In Teheran hat nächtliches Flugabwehrfeuer die Angst vor einer weiteren Zuspitzung des Kriegs mit den USA verstärkt. Im Nordosten der Millionenstadt wurden viele Menschen gegen 3.30 Uhr Ortszeit durch die Luftabwehr aus dem Schlaf gerissen. Rund 30 Minuten lang waren dumpfe Explosionen zu hören. Erst viele Stunden später meldete die iranische Nachrichtenagentur Fars, über der Hauptstadt sei eine feindliche Drohne abgeschossen worden.
Es war das erste Mal seit Beginn der jüngsten Eskalation, dass die Flugabwehr in Teheran wieder aktiv wurde. Parallel dazu teilte das US-Militär mit, in der Nacht erneut militärische Ziele im Iran angegriffen zu haben. Kurz danach kehrte zunächst Ruhe ein, anschließend erklärte das US-Militär seine Angriffswelle für beendet.
Jordanien, Kuwait und Bahrain unter Beschuss
Während der Nacht meldeten iranische Streitkräfte laut Medienberichten neue Raketenangriffe auf Stützpunkte in mit Washington verbündeten Staaten der Region, darunter Jordanien, Kuwait und Bahrain.
Jordanien fing nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Petra vier von sechs ballistischen Raketen ab. Schäden oder Opfer habe es nicht gegeben. Auf Videos war im Raum der Küstenstadt Akaba aufsteigender Rauch zu sehen. Dort waren bereits vor wenigen Tagen Angriffe gemeldet worden.
Jordanien ist im bisherigen Kriegsverlauf seltener Ziel geworden als etwa Kuwait oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Das Land beherbergt jedoch US-Truppen und Flugzeuge der US-Luftwaffe und gilt daher als mögliches Ziel iranischer Vergeltungsschläge. Zudem liegt es auf der Flugroute zwischen Iran und Israel, die sich seit 2024 wiederholt direkt angegriffen haben.
US-Angriffe in der elften Nacht in Folge
Nach Angaben des für die Region zuständigen US-Kommandos Centcom sollte die gut einstündige Angriffswelle Irans Fähigkeit schwächen, Handelsschiffe in der strategisch wichtigen Straße von Hormus anzugreifen. Zu den Zielen hätten militärische Kommandozentren, Einheiten der iranischen Marine und Standorte der Luftwaffe gehört.
Genaue Orte nannte das US-Militär nicht. Aus dem Iran wurden wie in den vergangenen Wochen vor allem Angriffe am Persischen Golf und an der Südküste gemeldet. Nach US-Angaben war es bereits die elfte Nacht in Folge mit amerikanischen Attacken auf die Islamische Republik.
Trump droht erneut mit Angriff auf Gebiet bei Natans
US-Präsident Donald Trump hatte dem Iran Stunden zuvor mit weiteren Angriffen gedroht und dabei ausdrücklich ein Gebiet rund um die Anlage genannt, die als „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Der in einem Berg südlich der Nuklearanlage Natans verborgene Komplex war von Trump bereits zuvor als mögliches Ziel bezeichnet worden.
Im Weißen Haus sagte Trump, man werde dieses Gebiet in Kürze mit voller Wucht ins Visier nehmen. Zugleich betonte er, das US-Militär werde jede Anlage angreifen, die Teheran nach amerikanischer Darstellung für atomare Zwecke nutzen wolle.
Hinweise auf eine neue Phase der Eskalation
Die nächtlichen Vorfälle in Teheran könnten darauf hindeuten, dass der Konflikt in eine neue Phase eintritt. Die bislang letzten Angriffe auf die Hauptstadt hatte es Anfang Juni und damit vor mehr als einem Monat gegeben. Damals griff die israelische Luftwaffe nach iranischen Raketenangriffen Ziele in der Metropole an.
Neu entfacht war der Konflikt Anfang Juli, nachdem Irans Streitkräfte Handelsschiffe in der Straße von Hormus beschossen hatten. Daraufhin flogen die USA Hunderte Luftangriffe auf Ziele vor allem an der Südküste des Iran. Trump erklärte die Anfang April vereinbarte, mehrfach gebrochene Waffenruhe sowie das Mitte Juni ausgehandelte Rahmenabkommen zur Vorbereitung einer möglichen Friedenslösung für beendet. Auch Teheran fühlt sich nach eigenen Angaben nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.
Nach Regierungsangaben kamen seit Anfang Juli mindestens 53 Menschen bei den Angriffen ums Leben. Fast 600 weitere seien verletzt worden, schrieb Gesundheitsministeriumssprecher Hossein Kermanpur auf X. Ein Großteil der Patienten sei inzwischen wieder entlassen worden, 36 Menschen würden noch stationär behandelt. Die iranische Regierung macht üblicherweise nur Angaben zu zivilen Opfern; offizielle Zahlen zu Verlusten unter den Streitkräften gibt es nicht.
Spannungen weiten sich auch auf das Rote Meer aus
Der Krieg sorgt inzwischen auch am Roten Meer für neue Spannungen. Die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen im Jemen hatten am Montag eine „Blockade“ für saudische Schiffe angekündigt. Die Huthi kontrollieren vor allem den Norden des Landes und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer.
Von dort aus können sie mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen. Diese zählt zusammen mit der Straße von Hormus zu den wichtigsten Seewegen der Welt.
Mindestens drei Öltanker auf dieser Route seien bereits umgedreht, berichtete das Fachmedium „Lloyd’s List“. Saudi-Arabien exportiert einen Teil seines Öls derzeit über eine Pipeline zum Hafen Janbu am Roten Meer, um die Straße von Hormus zu umgehen.
Zusätzliche Brisanz erhält die Lage durch Pakistan. Die Regierung in Islamabad, die im Iran-Krieg bislang als Vermittler auftritt, erklärte, man werde Bündnispartner Saudi-Arabien im Notfall militärisch unterstützen. Das Außenministerium betonte zudem, Pakistan behalte sich zur Wahrung eigener Interessen auch den Einsatz von Gewalt vor. Damit gerät die Vermittlerrolle der südasiatischen Atommacht zunehmend unter Druck.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber