Heidenheim steigt nach 0:2 gegen Mainz aus der Bundesliga ab
Der 1. FC Heidenheim muss nach drei Jahren wieder den Gang in die 2. Bundesliga antreten. Durch das 0:2 (0:2) gegen den FSV Mainz 05 blieb der erhoffte Befreiungsschlag am letzten Spieltag aus. Vor 15.000 Zuschauern lief für die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt schon in der Anfangsphase vieles gegen sie, sodass die starke Aufholjagd der vergangenen Wochen nicht mehr mit dem Klassenerhalt belohnt wurde.
Nach dem Abpfiff spendeten die eigenen Fans lautstark Trost, auch die Mainzer zeigten sich fair und standen aufmunternd Spalier. Die Enttäuschung beim FCH war dennoch groß. "Es tut unfassbar weh", sagte Kapitän Patrick Mainka sichtlich bewegt. Mit Blick auf die Reaktion der Anhänger ergänzte er: "Es ist auch ein ganz komisches Gefühl wegen dieser Euphorie. Die Fans haben das honoriert, was wir in den letzten Wochen gemacht haben. Sie haben gesehen, dass wir alles gegeben haben."
Mainz, das dank einer starken Rückrunde sportlich keinen Druck mehr hatte, ging bereits in der 7. Minute in Führung. Phillip Tietz traf nach Vorarbeit von Kacper Potulski per Kopf. Kurz vor der Pause legte Nadiem Amiri für die Gäste nach und erhöhte auf 2:0 (43.).
Früher Rückschlag für den FCH
Vor der Partie hatte Frank Schmidt die Bedeutung der mentalen Einstellung betont. "Es ist ganz wichtig, dass du das richtige Denken hast. Wir freuen uns auf das Spiel und lassen uns nichts anderes einreden", sagte der Heidenheimer Trainer bei Sky.
Doch die Zuversicht bekam schnell einen Dämpfer. Beim ersten Gegentreffer wirkte die Heidenheimer Defensive zu passiv, Potulski spazierte durch die Abwehr und bediente Tietz, der nur noch einköpfen musste. Wenige Minuten später hatte derselbe Spieler sogar das 2:0 auf dem Fuß, traf aber nur die Latte.
Heidenheim suchte seinerseits den Weg nach vorn und kam ebenfalls zu Chancen. Arijon Ibrahimovic verfehlte knapp (14.), Marvin Pieringer setzte den Ball nach einer halben Stunde an die Latte. Auch auf der anderen Seite hatten die Gastgeber Glück, als Amiri in der 34. Minute nur den Pfosten traf.
Die Fans standen weiter hinter ihrer Mannschaft
Zwischendurch machte im Stadion die Nachricht die Runde, dass Konkurrent Wolfsburg in Führung lag — obwohl Zwischenstände diesmal nicht auf der Videotafel angezeigt wurden. Trotzdem blieb die Unterstützung von den Rängen ungebrochen. Selbst als die Lage immer aussichtsloser wurde, feuerten die Fans ihre Mannschaft weiter an und wurden nach dem zweiten Mainzer Treffer sogar noch lauter.
Nach dem Seitenwechsel forderte Budu Siwsiwadse einen Elfmeter für Heidenheim, doch Schiedsrichter Robert Hartmann blieb nach Rücksprache mit dem Videoassistenten bei seiner Entscheidung und ließ weiterspielen. Kurz darauf traf Jan Schöppner per Kopf erneut nur die Latte (52.). Die Schwaben gaben sich zwar nicht auf, konnten aber nicht an die starken Leistungen der Vorwochen anknüpfen. Hinzu kam mangelnde Chancenverwertung, etwa als Siwsiwadse in aussichtsreicher Position vergab (79.).
Hoffnungsschimmer kamen zu spät
Zwar hatte sich Heidenheim in den vergangenen Wochen noch einmal eindrucksvoll zurückgemeldet und mit 12 Punkten aus 7 Spielen neue Zuversicht gesammelt. Dazu gehörte auch das spektakuläre 3:3 gegen den FC Bayern München. Ausschlaggebend für den Abstieg war letztlich aber die lange Schwächephase zuvor: Zwischen dem 6. Dezember und dem 11. April blieb der FCH 15 Spiele lang ohne Sieg.
Schmidt ordnete das Saisonende entsprechend selbstkritisch ein: "Eines kann ich versprechen: Keiner ist zufrieden, weil wir abgestiegen sind." Zugleich stellte er fest: "Am Ende haben wir nur 26 Punkte geholt und sind auch verdient abgestiegen, aber mit Würde."
Der Umbruch dürfte überschaubar bleiben
Trotz des Abstiegs wird der personelle Wandel wohl begrenzt ausfallen. Viele Spieler besitzen auch für die 2. Bundesliga gültige Verträge. Zudem hat Trainer Frank Schmidt, der am 17. September sein 20-jähriges Jubiläum beim Verein feiern wird, bereits deutlich gemacht, dass er seinen bis 2027 laufenden Vertrag erfüllen möchte.
Finanziell werden die Auswirkungen jedoch spürbar sein: Der Gesamtetat dürfte sich von etwa 80 Millionen Euro auf rund die Hälfte reduzieren. Nach besonderen Momenten wie dem 3:2 gegen Bayern im Jahr 2024 oder den Auftritten in der Conference League gegen den FC Chelsea verabschiedet sich der Klub von der Ostalb dennoch mit erhobenem Haupt aus dem Oberhaus.
In der kommenden Saison soll mit stabilen Strukturen und solider wirtschaftlicher Basis ein neuer Anlauf gestartet werden. Schmidt versprach, man werde sich der neuen Aufgabe "voller Elan und voller Energie" stellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion