Politik

Was beim Trump-Xi-Treffen sofort auffällt

Viel Pomp, starke Bilder – doch bei Trumps China-Besuch verraten die Zwischentöne, wie brisant das Treffen wirklich ist.

15.05.2026, 05:42 Uhr

Es war ein Gipfel mit viel Symbolik, höflichen Gesten und demonstrativer Harmonie. Doch bei den großen Streitpunkten zwischen den USA und China blieben beim mehrtägigen Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump in Peking zunächst konkrete Durchbrüche aus. Vor allem bei Iran und Taiwan setzten Washington und Peking sichtbar unterschiedliche Akzente.

Trump traf Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping bei seinem Besuch von Mittwoch bis Freitag erneut in Peking, unter anderem im Regierungsareal Zhongnanhai. Es war Trumps zweiter Staatsbesuch in China seit 2017. Nach außen dominierten freundliche Bilder, inhaltlich aber blieb der Gipfel von gegensätzlichen Prioritäten geprägt.

Ein Gipfel mit unterschiedlichen Schwerpunkten

Zeitweise wirkte es während des Besuchs, als würden beide Seiten verschiedene Treffen beschreiben. Besonders deutlich zeigte sich das beim Thema Iran und bei der Straße von Hormus. Nach US-Angaben bestand Einigkeit darüber, dass die wichtige Route für Energietransporte offen bleiben müsse. Xi habe sich gegen eine Militarisierung der Meerenge und gegen Durchfahrtsgebühren ausgesprochen. Zudem habe er Interesse an zusätzlichen Käufen von US-Öl signalisiert.

In den ersten chinesischen Verlautbarungen spielte dieser Punkt dagegen keine erkennbare Rolle. Später erneuerte Peking vor allem seine Forderung nach einer dauerhaften Waffenruhe. Von möglichen zusätzlichen Ölimporten aus den USA war dabei zunächst nicht die Rede.

Beim Thema Taiwan war es umgekehrt. Die seit Jahrzehnten demokratisch regierte Insel wird von Peking beansprucht und von den USA unterstützt. China stellte den Konflikt früh und deutlich heraus. Nach chinesischer Darstellung warnte Xi, die Taiwan-Frage müsse mit äußerster Vorsicht behandelt werden. Fehler könnten beide Länder in eine direkte Konfrontation treiben. In der ersten US-Darstellung des Treffens wurde Taiwan dagegen nicht erwähnt.

Insgesamt entstand der Eindruck, dass Trump vor allem schnelle Erfolge betonen wollte. Peking legte mehr Gewicht auf die langfristige Ordnung der Beziehungen. Xi sprach in diesem Zusammenhang von einer „konstruktiven strategischen Stabilität“ zwischen beiden Staaten.

Handel: große Ankündigungen, wenig Details

Ein zentrales Thema des Besuchs war auch der schwelende Handelskonflikt zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Nach US-Angaben gab es Verabredungen im Wirtschaftsbereich, unter anderem in der Luftfahrt und in der Landwirtschaft.

Trump sagte dem Sender Fox News, China habe dem Kauf von 200 Flugzeugen des US-Herstellers Boeing zugestimmt. Aus Peking kam dazu keine direkte Bestätigung. Das chinesische Außenministerium erklärte auf Nachfrage lediglich, das Wesen der Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern sei gegenseitiger Nutzen. Schon vor Trumps Reise hatte es Berichte über einen möglichen Boeing-Deal gegeben.

Zum Stand weiterer wirtschaftlicher Absprachen wurden keine konkreten Informationen veröffentlicht. Trump sprach von „fantastischen Handelsdeals“, ohne Einzelheiten zu nennen.

„G2“ statt Rivalität?

Trotz der Differenzen machte der Besuch auch deutlich, dass sich beide Großmächte eine engere Zusammenarbeit vorstellen können. Trump bezeichnetet die USA und China immer wieder als „G2“ – in Anlehnung an Formate wie die G7. Sollten daraus exklusive Kanäle der Kooperation entstehen, etwa im Handel, könnte das auch Folgen für andere Wirtschaftsräume haben. Für Deutschland und die EU sind beide Länder zentrale Handelspartner.

Trump in Peking ungewöhnlich zurückhaltend

In seiner zweiten Amtszeit äußert sich Trump normalerweise nahezu pausenlos über seine Plattform Truth Social. Während seines China-Besuchs fiel er jedoch durch auffällige Zurückhaltung auf.

Bei öffentlichen Terminen in Washington beantwortet der Präsident häufig spontan Reporterfragen. In Peking gab es dagegen keinen solchen Moment. Trump trat nur in geplanten Redebeiträgen auf, die eher kurz ausfielen. Dabei hielt er sich sichtbar an vorbereitete Manuskripte – für ihn eher untypisch. Eine Pressekonferenz fand während des Besuchs nicht statt.

Stattdessen gab Trump dem konservativen US-Sender Fox News ein Interview. Der Kanal berichtet in der Regel wohlwollend über ihn.

Viel Lob trotz großer Spannungen

Die Liste der Konflikte zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt bleibt lang: Iran, Taiwan, gegenseitige Zölle, Handelsbarrieren und Chinas Kontrolle über seltene Erden.

Bei den öffentlichen Auftritten in Peking war davon jedoch wenig zu spüren. Xi sagte, beide Länder sollten Partner statt Rivalen sein. Trump erwiderte, die Beziehung sei „fantastisch“ gewesen, und bezeichnete Xi sogar als „Freund“.

Auch symbolisch setzten beide Seiten auf Nähe. Bei einem Spaziergang durch den Garten des Führungssitzes Zhongnanhai fielen Trump nach eigenen Worten die Rosen auf. Xi versprach ihm, Samen schicken zu lassen.

Im Interview mit Fox News lobte Trump Xi ausführlich. Er sagte, wenn Hollywood einen chinesischen Staatsführer für einen Film besetzen wolle, finde man kaum jemanden wie ihn. Zudem hob Trump Xis Erscheinung und Körpergröße hervor.

Kommt es zu einem Gegenbesuch?

Nach dem Staatsbesuch könnten in diesem Jahr weitere Treffen folgen. Beim Staatsbankett lud Trump Xi für den 24. September nach Washington ein. Ob Xi die Einladung annimmt, blieb zunächst offen.

Weitere Begegnungen wären ebenfalls möglich, falls Trump im November zum Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) nach Shenzhen reist oder Xi im Dezember zum G20-Treffen nach Miami in Florida kommt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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