Politik

UN-Chef erstmals wieder in Syrien – warum das wichtig ist

Millionen in Syrien brauchen weiter Hilfe – jetzt reist Guterres an. Warum sein Besuch für das Land so brisant ist.

25.07.2026, 10:43 Uhr

Zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren ist wieder ein UN-Generalsekretär in Syrien. António Guterres bezeichnete seinen Aufenthalt in Damaskus auf der Plattform X als „Solidaritätsbesuch“.

In der syrischen Hauptstadt traf er nach aktuellen Angaben bereits den Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa sowie Außenminister Asaad al-Schaibani. Geplant sind zudem Gespräche mit Vertretern der Zivilgesellschaft und mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen.

Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Sana besuchte Guterres außerdem das berüchtigte Militärgefängnis Saidnaja nahe Damaskus. Das Gefängnis galt unter dem inzwischen gestürzten Machthaber Baschar al-Assad als Symbol für Folter und Mord. Laut Amnesty International wurden dort Tausende Menschen bei Massenhinrichtungen getötet, überwiegend oppositionelle Zivilisten.

Auf dem Programm steht auch ein Treffen mit der UN-Beobachtermission Undof auf den Golanhöhen in Syrien. Die Blauhelme überwachen dort eine etwa 235 Quadratkilometer große Pufferzone zwischen Israel und Syrien.

Zuletzt hatte mit Ban Ki Moon im Jahr 2009 ein UN-Generalsekretär Syrien besucht. Guterres selbst war 2010 zuletzt in dem Land, damals noch als UN-Flüchtlingshochkommissar. Bei einer Pressekonferenz sagte er, er habe sich bewusst entschieden, seit Beginn der brutalen Unterdrückung des syrischen Volkes im Jahr 2011 bis zum Sturz des Regimes nicht nach Syrien zu reisen.

Seit dem Beginn des Bürgerkriegs 2011 war Syrien international weitgehend isoliert. Ende 2024 wurde die Regierung von Assad durch eine Rebellenallianz unter Führung der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) gestürzt. Deren Anführer al-Scharaa steht seither als Übergangspräsident an der Spitze des Landes. Nach dem Umbruch sucht die syrische Führung wieder engeren Kontakt zur internationalen Gemeinschaft. Zuletzt reiste mit Emmanuel Macron erstmals wieder ein Staatschef aus der EU nach Syrien.

Die Vereinten Nationen spielen weiter eine zentrale Rolle bei der humanitären Hilfe für die Bevölkerung. Nach UN-Angaben sind noch immer rund 15,6 Millionen Menschen im Land auf Unterstützung angewiesen. Millionen leiden demnach unter akuter Ernährungsunsicherheit, zerstörter Infrastruktur, eingeschränktem Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und einer weit verbreiteten Belastung durch explosive Kampfmittel.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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