Paraguay wartet im Achtelfinale auf Deutschland
Julian Nagelsmann kennt den nächsten Gegner der Nationalmannschaft: Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft trifft die DFB-Auswahl am Montag um 22.30 Uhr in Foxborough auf Paraguay. Die Partie wird im ZDF und bei MagentaTV übertragen.
Vor dem ersten K.-o.-Spiel gibt sich vor allem Rudi Völler demonstrativ optimistisch. Der DFB-Sportdirektor trat im Teamquartier in Winston-Salem erneut als Mutmacher und als Rückendeckung für Nagelsmann auf. Der Glaube sei groß, dass die Mannschaft gegen Paraguay alles herausholen, ans Limit gehen und in die nächste Runde einziehen werde.
Ecuador-Rückschlag abhaken
Die Nachwirkungen des 1:2 gegen Ecuador zum Abschluss der Gruppenphase versucht Völler einzuordnen. Die Debatte über den absoluten Siegeswillen hält er wegen des bereits gesicherten Gruppensiegs für überzogen. Für ihn zählt nun allein das erste Alles-oder-Nichts-Spiel.
Völler machte klar, dass sich die Lage mit dem Start der K.-o.-Runde komplett verändert. Nun gehe es nur noch darum, weiterzukommen oder nach Hause zu fahren. Genau dieses Bewusstsein sei in der Mannschaft vorhanden.
Deutlich schärfer formulierte es DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig, der von einem "Messer am Hals" in den K.-o.-Spielen sprach. Völler wählte einen hoffnungsvolleren Ton, ließ aber keinen Zweifel daran, dass jetzt höchste Konzentration gefragt ist.
Angespannte Stimmung statt Entspannung
An Erholung ist im DFB-Lager weiter nicht zu denken. Nagelsmann hat die Vorbereitung angepasst, einen freien Tag gab es nicht. Stattdessen trainierte die Mannschaft bei schwül-heißem Wetter im Spry Stadium am Nachmittag, also zu einer Zeit, in der die Bedingungen besonders belastend sind. Der Platz war erneut mit großen schwarz-rot-goldenen Sichtschutzbanner abgeschirmt.
Völler berichtete zudem, dass selbst im Ersatzspielertraining schon wieder die gewünschte Mentalität zu spüren gewesen sei. Für ihn ist klar: Jetzt beginnt das Turnier erst richtig. Entsprechend verteidigte er auch die bisherigen Entscheidungen des Bundestrainers, einschließlich der Wechsel gegen Ecuador.
Kritik von außen wird im DFB-Lager registriert, soll aber nicht überbewertet werden. Kapitän Joshua Kimmich formulierte die Linie der Mannschaft deutlich: Die Schwächen aus dem Ecuador-Spiel müssten klar angesprochen, anschließend aber die richtigen Schlüsse gezogen werden.
Paraguay als unangenehmer erster K.-o.-Gegner
Mit Paraguay verbindet den DFB eine markante WM-Erinnerung. Schon 2002 waren die Südamerikaner der erste deutsche Gegner in der K.-o.-Phase. Damals erlöste Oliver Neuville Deutschland in Seogwipo erst in der 88. Minute mit dem Siegtreffer zum 1:0. Völler könnte nach eigenem Bekunden gut damit leben, wenn es diesmal wieder ein ähnlich mühsamer Arbeitssieg würde.
Paraguay ist keine klassische Fußball-Großmacht, aber ein unangenehmer Gegner. Die Mannschaft kam als Gruppendritter hinter den USA und Australien weiter. Zuvor gab es ein 1:4 gegen den Gastgeber, ein 1:0 gegen die Türkei und ein offenbar bewusst kontrolliertes 0:0 gegen Australien.
Gerade deshalb ist die Partie heikel: Bei einem Aus wäre der deutsche Gruppensieg wertlos, und Deutschland wäre wie 2018 und 2022 schon vor der entscheidenden Turnierphase ausgeschieden.
Offensivreihe und Ballverluste im Fokus
Viel spricht dafür, dass Nagelsmann personell bei seiner Linie der Kontinuität bleibt. Schon gegen Ecuador setzte er zunächst auf seine vertraute Startelf und verteilte WM-Minuten erst später an Ergänzungsspieler.
Völler stellte vor dem Paraguay-Spiel vor allem der Offensive eine klare Aufgabe. Kai Havertz sowie Jamal Musiala und Florian Wirtz müssten für die ganz großen Ziele liefern. Nach oben sei bei diesen Spielern noch Luft.
Ein weiterer Punkt: Deutschland soll im Mittelfeld sorgsamer mit dem Ball umgehen. Zu viele Ballverluste haben die Gegner nach Völlers Einschätzung erkannt und für sich genutzt. Paraguay dürfte genau dort ansetzen.
Körperlichkeit bleibt ein Thema
Nach Ecuador wartet erneut ein Gegner, der stark über Zweikämpfe, Einsatz und Physis kommt. Damit rückt wieder die Frage in den Mittelpunkt, wie gut Deutschland gegen robuste Teams bestehen kann.
Jürgen Klopp warnte als TV-Experte, dass Fußball Leidenschaft, Intensität und Emotionalität brauche. Wer nur spiele, ohne diese Elemente auf den Platz zu bringen, werde nicht weit kommen.
Nagelsmann sieht bei der Robustheit keine schnelle Komplettlösung, verweist aber auf taktische Anpassungen. Körperlichkeit lasse sich nur begrenzt trainieren, deshalb müsse der Ball in manchen Situationen früher gespielt werden, um harte direkte Duelle zu vermeiden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber