Politik

Katholikentag: Generalinspekteur warnt «Bedrohung ist real»

Warum der oberste Bundeswehr-General ausgerechnet beim Katholikentag vor Krieg, Frieden und Abschreckung warnt

15.05.2026, 16:55 Uhr

Deutschland braucht nach Einschätzung von Generalinspekteur Carsten Breuer für seine Verteidigungsfähigkeit weit mehr als nur eine leistungsstarke Bundeswehr. Beim 104. Katholikentag in Würzburg sagte er, entscheidend sei auch eine widerstandsfähige Gesellschaft, die sich nicht spalten lasse, sondern in Krisen geschlossen zusammenstehe.

Mit Blick auf Russland warnte Breuer vor einer konkreten Gefahr. Die Bedrohung sei real, sagte der ranghöchste Soldat der Bundeswehr. Das Jahr 2029 bezeichnete er als besonders wichtig. Dies heiße zwar nicht zwangsläufig, dass Russland dann den Westen angreifen werde. Aus Analysen lasse sich jedoch ableiten, dass Moskau zu diesem Zeitpunkt in der Lage sein könnte, einen Krieg zu führen. Als Soldat müsse er ein solches Worst-Case-Szenario stets mitdenken.

Münch fordert Professionalität in der Diplomatie

Bei der Diskussionsrunde „Zwischen Abschreckung und Diplomatie“ ging es auch um die Frage, wie Kriege politisch beendet werden können. Der frühere Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, erklärte mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, Diplomatie brauche eine Verhandlungsposition aus Stärke heraus. Zugleich verwies er darauf, dass Russland derzeit keineswegs in einer komfortablen Lage sei und darin auch eine Schwäche liege.

Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, kritisierte bei populistischen Strömungen eine Geringschätzung von Fachkompetenz. In Anspielung auf US-Präsident Donald Trump sagte sie, Verhandlungen sollten nicht von Familienangehörigen oder Geschäftspartnern geführt werden, sondern von Menschen, die dafür ausgebildet seien. Trump setzt in außenpolitischen Fragen unter anderem auf seinen Schwiegersohn Jared Kushner und den Unternehmer Steve Witkoff.

104. Deutscher Katholikentag
Die Wissenschaftlerin Ursula Münch sprach auf einem Podium des Katholikentags. Quelle: Sven Hoppe/dpa

Besonders viel Zustimmung erhielt Heusgen für sein Lob an die Ukraine. Die Leistungen der Ukrainer seien außergewöhnlich und verdienten große Bewunderung, sagte er.

Militärdienst und zivile Alternative

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck sprach sich auf einer Pressekonferenz erneut für einen Militärdienst für Männer und Frauen aus. Gleichzeitig betonte er, dass es im Sinne des Grundgesetzes auch eine Möglichkeit zum zivilen Dienst geben müsse.

Der Essener Bischof begründete seine Haltung mit seinen Erfahrungen im Bereich Verteidigung und mit der Gefährlichkeit der aktuellen Lage. Es gehe heute nicht allein um klassische militärische Auseinandersetzungen, sondern auch um Cyberangriffe und digitale Kriegsführung, die Gesellschaften gezielt destabilisieren und auseinanderdriften lassen könnten.

Neue Qualität durch Großmächte

Der Sicherheitsexperte Carlo Masala sagte, statistisch habe die Zahl bewaffneter Konflikte weltweit nicht zugenommen. Beunruhigend neu sei jedoch, dass große Staaten den Krieg wieder offen als Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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