Politik

US-Raketen für Deutschland: Nato-Chef reagiert auf Moskau

Deutschland rüstet mit US-Mittelstreckenwaffen auf – Rutte jubelt und sendet Moskau eine klare Warnung.

17.07.2026, 04:10 Uhr

Nato-Generalsekretär Mark Rutte sieht in dem geplanten deutschen Erwerb von US-Mittelstreckenwaffen vom Typ Tomahawk keine zusätzliche Eskalationsgefahr gegenüber Russland. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur betonte er, die Nato sei ein Verteidigungsbündnis und werde niemanden angreifen. Die mögliche Stationierung der Waffen in Deutschland diene aus seiner Sicht allein der glaubhaften Abschreckung und der Fähigkeit zur Selbstverteidigung im Ernstfall.

Die Pläne aus Berlin waren in der vergangenen Woche kurz nach dem Nato-Gipfel in Ankara bekannt geworden. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte zuvor von US-Präsident Donald Trump die Zusage erhalten, dass Washington den Verkauf der Marschflugkörper sowie der dazugehörigen Typhon-Startsysteme genehmigen werde.

Rutte spricht von einer "ausgezeichneten Nachricht"

Rutte begrüßte die Entscheidung ausdrücklich. Sie stärke das Vertrauen in die gemeinsame Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses, sagte er der dpa. Für ihn ist entscheidend, dass eine Abschreckung nur dann glaubwürdig sei, wenn im Bedarfsfall auch tatsächlich Verteidigung möglich sei. Deshalb sei es wichtig, dass Tomahawks Teil dieses gemeinsamen Schutzkonzepts würden.

Nach Angaben der Bundeswehr kann das Typhon-System Tomahawk-Flugkörper mit einer Reichweite von rund 2.500 Kilometern starten. Damit würde es alle derzeit in Europa verfügbaren Systeme in diesem Bereich übertreffen.

Deutlich größere Reichweite als Taurus

Bislang verfügt die Bundeswehr nach eigenen Angaben bei weitreichenden Präzisionswaffen im Wesentlichen nur über den Marschflugkörper Taurus. Dessen Reichweite liegt jedoch mit etwa 500 Kilometern deutlich unter der des Tomahawk. Mit Tomahawks könnten auch weit entfernte Ziele im Hinterland eines Gegners präzise getroffen werden, etwa Kommandostellen, Militärflugplätze oder Abschussanlagen für andere weitreichende Raketen.

Nato-Gipfel
Nato-Generalsekretär Mark Rutte (l) freut sich über die Einigung zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump. (Archivbild) Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Ursprünglich war vorgesehen, dass die USA selbst Tomahawks, SM-6-Raketen und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland stationieren. An diese Ankündigung vom Nato-Gipfel 2024 unter dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden fühlt sich die Regierung von Donald Trump jedoch nicht gebunden. Wie viele Systeme Deutschland nun tatsächlich in den USA kaufen will, bleibt ebenso geheim wie die Kosten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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