Wirtschaft

Mega-Deal: Schluckt Uber jetzt Delivery Hero?

Milliarden-Deal im Liefermarkt: Uber schnappt sich Delivery Hero – was hinter dem überraschenden Zusammenschluss steckt

16.07.2026, 08:30 Uhr

Der US-Konzern Uber übernimmt den Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero in einem milliardenschweren Deal. Das im MDax notierte Unternehmen soll vollständig unter das Dach des amerikanischen Fahrdienst- und Lieferanbieters wechseln. Vorstand und Aufsichtsrat von Delivery Hero unterstützen den Schritt und werben bei Aktionären wie auch Beschäftigten für den Zusammenschluss.

Nach den vereinbarten Konditionen bietet Uber 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie. Damit wird der Lieferdienst insgesamt mit knapp 13 Milliarden Euro bewertet.

Zuletzt hielt Uber bereits knapp 25 Prozent an Delivery Hero. Hinzu kamen Finanzinstrumente über weitere knapp 12 Prozent. Außerdem verkauft der Großaktionär Prosus seinen Anteil von knapp 17 Prozent an den US-Konzern. Zu diesem Schritt hatte sich die niederländische Beteiligungsgesellschaft bereits im Zuge des Kaufs von Just Eat Takeaway verpflichtet.

An der Börse kamen die Neuigkeiten zunächst nur verhalten an. Die Delivery-Hero-Aktie verlor kurz nach Handelsbeginn im MDax rund 0,7 Prozent auf 37,90 Euro und lag damit weiter unter dem Übernahmepreis. Mit Kursen um 40 Euro wurde das Papier zuletzt zwar etwa doppelt so hoch gehandelt wie noch vor wenigen Monaten. Noch Mitte April hatte die Aktie jedoch weniger als 20 Euro gekostet. Nachdem bekannt geworden war, dass Uber seine Beteiligung ausgebaut hatte, zog der Kurs deutlich an. Mit dem jetzigen Gebot greift Uber zudem tiefer in die Tasche als zunächst erwartet: Im Mai war noch von 33 Euro je Aktie die Rede.

Analysten sehen nur wenig Spielraum für ein höheres Angebot. Nach Einschätzung von Jefferies-Experte Giles Thorne sind die Chancen gering, dass Aktionäre einen besseren Preis durchsetzen oder ein konkurrierender Bieter auftaucht.

Hauptsitz soll in Berlin bleiben

Delivery Hero hat seinen Sitz in Berlin, ist in Deutschland nach dem Verkauf des hiesigen Geschäfts an Just Eat Takeaway allerdings operativ nicht mehr aktiv. International zählt das Unternehmen wegen seiner starken Präsenz in Asien, Südeuropa, auf der arabischen Halbinsel und in Afrika mit Marken wie Foodora weiter zu den größten Essenslieferdiensten weltweit.

Uber ist mit Uber Eats selbst im Liefergeschäft aktiv und in vielen deutschen Städten vertreten. Im Zuge der Übernahme verpflichtet sich der US-Konzern, den Hauptsitz von Delivery Hero in Berlin zu belassen. Außerdem sollen bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Belegschaft in der Hauptstadt vorgenommen werden.

Parallel dazu will Delivery Hero sein Geschäft in 14 Ländern an den New Yorker Finanzinvestor SSW Partners verkaufen. Betroffen sind Österreich, Chile, Zypern, Tschechien, Ecuador, Griechenland, Moldau, Norwegen, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien, Schweden und die Türkei. Dort konkurrierte Delivery Hero bislang mit Uber Eats. Der Kaufpreis liegt laut Angaben bei 1,4 Milliarden Euro. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Übernahme durch Uber zustande kommt. Beobachter werten diesen Schritt auch als Signal, möglichen kartellrechtlichen Bedenken frühzeitig zu begegnen.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger rechnet trotz der Zusagen für Berlin mit negativen Folgen. Sprecher Michael Kunert erklärte, durch den Verlust der Eigenständigkeit von Delivery Hero seien Umstrukturierungen zu erwarten. Dadurch verliere der Wirtschaftsstandort Berlin weiter an Bedeutung, und am Ende dürften aus seiner Sicht auch Arbeitsplätze wegfallen.

Jahrelange Verluste bei Delivery Hero

Delivery Hero hatte über Jahre hinweg überwiegend rote Zahlen geschrieben. Einen Überschuss erzielte der Konzern nur 2019, als das Deutschland-Geschäft mit den Marken Foodora, Lieferheld und Pizza.de an den Rivalen Takeaway.com verkauft wurde und dadurch ein hoher Sondergewinn entstand. Nach dem Boom der Corona-Zeit geriet die Aktie deutlich unter Druck, 2022 stieg Delivery Hero aus dem Dax in den MDax ab.

Aufsichtsratschefin Kristin Skogen Lund betonte, das Liefergeschäft sei hart umkämpft und stark von Skaleneffekten geprägt. Der Zusammenschluss mit einem starken Partner sei deshalb der richtige Schritt, um Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung langfristig zu sichern.

Auch beide Konzernchefs warben für den Deal. Uber-Chef Dara Khosrowshahi erklärte, durch die Zusammenführung der Plattformen könnten erschwingliche und verlässliche Lieferdienste für Millionen weiterer Menschen in einigen der dynamischsten Wachstumsmärkte angeboten werden. Delivery-Hero-Mitgründer und Konzernchef Niklas Östberg dankte den Beschäftigten dafür, dass sie das Unternehmen über 15 Jahre aufgebaut hätten, und verwies auf die Chancen der Partnerschaft für das künftige Geschäft.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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