Politik

Zehn Milliarden, Kamele, Machtspiel: Söder in Arabien

Zu Hause brennt’s, in Arabien warten Milliarden: Warum Söders Trip mehr ist als ein Business-Besuch – und was dahintersteckt.

02.11.2026, 11:48 Uhr

Natürlich durfte dieses Motiv nicht fehlen: Markus Söder in der Wüste, Markus Söder bei den Kamelen. Auf seiner Reise auf die Arabische Halbinsel besucht der bayerische Ministerpräsident am Morgen die Kamelrennbahn Al Wathba nahe Abu Dhabi. Auf dem weitläufigen Gelände werden die Tiere gerade trainiert – nicht mehr mit klassischen Reitern, sondern mit kleinen Robotern, die als Jockeys auf den Kamelen befestigt sind und ferngesteuert werden. Empfangen wird Söder dort von der Vize-Direktorin der Anlage.

Der Besuch auf der bekannten Rennbahn geht offenbar nicht auf Söders eigene Initiative zurück. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird er mit außergewöhnlich großem protokollarischem Aufwand empfangen. Eine Einladung an einen solch symbolträchtigen Ort gilt dort selbst als besondere Geste der Wertschätzung.

Treffen mit dem Präsidenten

Im Mittelpunkt der Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar stehen jedoch vor allem wirtschaftliche Interessen. Der wichtigste Termin in Abu Dhabi ist ein Gespräch mit dem Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid. Es ist bereits das zweite Treffen der beiden innerhalb weniger Wochen.

Dabei geht es um erhebliche Summen: Beim Besuch des Scheichs im September in München war eine Vereinbarung unterzeichnet worden, nach der Investitionen von zehn Milliarden Euro nach Bayern fließen sollen.

Söder wertet das erneute Treffen als Zeichen dafür, dass die Partnerschaft nicht nur symbolisch ist. Aus seiner Sicht vertieft der Termin die Freundschaft und zeigt, dass es mit der Investorenpartnerschaft ernst ist.

Insgesamt planen die Emirate Investitionen von 40 Milliarden Euro in Deutschland. Vorgesehen sind Mittel unter anderem für Zukunftsbereiche wie Luft- und Raumfahrt, künstliche Intelligenz und Verteidigung. Nun soll es darum gehen, die Vorhaben genauer auszuarbeiten. Söder betont, es müsse nun konkreter werden: Welche Projekte sollen wann und in welchen Zeiträumen umgesetzt werden?

Nach dem langen Gespräch mit dem Präsidenten zeigte sich Söder sehr zufrieden. Die VAE wollten in Deutschland investieren und an ihren Zusagen festhalten, sagte er. Zudem sei ein Prozess vereinbart worden, um nun in die Umsetzung zu kommen. Zugleich warb Söder für die Idee einer Freihandelszone Europas mit den Emiraten.

Wer in arabischen Staaten Geschäfte machen will, trifft aus Söders Sicht zwar auf kapitalkräftige Partner. Zugleich spielten persönliche Beziehungen, Vertrauen, Gastfreundschaft und Respekt dort eine besonders große Rolle. Ebenso werde geschätzt, wenn Gäste echtes Interesse an Land und Kultur zeigten.

Deshalb ist der Besuch auf der Kamelrennbahn wohl mehr als nur ein Fototermin – auch wenn medienwirksame Bilder zu Söders Auslandsreisen seit Jahren dazugehören. Ähnliches gilt für den späteren Besuch der großen Moschee von Abu Dhabi, die zu den größten der Welt zählt.

Zehn Milliarden

Neben den angekündigten Milliardeninvestitionen geht es auch um einen engeren institutionellen Austausch. Bayern und das Emirat Abu Dhabi wollen eine gemeinsame Wirtschaftskommission gründen, die als Plattform für weiteren Dialog und Kooperation dienen soll.

Bei einem Empfang am Sonntagabend bezeichnete Söder Bayern und die Emirate als echte Freunde. Beide Seiten hätten, so seine Darstellung, einen ähnlichen Blick auf Zukunft, Technologie und zugleich auf traditionelle Werte. Auf Englisch sagte er: It’s a good match – es passe gut zusammen.

Bei der Eröffnung einer Messe am nächsten Tag warb Söder zudem dafür, Bayern als Standort für Hochtechnologie, Robotik und künstliche Intelligenz zu sehen. Auch die Energiefrage spielte eine wichtige Rolle. Deutschland brauche für seine wirtschaftlichen Pläne große Mengen Energie, sagte er.

Einen „Kamel-Deal“ nach dem Vorbild früherer Tierabkommen mit anderen Staaten wird es allerdings nicht geben. Auf die Frage, ob Tiere für den Münchner Tierpark angeworben werden sollten, reagierte Söder mit einem Scherz: Man habe bereits genug Kamele.

Nächste Station: Katar

Im zweiten Teil seiner Reise besucht Söder Katar. Dort sind für Dienstag ebenfalls Gespräche auf höchster Ebene vorgesehen, insbesondere mit Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani. Auch in dem kleinen, aber wirtschaftlich starken Golfstaat stehen wirtschaftliche Themen im Mittelpunkt. Schon vor der Reise hatte Söder erklärt, dass dabei insbesondere die Rüstungsindustrie eine wichtige Rolle spielen solle.

Was bei der Reise weit entfernt wirkt, ist die deutsche Innenpolitik. Die Auseinandersetzung mit politischem Extremismus von rechts und links, die schwachen Umfragewerte der Union und die offene Frage nach einer Kandidatin oder einem Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten dürften Söder zwar beschäftigen. Während seines Aufenthalts in der Golfregion tritt all das jedoch vorübergehend in den Hintergrund.

Die offene Präsidentenfrage

Weiter ungeklärt ist, wen Union und schwarz-rote Koalition als Nachfolge für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ins Rennen schicken wollen. Nach dem Willen Söders und der CSU wäre Landtagspräsidentin Ilse Aigner die naheliegende Lösung. Sie findet auch in SPD und Grünen Zuspruch.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich bislang jedoch nicht festgelegt. Schon beim CSU-Parteitag war er einer klaren Aussage ausgewichen. Zuletzt ließ er erkennen, dass ihm ein „geordneter Prozess“ wichtig sei. Als ersten wichtigen Zeitpunkt nannte er die Sitzungen von CDU-Präsidium und CDU-Vorstand am 9. November.

Viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht. Söder kehrt erst am 4. November aus der Golfregion zurück. Damit wird der Terminplan eng – selbst wenn die innenpolitischen Debatten in Abu Dhabi und Doha gerade weit weg erscheinen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen