Politik

UN-Bericht: Droht der digitale Super-GAU?

Was passiert, wenn plötzlich alles digital ausfällt? Laut UN wären Regierungen auf den Super-GAU erschreckend schlecht vorbereitet.

05.05.2026, 10:14 Uhr

UN-Bericht: Staaten auf digitalen Ernstfall kaum vorbereitet

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen drohen gravierende Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft, wenn zentrale digitale Infrastrukturen plötzlich ausfallen. In einem gemeinsamen Bericht warnen die Internationale Fernmeldeunion (ITU) und das UN-Büro für Katastrophenvorsorge (UNDRR), dass viele Länder auf großflächige Störungen wie den Ausfall von Satelliten, Stromunterbrechungen oder beschädigte Unterseekabel nicht ausreichend vorbereitet sind. Kritische digitale Risiken seien real, gut belegt, systemisch – und würden dennoch häufig unterschätzt.

Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild: Fielen Mobilfunk und Internet aus, könnten Zahlungen scheitern, Krankenhäuser wichtige Patientendaten verlieren und Warnmeldungen im Notfall die Menschen nicht mehr erreichen. Was heute noch wie ein Szenario aus der Science-Fiction wirke, könne durchaus Realität werden. Die UN-Organisationen sprechen in diesem Zusammenhang von einer möglichen „digitalen Pandemie“ und benennen drei besonders bedrohliche Lagen.

Sonnensturm mit Folgen wie 1859

Ein extremes Weltraumwetter-Ereignis könnte erhebliche Schäden verursachen. Als historisches Beispiel nennen die Autoren einen Sonnensturm aus dem Jahr 1859, bei dem Telegrafenanlagen versagten, Funken schlugen und sogar Brände entstanden. Die Vorwarnzeit für ein solches Ereignis läge bei maximal etwa 20 Stunden.

Heute wären die Auswirkungen ungleich größer: Navigationssatelliten könnten gestört werden, Flugzeuge müssten ohne Live-Radar auskommen und der Luftverkehr stark eingeschränkt werden. Auch autonome Fahrzeuge könnten stillstehen, während Finanztransaktionen ins Stocken gerieten. Zusätzlich könnten geomagnetisch erzeugte Ströme Transformatoren beschädigen und damit großflächige Stromausfälle auslösen. Datenzentren wären nur so lange abgesichert, wie ihre Notstromsysteme tragen. Der Austausch vieler zerstörter Transformatoren könnte sich über Monate hinziehen.

Extreme Hitze wie im Sommer 2003

Auch langanhaltende Hitzewellen zählen laut Bericht zu den großen Risiken für die digitale Infrastruktur. Hohe Temperaturen treiben den Kühlbedarf in die Höhe, gleichzeitig erwärmen sich Flüsse, was den Betrieb von Atomkraftwerken beeinträchtigen kann. Sinkende Pegelstände und Hitze könnten zudem den Transport von Diesel erschweren, der für Notstromversorgung benötigt wird.

Besonders gefährdet wären heute zahlreiche Rechenzentren mit hohem Energiebedarf. Fällt die Kühlung aus, könnten Anlagen teilweise abgeschaltet werden. In der Folge könnten Bezahlterminals versagen und Geschäfte ihren Betrieb einstellen. Selbst Mobilfunklösungen, die als Ausweichsystem gedacht sind, brauchen Basisstationen – und viele davon funktionieren ohne ausreichende Kühlung nicht zuverlässig.

Unterseekabel beschädigt wie vor Tonga 2022

Ein weiteres Szenario betrifft schwere Naturereignisse unter Wasser. Als Beispiel führen die UN den Vulkanausbruch Hunga Tonga-Hunga Ha’apai im Jahr 2022 an. Damals wurden massive Schäden verursacht, darunter auch ein rund 80 Kilometer langes Unterseekabel, das Tonga mit dem Rest der Welt verband.

Ein solcher Vorfall kann einen wochenlangen Ausfall des Internets nach sich ziehen – mit weitreichenden Folgen für Kommunikation, Versorgung, Zahlungsverkehr und öffentliche Sicherheit.

Forderung nach analogen Alternativen

Nach Einschätzung der Autoren liegt ein zentrales Problem darin, dass Risiken bislang oft isoliert betrachtet werden. Häufig werde angenommen, ein Ausfall lasse sich schnell beheben. Tatsächlich könne jedoch eine einzelne Störung andere kritische Systeme mitreißen und mehrere Infrastrukturen gleichzeitig lahmlegen.

Die Vereinten Nationen fordern deshalb unter anderem belastbare analoge Ausweichlösungen. Menschen und Institutionen müssten wissen, wie sie bei digitalen Ausfällen mit nicht-digitalen Systemen weiterarbeiten und Krisen überstehen können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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