Politik

Was Klöckner der Kirche jetzt rät

Klöckners Kirchen-Appell sorgt für Wirbel: Zu diesen Themen soll sich die Kirche öffentlich äußern – und zu welchen nicht.

15.05.2026, 04:05 Uhr

Klöckner warnt Kirchen vor zu starker politischer Ausrichtung

Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) hat die Kirchen davor gewarnt, sich zu sehr an gesellschaftlichen und politischen Strömungen zu orientieren. Im Vorfeld des Katholikentags in Würzburg sagte sie der "Augsburger Allgemeinen", die Kirche könne sich zwar auch zu weltlichen Fragen äußern, dürfe darin aber nicht aufgehen. Wenn sie in der Öffentlichkeit wirke wie ein Parteitag – egal in welche politische Richtung –, verfehle sie aus ihrer Sicht das, was viele Menschen von ihr erwarteten.

Nach Klöckners Einschätzung suchen viele Gläubige und Interessierte bei der Kirche vor allem spirituelle Orientierung. Beliebigkeit und Anpassung an den Zeitgeist seien nicht das, was ihr ein unverwechselbares Profil verleihe. Kirche müsse vielmehr bei ihrer eigentlichen Aufgabe bleiben: über den Alltag hinauszuweisen und Antworten auf grundlegende Fragen des Lebens zu geben – etwa nach Anfang, Sinn und Ende des menschlichen Daseins.

Junge Menschen suchen Halt

Gerade jüngere Menschen wachsen Klöckner zufolge in einer von Unsicherheit geprägten Welt auf. Krisen und Kriege verstärkten das Bedürfnis nach etwas Verlässlichem. Eine NGO könne diesen Wunsch nach Sinn und innerem Halt nicht erfüllen. Genau hier könne Kirche ein besonderer Ort sein – mit Ritualen, Liturgie und den überlieferten Geschichten der Bibel.

Klöckner verwies zudem darauf, dass die katholische Kirche in manchen Ländern derzeit wieder mehr Zulauf erhalte. Der Grund liege aus ihrer Sicht nicht in tagespolitischen Positionierungen, sondern darin, dass sie sich stärker den Sinnfragen des Lebens widme.

Beim Katholikentag: Gemeinschaft brachte sie zur Politik

Auf einer Bühne beim 104. Deutschen Katholikentag in Würzburg sprach Klöckner auch über ihren eigenen Weg in die Politik. Auslöser seien die Grillfeste der Jungen Union in ihrer rheinland-pfälzischen Heimat gewesen. Entscheidend sei für sie das Erlebnis von Gemeinschaft gewesen: Dort treffe man Gleichgesinnte, teile Überzeugungen, setze sich für gemeinsame Ziele ein und sitze anschließend auch zusammen, sagte sie. Klöckner verwies dabei auch auf ihr Studium der Politikwissenschaft, Theologie und Pädagogik.

Zugleich zeigte sie sich erleichtert darüber, dass sie in eine Zeit in die Politik eingestiegen sei, in der soziale Medien noch kaum eine Rolle spielten. Wer heute politisch starte, müsse sofort mit Hass und Hetze umgehen. Klöckner berichtete, es gebe Kollegen, die wegen Drohungen inzwischen sogar schusssichere Fenster zu Hause hätten. Jede Drohung sei inakzeptabel – unabhängig davon, aus welcher Richtung sie komme.

Seit März 2025 an der Spitze des Bundestags

Klöckner wurde im März 2025 zur Bundestagspräsidentin gewählt und ist damit die vierte Frau an der Spitze des Parlaments. Von 2018 bis 2021 war sie unter Kanzlerin Angela Merkel Bundeslandwirtschaftsministerin. Anschließend amtierte sie von 2021 bis 2025 als wirtschaftspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bereits 2022 übernahm sie das Amt der Bundesschatzmeisterin der CDU; zuvor war sie zehn Jahre lang stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei.

In Rheinland-Pfalz war Klöckner langjährig CDU-Landesvorsitzende. Bei den Landtagswahlen 2011 und 2016 kandidierte sie vergeblich für das Amt der Ministerpräsidentin.

Schon im vergangenen Jahr hatte Klöckner kritisiert, dass sich die Kirche aus ihrer Sicht zu häufig zu aktuellen politischen Themen äußere.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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