Pogacar klar auf Kurs zum Gesamtsieg
Tadej Pogacar steht unmittelbar vor seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France. Auf der schweren vorletzten Etappe nach Alpe d’Huez kam der slowenische Topfahrer als Vierter ins Ziel und rollte dabei gemeinsam mit seinem Teamkollegen Isaac del Toro jubelnd über die Linie. Flankiert von Zehntausenden Fans feierten beide im Ziel mit einer Geste neben dem Helm, die wie eine Stier-Pose wirkte.
Einen zweiten Erfolg nacheinander in Alpe d’Huez holte Pogacar diesmal nicht. Der Tagessieg ging an den Ecuadorianer Richard Carapaz, der sich auf der Königsetappe durchsetzte und damit seinen zweiten Etappenerfolg bei dieser Tour sowie den dritten insgesamt feierte.
Carapaz gewann vor Remco Evenepoel aus Belgien und dem US-Amerikaner Sepp Kuss. Pogacar wurde Vierter, bleibt in der Gesamtwertung aber klar vorn. Vor dem abschließenden Sonntag in Paris beträgt sein Vorsprung 6:26 Minuten auf Evenepoel vom deutschen Red-Bull-Team. Del Toro aus Mexiko folgt mit 9:42 Minuten Rückstand auf Rang drei.
„Wir müssen morgen durchhalten, Paris überstehen, und dann können wir dieses Gelbe Trikot feiern“, sagte Pogacar im französischen Fernsehen. Besonders freute er sich über die starke Position seines Teamkollegen: „Zwei Leute auf dem Podium ist etwas Unvorstellbares. Wir können sehr stolz sein. Ich bin so glücklich für Isaac.“
Zugleich betonte Pogacar, dass del Toro seinen Anteil am möglichen Doppelerfolg habe: Viele würden darüber sprechen, dass er del Toro zum Podium verholfen habe. Zuvor habe del Toro ihm aber geholfen, das Gelbe Trikot zu holen. „Und das Team umso mehr. Es war eine Ehre, heute für Isaac zu fahren“, sagte der Titelverteidiger.
Evenepoel zeigte sich nach erneut starker Leistung ebenfalls zufrieden. „Zwei Etappensiege, dazu zweite und dritte Plätze. Das war eine supergute Tour für mich. Ich bin super happy“, sagte der Belgier, der seit Dienstag auf seinen deutschen Teamkollegen Florian Lipowitz nach dessen Sturz verzichten muss.
Kuss verliert den Etappensieg nach zwei Stürzen
Zum Pechvogel des Tages wurde Sepp Kuss. Der US-Amerikaner war zwischenzeitlich auf dem Weg zum Etappensieg, stürzte kurz vor dem Finale jedoch gleich zweimal – zunächst einmal und später noch bei einer Abfahrt.
Ein Fangnetz am Abhang bewahrte ihn dabei vor schlimmeren Folgen. Während der Sturzphase wurde Kuss noch von Carapaz überholt und fiel am Ende hinter Evenepoel auf Platz drei zurück.
„Ich selbst hatte keine große Angst“, sagte Kuss später im französischen Fernsehen, schränkte aber ein: „Ich bin glimpflich davongekommen.“ Der Amerikaner ist Teamkollege des bei dieser Tour bereits ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard.
Königsetappe mit 5600 Höhenmetern
Die vorletzte Etappe über 170,9 Kilometer mit Start in Le Bourg d’Oisans hatte es in sich. Mit rund 5600 Höhenmetern war sie die härteste Bergetappe dieser Tour. Auf dem Programm standen drei Anstiege der höchsten Kategorie, darunter auch der Col du Galibier als Dach der Rundfahrt.
Carapaz erreichte dort als Erster den Gipfel und sammelte wichtige Punkte für die Bergwertung. Pogacar arbeitete derweil selbst im Feld mit Tempoarbeit daran, den Rückstand von zeitweise rund viereinhalb Minuten auf die Fluchtgruppe um Carapaz zu verkürzen.
Nach seinem Rekordauftritt am Vortag in Alpe d’Huez konnte oder wollte der Slowene diesmal nicht mehr entscheidend nachsetzen. Die Auffahrt in den Kultort führte diesmal von der anderen Seite hinauf, zudem standen deutlich weniger Fans an der Strecke als noch am Vortag. Pogacar konzentrierte sich vor allem auf Helferdienste für del Toro und wirkte weniger entschlossen, seinen 27. Etappensieg insgesamt anzugreifen.
Ackermann muss die Tour vorzeitig beenden
Für den deutschen Sprinter Pascal Ackermann ist die Frankreich-Rundfahrt vorzeitig beendet. Am Col de la Croix-de-Fer musste der Pfälzer das Rennen aufgeben.
Im ZDF zeigte sich Ackermann enttäuscht: „Es hat heute halt einfach nicht gereicht.“ Zudem schilderte er einen Vorfall von der Etappe am Vortag. Demnach sei er beim Überholen eines Team-Materialwagens am Berg am Vorderrad hängengeblieben und dann „quer über die Motorhaube gedreht“ worden. Seine Beine seien leer gewesen, zudem habe auch das Knie Probleme gemacht.
Finale in Paris deutlich verkürzt
Die 113. Ausgabe der Tour endet am Sonntag in Paris – allerdings in veränderter Form. Wegen schwerer Waldbrände im Südwesten Frankreichs und des dortigen Bedarfs an Rettungskräften wurde die Schlussetappe deutlich angepasst.
Statt der ursprünglich geplanten 133 Kilometer werden nur 89 Kilometer gefahren. Der Start erfolgt direkt in Paris und nicht im Vorort Thoiry. Dafür werden zwei zusätzliche Runden auf dem Kurs rund um die Champs-Élysées eingebaut. Die drei Überquerungen des Montmartre-Hügels bleiben im Programm.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber