhaft. Ecuadors Routinier Enner Valencia setzte den Ball aus sehr spitzem Winkel an den Außenpfosten (46.). Auf der anderen Seite traf Wahi erneut nur die Latte (52.). Insgesamt landete Ecuador dreimal am Aluminium – ein Hinweis darauf, dass die ansonsten robusten Ivorer defensiv nicht immer sicher wirkten.
In der 68. Minute lag der Führungstreffer für Ecuador in der Luft, viele Fans sprangen bereits auf. Doch Gonzalo Plata scheiterte mit einem harten Schuss am stark reagierenden Yohia Fofana. So blieb die Begegnung bis in die Schlussphase offen.
Kurz vor dem Ende schlugen die "Elefanten" dann doch noch zu: Diallo schob den Ball flach ins linke Eck und sicherte seinem Team den späten Sieg. Für Ecuador endete damit eine Serie von 19 Pflichtspielen ohne Niederlage.
Ansage vor dem Deutschland-Spiel
Trainer Emerse Faé lobte die Qualität des kommenden Gegners. Deutschland verfüge über "wahnsinnig viel Erfahrung" und "enorme Offensivkraft", sagte er. Dennoch wolle seine Mannschaft der DFB-Elf "die Stirn bieten".
Für Deutschland dürfte das eine klare Warnung sein: Räume könnte es gegen die Elfenbeinküste durchaus geben – aber ebenso viel Wucht, Tempo und Intensität. Diomande, der wie der gesamte 26-köpfige Kader der Ivorer seine erste WM bestreitet, kündigte bereits an, alles für den nächsten Sieg tun zu wollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion