Politik

UN warnt: Afghanistans Opiumboom eskaliert

Taliban stoppten Afghanistans Opiumboom – doch nun explodiert die Produktion wieder. Warum verpufft das Verbot?

29.10.2026, 06:30 Uhr

UN-Bericht: Opiumproduktion in Afghanistan deutlich gestiegen

Die Opiumherstellung in Afghanistan ist nach Angaben der Vereinten Nationen stark angewachsen. In dem von den Taliban kontrollierten Land habe sich die Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verfünffacht, teilte das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) in Wien mit.

Dabei hatten die Taliban den Drogenanbau bereits 2022 untersagt und vielerorts Schlafmohnfelder vernichten lassen. Laut dem aktuellen Bericht nahm der Anbau dennoch um 330 Prozent zu. Außerdem breitete sich die bewirtschaftete Fläche auf zusätzliche Provinzen aus. Opium wird aus dem Milchsaft des Schlafmohns gewonnen.

UNODC-Direktorin Monica Juma erklärte, der starke Zuwachs beim Schlafmohnanbau mache deutlich, wie schwierig eine dauerhafte Eindämmung des illegalen Opiumanbaus sei, solange verarmte Bauern keine realistischen Möglichkeiten hätten, den Lebensunterhalt ihrer Familien zu sichern.

Afghanistan steckt weiterhin in einer schweren humanitären Krise. Für viele Menschen sind Grundnahrungsmittel kaum noch bezahlbar. Bei der Umsetzung des Anbauverbots erhielten Bauern nach UN-Angaben in der Regel weder Entschädigungen noch Hilfe beim Umstieg auf andere Einkommensquellen.

Einnahmen wieder auf Vorkrisenniveau

Trotz des jüngsten Anstiegs liegt die Opiumproduktion noch immer deutlich unter den Mengen aus der Zeit vor dem Verbot. Die Erlöse der Zwischenhändler erreichten im Berichtsjahr laut UNODC mit geschätzten 525 Millionen US-Dollar jedoch wieder ungefähr den durchschnittlichen Stand der Jahre 2018 bis 2021. Dazu trugen auch die in den vergangenen Jahren gestiegenen Opiumpreise bei, die infolge des knapperen Angebots zulegten.

Afghanistans Außenminister Amir Chan Muttaki sagte laut dem Sender Tolo News, die Bekämpfung der Drogenproduktion müsse gemeinsam mit den Nachbarstaaten abgestimmt werden.

Bereits im August hatte der Afghanistan-Experte David Mansfield unter Auswertung von Satellitendaten auf eine zunehmende Opiumproduktion auch in den Nachbarländern Iran und Pakistan hingewiesen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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