Politik

Macron sieht endlich echte deutsch-französische Nähe

Krisenstimmung mit Berlin? Bei seiner Ankunft in Deutschland zeichnet Macron plötzlich ein ganz anderes Bild.

16.07.2026, 20:50 Uhr

Macron will deutsch-französische Zusammenarbeit beleben

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron dringt auf neuen Schwung in den Beziehungen zu Deutschland. Zum Auftakt des deutsch-französischen Regierungstreffens im Rheinland betonte er, die Zusammenarbeit beider Länder müsse vertieft und Europas strategische Erneuerung schneller vorangetrieben werden. In den vergangenen Monaten habe es bereits eine spürbare Annäherung zwischen Paris und Berlin bei wichtigen europäischen Fragen gegeben.

Macron erklärte, Frankreich und Deutschland wollten sich gemeinsam für Frieden und Sicherheit in Europa starkmachen und die Ukraine weiter unterstützen. Zugleich gehe es darum, die gemeinsame Verteidigung und die industrielle Basis auszubauen sowie bei Zukunftsfeldern wie Künstlicher Intelligenz und der Energiewende enger zusammenzuarbeiten. Er freue sich, mit der französischen Regierung nach Deutschland gekommen zu sein – in einer Phase, die sowohl von einem strategischen Neustart Europas als auch von einer engeren Abstimmung beider Länder geprägt sei.

Treffen zwischen Schlössern und Militärflugplatz

Bundeskanzler Friedrich Merz empfing Macron am Donnerstagabend auf Schloss Bensberg bei Köln, wo die Vorbereitungen für das eigentliche Regierungstreffen am Freitag begannen. Der deutsch-französische Ministerrat tagt anschließend auf Schloss Augustusburg in Brühl. Voraussichtlich wird es Macrons letztes Treffen in diesem Format sein, da er bei der Präsidentschaftswahl im April 2027 nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren kann.

Merz hob die geschichtliche Bedeutung des Tagungsorts hervor. In Brühl habe Frankreichs damaliger Präsident Charles de Gaulle vor 65 Jahren dem früheren Bundeskanzler Konrad Adenauer einen Freundschaftsvertrag zwischen beiden Ländern angeboten. Der Élysée-Vertrag bilde bis heute das Fundament der deutsch-französischen Zusammenarbeit, sagte der Kanzler.

Auf Schloss Bensberg standen zunächst Gespräche in größerer Runde auf dem Programm. Später wollten sich Merz und Macron zu einem gemeinsamen Abendessen unter vier Augen treffen.

Zehn Ministerien vertreten

Am Freitagmorgen kommt zunächst der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat auf dem Fliegerhorst Nörvenich zusammen. Dabei soll unter anderem über die Kooperation bei der nuklearen Abschreckung gesprochen werden, die sich auf das französische Atomwaffenarsenal stützt und bereits im März vereinbart worden war.

Im Anschluss tagt der Ministerrat in Brühl. An den Beratungen beteiligen sich auf beiden Seiten Ministerinnen und Minister sowie Staatssekretärinnen und Staatssekretäre aus insgesamt zehn Ressorts.

Zuletzt waren die Beziehungen zwischen Berlin und Paris nicht immer reibungslos. Ein Grund dafür war unter anderem das weitgehend ins Stocken geratene gemeinsame Kampfjet-Projekt FCAS. Das aktuelle Regierungstreffen soll nun dazu beitragen, die Partnerschaft wieder mit neuen Impulsen zu stärken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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