Ukraine

Drama bei Kiew: 27 Tote nach Explosion

Nach Russlands Angriff detoniert nahe Kiew erneut ein Munitionsdepot: viele Tote – Selenskyj reagiert sofort. Was dahintersteckt

29.08.2026, 11:41 Uhr

Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Munitionslager westlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach offiziellen Angaben mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Das teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. Nach Angaben des Gouverneurs der Region Kiew, Tymur Tkatschenko, wurden zudem mehr als 40 Menschen verletzt.

Der Angriff ereignete sich am Freitagabend. Selenskyj sprach von erheblichen Schäden an der Umgebung. Betroffen seien Wohnhäuser sowie ein Heim für Senioren und Menschen mit Behinderung. Unter den Toten ist nach früheren Angaben auch der Leiter der Gemeinde Dmytriwka, Taras Didytsch, der unmittelbar nach dem Einschlag zum Unglücksort geeilt war.

Über 300 Rettungskräfte im Einsatz

Nach offiziellen Angaben waren mehr als 300 Einsatzkräfte vor Ort. Fast 400 Menschen wurden laut Selenskyj aus dem Gebiet in Sicherheit gebracht.

Die Staatsanwaltschaft erklärte, getroffen worden sei ein Unternehmensgelände im Dorf Myla, das nur knapp fünf Kilometer von der Stadtgrenze Kiews entfernt liegt. Nähere Details zum Lager nannte Selenskyj nicht. Er betonte jedoch, für Munition gebe es klare Vorschriften: Sie dürfe nicht neben Häusern oder anderen Wohngebäuden gelagert werden. Er verwies auf bereits eingeleitete Strafverfahren.

Bereits in der Nacht hatte die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen möglicher dienstlicher Fahrlässigkeit sowie wegen des russischen Drohnenangriffs bestätigt. Nach russischen Angaben galt die Attacke einem Munitionslager mit Einzelteilen für weitreichende Drohnen.

Hauptstrecke nach Westen komplett gesperrt

Wegen der Lösch- und Rettungsarbeiten wurde die wichtigste Verbindung von Kiew in westlicher Richtung über mehrere Kilometer vollständig gesperrt. Erst am Samstagmittag konnte der Verkehr nach Polizeiangaben auf der zweispurigen Schnellstraße einspurig in beide Richtungen wieder aufgenommen werden. In sozialen Netzwerken verbreiteten sich Videos, die Brände und Explosionen in der Abenddämmerung zeigen.

Ministerpräsident Serhij Korezkyj erinnerte an einen ähnlichen Vorfall Anfang Juli in Wyschnewe am südwestlichen Rand von Kiew. Auf Telegram schrieb er, im fünften Kriegsjahr würden dieselben Fehler wiederholt – das sei kriminelle Fahrlässigkeit. Damals kamen offiziellen Angaben zufolge mindestens neun Menschen bei der Explosion eines Munitionsdepots ums Leben.

Kiew und das Umland stehen seit Tagen wegen anhaltender Drohnen- und Raketenwarnungen unter Dauerstress. Am Samstagmorgen wurde nach Angaben von Gouverneur Tkatschenko bei einem weiteren Drohnenangriff im Landkreis Boryspil ein 14-jähriges Mädchen getötet.

Russische Angriffe auch in der Südukraine

Auch im südukrainischen Gebiet Odessa kamen bei Angriffen Menschen ums Leben. Nach Angaben von Gouverneur Oleh Kiper wurde ein Mensch getötet, drei weitere wurden verletzt. Zudem seien fünf Getreidetransporter ausgebrannt und drei weitere beschädigt worden. Alle Brände seien inzwischen gelöscht.

Zuvor hatte die Verwaltung des Landkreises Ismajil, in dem wichtige ukrainische Donauhäfen liegen, vor russischen Drohnen gewarnt. Beschädigt worden seien demnach Anlagen der Transportinfrastruktur.

Aus Moskau hieß es, Ziel des Angriffs sei der Donauhafen Ismajil gewesen. Angegriffen worden seien demnach Tanklaster und Entladestellen für Treibstoff. Die Flusshäfen nahe der Donaumündung haben für den ukrainischen Außenhandel stark an Bedeutung gewonnen, weil Russland immer wieder die Routen zu den ukrainischen Schwarzmeerhäfen angreift.

Auch Tote nach ukrainischen Angriffen

Im russischen Grenzgebiet Belgorod wurden nach Behördenangaben bei ukrainischen Angriffen drei Menschen getötet, 14 weitere seien verletzt worden. Der kommissarische Gouverneur der Region, Alexander Schuwajew, erklärte, das ukrainische Militär habe unter anderem Drohnen, Raketenwerfer und Artillerie eingesetzt.

Auch auf der von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel Krim gab es nach russischen Angaben Tote. In Sewastopol sei bei ukrainischen Drohnenangriffen mindestens ein Mensch ums Leben gekommen, drei weitere seien verletzt worden, teilte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew mit. Demnach wurden 26 Drohnen abgeschossen. An knapp einem Dutzend Häusern seien Schäden entstanden.

Die Ukraine verteidigt sich seit über viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen die russische Invasion. Zuletzt ist die Zahl ziviler Opfer bei den wechselseitigen Angriffen auf beiden Seiten wieder gestiegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen