Politik

Warum Bayern jetzt Imame ausbilden will

Soll Bayern eigene Imame ausbilden? Im Landtag entbrannte jetzt eine heikle Debatte mit Experten und Vertretern des Islam.

09.07.2026, 15:46 Uhr

Debatte um Imam-Ausbildung in Bayern flammt erneut auf

Ob Imame künftig auch im Freistaat ausgebildet werden sollen, ist in Bayern seit Jahren umstritten. Nach einem Vorstoß der Grünen im Landtag hat sich nun der Bildungsausschuss erneut mit dem Thema befasst.

Der aktuelle Stand

In Deutschland gibt es bereits mehrere Fortbildungs- und Zusatzangebote für muslimische Geistliche. Eine bundesweit besondere Rolle spielt dabei das Islamkolleg Deutschland (IKD) in Osnabrück. Die vom Bundesinnenministerium unterstützte Einrichtung bietet eine verbandsoffene Ausbildung für Imame an und arbeitet mit islamischen Theologen aus Deutschland zusammen. Gegründet wurde das IKD Ende 2019; es gilt als erste übergreifende Ausbildungsstätte für islamische Geistliche und Seelsorger in deutscher Sprache.

Daneben qualifizieren manche muslimischen Verbände ihren Nachwuchs selbst. So bildet die Ditib seit 2020 in ihrer Akademie im rheinland-pfälzischen Dahlem einen Teil ihrer Imame in Deutschland aus. Zuvor kamen Ditib-Imame überwiegend aus der Türkei und wurden von der dortigen Religionsbehörde Diyanet bezahlt. Nach Angaben eines Sprechers wird die Ausbildung über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Bei einem neuen Programm für islamische Religionsbeauftragte arbeitet die Ditib-Akademie mit dem IKD zusammen; die ersten Abschlüsse werden 2027 erwartet.

Ein vergleichbares Angebot existiert in Bayern bislang nicht. Zwar gibt es an der Universität Erlangen einen Bachelorstudiengang für islamisch-religiöse Studien, eine vollständige Imam-Ausbildung ersetzt dieser jedoch nicht.

Tag der offenen Moschee
Seit 2020 bildet die Ditib-Akademie Imame auch in Deutschland aus. (Symbolbild) Quelle: Henning Kaiser/dpa

Was die Grünen verlangen

Die Grünen fordern ein staatlich unterstütztes bayerisches Aus- und Fortbildungsprogramm für Imame, Imaminnen und weitere islamische Religionsbedienstete. Ziel sei es, religiöse Fachkräfte so vorzubereiten, dass sie ihre Gemeinden beraten und begleiten können.

Zugleich soll nach Vorstellung der Partei der Einfluss extremistischer Strömungen in Moscheen und Gemeindezentren zurückgedrängt werden. Imame aus dem Ausland sollen demnach spezielle Integrationskurse absolvieren und sich eindeutig zu den Werten der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekennen.

Stimmen aus der Anhörung

Mehrere Fachleute sprachen sich im Ausschuss für eine Ausbildung im Freistaat aus. Maher Khedr, der in Ägypten Theologie studiert hat und zu den ersten Absolventen des IKD gehört, sagte, Bayern brauche eine eigene Imam-Ausbildung. Khedr arbeitet heute als Imam in Weiden in der Oberpfalz.

Auch Gönül Yerli, Religionspädagogin und Vizedirektorin der islamischen Gemeinde Penzberg, warb für ein bayerisches Modell. Ihrer Ansicht nach müsste eine moderne Ausbildung wissenschaftliche Grundlagen mit praktischer Gemeindearbeit verbinden und den vielfältigen Anforderungen an das Amt gerecht werden.

Bereits vor der Sitzung hatte Tarek Badawia von der Universität Erlangen-Nürnberg betont, Imame und Imaminnen seien in muslimischen Gemeinden die wichtigste religiöse und pädagogische Instanz, die bisher zu wenig beachtet worden sei. Entscheidend sei, den Weg gemeinsam mit den Gemeinden zu gehen. Ohne deren Einbindung werde es keine tragfähige Zusammenarbeit geben.

Die Rolle von Imamen

Nach den Worten Khedrs reicht das Aufgabenspektrum eines Imams weit über das Vorbeten hinaus. Zwar leite er das Gebet, halte die Freitagspredigt und vermittle religiöses Wissen. Darüber hinaus sei er aber auch Seelsorger, Lehrer, Ansprechpartner für Jugendliche und Familien sowie Begleiter in allen Lebensphasen – von der Geburt bis zum Tod.

Deshalb genüge theologisches Wissen allein nicht. Ein Imam müsse auch die deutsche Rechtsordnung kennen und den demokratischen Staat verstehen.

Entscheidung im Landtag

Konkrete Folgen hat die Debatte vorerst nicht. Der Antrag der Grünen wurde im Ausschuss mit Mehrheit abgelehnt. Zustimmung kam nur von der SPD. AfD, Freie Wähler und CSU votierten dagegen. Trotzdem hofft die Grünen-Abgeordnete Gabriele Triebel, dass eine Imam-Ausbildung in Bayern in den kommenden Jahren doch noch verwirklicht wird.

Warum das Thema so schwierig ist

Die Ausbildung von Imamen in Deutschland ist seit Jahrzehnten ein Streitpunkt. Viele islamische Organisationen – darunter auch die Ditib – vertreten die Auffassung, der Staat solle sich aus der Ausbildung religiöser Seelsorger heraushalten.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Anders als etwa in der katholischen Kirche gibt es im Islam keine weltweit einheitliche hierarchische Organisation. Für staatliche Stellen fehlen deshalb oft zentrale Ansprechpartner, die über einzelne Regionen oder religiöse Strömungen hinaus verbindlich verhandeln könnten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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