Politik

Wohnungsbau: Verbände machen jetzt Druck

Immer mehr Wohnungsnot, ungenutzte Genehmigungen: Mit diesen überraschenden Forderungen soll der Bau jetzt wieder boomen.

10.06.2026, 15:35 Uhr

Bauwirtschaft drängt auf Impulse für den Wohnungsbau

Angesichts der schwachen Konjunktur in Deutschland fordert die Bauwirtschaft entschlossene Maßnahmen, um den Wohnungsbau wieder anzukurbeln. In einem gemeinsamen Positionspapier betonten der Zentralverband Deutsches Baugewerbe, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und die IG BAU, dass die Branche eine zentrale Rolle für einen wirtschaftlichen Aufschwung spielen könne. Das Papier wurde im Zusammenhang mit einem Treffen der Koalitionsspitzen mit Wirtschaftsverbänden und Gewerkschaften im Bundeskanzleramt vorgelegt.

Nach Angaben der Organisationen beschäftigt die Bauwirtschaft rund 2,6 Millionen Menschen und erwirtschaftet jährlich mehr als 150 Milliarden Euro. Derzeit stünden in der Branche freie Kapazitäten bereit, die bei besseren politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen schnell für eine Erholung genutzt werden könnten. Aus Sicht der Verbände gibt es dabei drei entscheidende Ansatzpunkte: mehr Investitionsanreize für Bauträger und Investoren, eine stärkere finanzielle Unterstützung privater Haushalte sowie die Nutzung bereits erteilter, bislang aber nicht genutzter Baugenehmigungen.

Vorschläge für neue Anreize

Um den Wohnungsbau wieder in Gang zu bringen, schlagen die Verbände mehrere konkrete Schritte vor. So soll das KfW-Förderprogramm für Neubauten im Standard Effizienzhaus 55 mit vollständig erneuerbarer Wärme verlängert werden. Außerdem könnten bereits genehmigte, aber noch nicht gestartete Bauvorhaben mit zeitlich begrenzten Sonderkonditionen aktiviert werden. Denkbar wären etwa günstigere Kreditzinsen oder Zuschüsse, wenn der Baubeginn innerhalb einer festgelegten Frist nachgewiesen wird.

Darüber hinaus regen die Organisationen einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer für den erstmaligen Kauf selbstgenutzten Wohneigentums an. Dieser könnte bis zu einem Kaufpreis von 500.000 Euro gelten. Zusätzlich sprechen sie sich für einen stärkeren Ausbau des sozialen und bezahlbaren Wohnungsbaus aus.

Zahl der Fertigstellungen deutlich gesunken

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts entstanden 206.600 Wohnungen. Das waren 18 Prozent beziehungsweise 45.400 Einheiten weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig markiert dieser Wert den niedrigsten Stand seit 2012.

Damit setzte sich der Rückgang im zweiten Jahr hintereinander fort, nachdem die Zahl der Fertigstellungen von 2021 bis 2023 jeweils bei rund 294.000 Wohnungen gelegen hatte.

Verbände sehen große Wohnungslücke

Da pro Jahr nach Einschätzung der Branche etwa 400.000 neue Wohnungen benötigt werden, hat sich nach Angaben der Verbände und der IG BAU zwischen 2022 und 2025 eine Lücke von mehreren hunderttausend Wohnungen aufgebaut. Erschwerend komme hinzu, dass im Geschosswohnungsbau derzeit im Schnitt rund 34 Monate zwischen Genehmigung und Fertigstellung vergehen. Selbst wenn nun gegengesteuert werde, werde sich eine positive Entwicklung deshalb erst mit Verzögerung in den Fertigstellungszahlen zeigen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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