Fußball

Paraguay als Nagelsmann-Test: Findet er endlich den Flow?

Nach dem Ecuador-Schock steht das DFB-Team schon unter Druck: Paraguay wird zur K.-o.-Falle – und Experten warnen eindringlich.

27.06.2026, 08:20 Uhr

Paraguay wartet im Achtelfinale auf Deutschland

Julian Nagelsmann hat früher als zunächst erwartet Klarheit über den nächsten Gegner der deutschen Nationalmannschaft erhalten. Durch den Sieg von Europameister Spanien gegen Uruguay steht fest: Im Achtelfinale der Weltmeisterschaft trifft die DFB-Auswahl am Montag um 22.30 Uhr in Foxborough auf Paraguay. Die Partie wird im ZDF und bei MagentaTV übertragen.

Im deutschen Teamquartier in Winston-Salem herrscht derweil volle Konzentration. Nach dem 1:2 gegen Ecuador soll der verlorene Rhythmus schnell wiedergefunden werden. Nagelsmann sieht vor allem einen Punkt als entscheidend an: mehr Ruhe im eigenen Spiel. Nach der Führung habe seine Mannschaft die Kontrolle abgegeben, genau das dürfe sich in der K.-o.-Runde nicht wiederholen.

Dass Rudi Völler für die Medienrunde an der Wake Forest University vorgesehen war, gilt als bewusstes Zeichen. In schwierigen Momenten übernimmt der DFB-Sportdirektor oft eine wichtige Rolle nach außen. Zudem verbindet ihn mit Paraguay eine positive WM-Erinnerung.

Angespannte Stimmung statt Entspannung

An Erholung ist im DFB-Lager derzeit nicht zu denken. Auch wegen des engen Turnierplans wurde auf den sonst üblichen freien Tag zwei Tage nach einem Spiel verzichtet. Stattdessen stand im Spry Stadium eine nicht öffentliche Trainingseinheit an, abgeschirmt durch große schwarz-rot-goldene Sichtschutzbanner. Nagelsmann will keine Zeit verlieren.

Gerade jetzt soll die Mannschaft enger zusammenrücken. Kritik von außen wird registriert, soll intern aber sachlich eingeordnet werden. Kapitän Joshua Kimmich betonte, man müsse klar benennen, was gegen Ecuador nicht gut gelaufen sei, daraus die richtigen Lehren ziehen und den Blick nach vorn richten.

Julian Nagelsmann
Beim Training schaute Nagelsmann ganz genau hin. Quelle: Christian Charisius/dpa

Paraguay als unangenehmer erster K.-o.-Gegner

Mit Paraguay verbindet der DFB bereits WM-Geschichte. Bei der Weltmeisterschaft 2002 waren die Südamerikaner schon einmal der erste deutsche Gegner in der K.-o.-Phase. Damals entschied Oliver Neuville das Achtelfinale in Seogwipo erst in der 88. Minute. Deutschland arbeitete sich anschließend bis ins Finale von Yokohama vor, wo gegen Brasilien Schluss war.

Ein weiteres Duell gab es im August 2013 in einem Testspiel in Kaiserslautern. Deutschland rettete damals durch Treffer von Ilkay Gündogan, Thomas Müller und Lars Bender noch ein 3:3. Wenige Monate später endete diese WM-Saison bekanntlich mit dem Titelgewinn in Brasilien.

Bei diesem Turnier hat Paraguay bisher keinen großen Eindruck hinterlassen. Auf das 1:4 gegen Gastgeber USA folgte ein 1:0 gegen die Türkei und anschließend ein offenbar bewusst verwaltetes 0:0 gegen Australien. Für Diskussionen sorgte die Rote Karte gegen Miguel Almirón im Spiel gegen die Türkei: Er hatte sich während eines Wortgefechts mit einem Gegenspieler den Mund zugehalten, was nach aktueller FIFA-Regelauslegung untersagt ist. Gegen Deutschland darf der Offensivspieler jedoch wieder mitwirken.

Personalfragen vor dem Achtelfinale

Gegen Ecuador setzte Nagelsmann zunächst auf Kontinuität in der Startelf und brachte erst im Verlauf der Partie Ergänzungsspieler. Vieles spricht dafür, dass er auch gegen Paraguay an diesem Kurs festhält. Manuel Neuer bleibt im Tor gesetzt, Joshua Kimmich dürfte erneut rechts hinten verteidigen. Im Zentrum stehen Felix Nmecha und besonders Aleksandar Pavlovic stärker im Fokus. Deniz Undav ist weiter als Joker eingeplant.

Wichtig könnte auch die Situation auf der linken Seite werden. Sollte Nathaniel Brown seine Adduktorenprobleme rechtzeitig überwinden, wäre das ein Gewinn. David Raum konnte ihn zuletzt als linker Außenverteidiger nicht gleichwertig ersetzen.

Körperlichkeit bleibt ein Thema

Nach Ecuador wartet mit Paraguay erneut ein Gegner, der stark über Zweikampfhärte und Einsatz kommt. Damit rückt einmal mehr die Frage in den Mittelpunkt, ob die Physis zum Problem für die deutsche Mannschaft werden könnte. Jürgen Klopp mahnte als TV-Experte, Fußball brauche Leidenschaft, Intensität und Emotionen. Wer nur spiele, ohne diese Elemente auf den Platz zu bringen, werde nicht weit kommen.

Nagelsmann sieht bei diesem Thema keine schnelle Komplettlösung, verweist aber auf taktische Mittel. Da Robustheit nur begrenzt trainierbar sei, müsse man in manchen Situationen den Ball früher spielen, um harte direkte Duelle zu vermeiden.

Spieler wie Jamal Musiala, Florian Wirtz und Leroy Sané stehen eher für Technik als für Wucht. Toni Kroos brachte die Problematik auf den Punkt: Deutschland sei keine besonders physische Mannschaft. Sein Appell fällt dennoch deutlich aus: Der Gegner müsse spüren, wie unangenehm es sei, gegen Deutschland zu spielen. Gerade im Verteidigen fehle dieser unangenehme, kompromisslose Aspekt bislang noch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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