Neue Angriffe und Dementi aus Teheran setzen Waffenruhe zwischen USA und Iran weiter unter Druck
Der Konflikt um die von Iran blockierte Straße von Hormus verschärft die Spannungen zwischen Washington und Teheran erneut und belastet die ohnehin fragile Waffenruhe. Pakistan, das in dem Konflikt vermittelt, rief beide Seiten eindringlich zur Zurückhaltung auf. Es sei „absolut essenziell“, dass die Feuerpause gewahrt und respektiert werde, schrieb Premierminister Shehbaz Sharif auf X. Zugleich verurteilte er Raketen- und Drohnenangriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Nach den jüngsten Angaben wurde am Montag auch eine Ölanlage im Hafen von Fudschaira attackiert.
US-Militär meldet weitere iranische Angriffe
Nach Angaben des US-Generalstabschefs Dan Caine hat Iran seit Beginn der Waffenruhe mehr als zehnmal US-Streitkräfte angegriffen. Seit der Anfang April verkündeten Feuerpause habe Teheran außerdem neunmal auf Handelsschiffe geschossen und zwei Containerschiffe beschlagnahmt. Caine sprach von Vorfällen, die bislang noch unterhalb der Schwelle für eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen lägen.
Allein am Montag habe Iran einmal Oman und dreimal die Vereinigten Arabischen Emirate angegriffen, sagte Caine. Zusätzlich seien US-Streitkräfte, die den Handelsschiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder in Gang bringen wollten, mit Marschflugkörpern, Drohnen und Schnellbooten attackiert worden. US-Kampfhubschrauber hätten diese Angriffe nach Militärangaben erfolgreich abgewehrt.
Irans Militär bestreitet Angriffe auf die Emirate
Die iranische Militärführung wies Berichte über Angriffe auf die VAE jedoch zurück. Ein Sprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija erklärte laut staatlichem Rundfunk, in den vergangenen Tagen seien keinerlei Raketen oder Drohnen auf Ziele in den Emiraten abgefeuert worden.
Zugleich verschärfte Teheran den Ton gegenüber Abu Dhabi. Der Sprecher warf den Emiraten vor, zu einem „Stützpunkt der Amerikaner und Zionisten“ geworden zu sein, und bezeichnete den Golfstaat als „Feind der islamischen Welt“. Sollten von dort aus Angriffe gegen Iran ausgehen, würden die Verantwortlichen dies bereuen, hieß es weiter.
USA halten an „Projekt Freiheit“ fest
US-Präsident Donald Trump hatte den Start einer Operation mit dem Namen „Projekt Freiheit“ angekündigt. Ziel ist es, festgesetzten Schiffen wieder die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen und damit eine zentrale Route des weltweiten Ölhandels zu öffnen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte, die Waffenruhe gelte trotz der neuen Zwischenfälle weiterhin. „Die Waffenruhe ist nicht beendet“, sagte er bei einer Pressekonferenz. Bei „Projekt Freiheit“ handele es sich um eine eigenständige, zeitlich begrenzte und defensive Operation. Der Einsatz laufe getrennt vom US-Militäreinsatz „Gewaltiger Zorn“ gegen den Iran.
In einer ersten Bilanz sprach Hegseth von ersten Erfolgen: Zwei Handelsschiffe seien bereits sicher durch die Meerenge eskortiert worden, viele weitere bereiteten ihre Passage vor. Zugleich seien sechs Schiffe daran gehindert worden, iranische Häfen anzusteuern. „Amerika nutzt seine Stärke, um anderen zu helfen“, sagte Hegseth.
Er stellte zugleich klar, dass die Mission nicht auf Dauer angelegt sei. Die USA seien nach seinen Worten nicht auf Öl aus der Region angewiesen. Washington habe andere Staaten aufgefordert, sich an der Sicherung des Handelsverkehrs in der Meerenge zu beteiligen. „Wir erwarten, dass die Welt aktiv wird“, sagte Hegseth.
Trump droht, Araghtschi warnt
Trump drohte Iran für den Fall weiterer Angriffe auf US-Schiffe mit Vernichtung. Laut Fox News sagte er, Teheran werde „von der Erde gefegt“, sollte es Schiffe attackieren, die im Rahmen der US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus unterwegs seien.
Vor Journalisten im Weißen Haus wollte Trump sich jedoch nicht festlegen, welches iranische Verhalten er konkret als Bruch der Waffenruhe einstufen würde.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi warnte die USA derweil vor einer Fortsetzung der Operation. Auf X schrieb er: „Projekt Freiheit ist Projekt Sackgasse.“ Die Ereignisse in der Straße von Hormus zeigten, dass es für eine politische Krise keine militärische Lösung gebe.
Zugleich erklärte Araghtschi, die Bemühungen um ein Ende des Krieges kämen dank des starken Engagements Pakistans voran. Pakistan spielt in dem Konflikt eine Vermittlerrolle.
Gespräche in China geplant
Mitten in der Krise wollte Araghtschi nach China reisen, um dort mit seinem chinesischen Kollegen über die Lage in der Region zu sprechen, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete. China gilt als wichtigster Abnehmer iranischen Öls und Gases und hatte die gegen iranische Häfen gerichtete US-Seeblockade in der Straße von Hormus kritisiert.
Zuvor hatte Araghtschi bereits Gespräche mit Russlands Präsident Wladimir Putin in St. Petersburg geführt.
EU warnt vor schwerer Energiekrise
Die Europäische Union sieht die Welt angesichts des Konflikts in der „wohl schwersten Energiekrise aller Zeiten“. Das sagte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen in Brüssel. Seit Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten hätten die EU-Mitgliedstaaten bereits mehr als 30 Milliarden Euro zusätzlich für Importe fossiler Brennstoffe ausgegeben, ohne dass dafür zusätzliche Lieferungen eingetroffen seien.
Normalerweise wird etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases durch die Straße von Hormus transportiert. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Monaten Energieanlagen in mehreren Golfstaaten durch iranische Angriffe beschädigt wurden.
Nach Einschätzung Jørgensens dürfte es selbst nach einem Kriegsende Jahre dauern, bis die Gasproduktion in der Region wieder normal läuft. Die EU bereitet sich deshalb auch auf mögliche Versorgungsengpässe vor, besonders bei Flugkraftstoff. Eine neue Beobachtungsstelle sammelt Daten über verfügbare Bestände, damit politische Schritte zur Koordinierung und Umverteilung vorbereitet werden können, falls dies nötig werden sollte.
Arabische Staaten verurteilen Irans Angriffe
Mehrere arabische Staaten, darunter Jordanien, Bahrain und Ägypten, verurteilten die neuen iranischen Angriffe auf die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Kuwait und Katar bekundeten ihre Solidarität mit den VAE. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman sprach von ungerechtfertigten Angriffen.
Der frühere israelische Ministerpräsident Naftali Bennett wertete die Attacken auf die Emirate als Kriegserklärung. Auf X schrieb er, dies sei de facto die Wiederaufnahme des iranischen Krieges gegen Verbündete der USA und Israels in der gesamten Region.
Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran war am 8. April unter Vermittlung Pakistans vereinbart worden. Der Streit um die Straße von Hormus bleibt jedoch einer der zentralen Konfliktpunkte und gefährdet die Feuerpause weiter.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion