Politik

Waffenruhe vor dem Aus? USA und Iran vor Eskalation

Hormus vor dem Knall: Die USA wollen die Blockade brechen – dann schlägt der Iran mit Angriffen auf Ölanlagen in den VAE zurück.

05.05.2026, 04:00 Uhr

Streit um Straße von Hormus setzt Waffenruhe zwischen USA und Iran weiter unter Druck

Der Konflikt um die blockierte Straße von Hormus verschärft die Spannungen zwischen Washington und Teheran und bringt die fragile Waffenruhe ins Wanken. US-Präsident Donald Trump erneuerte seine Drohungen gegen die Islamische Republik, nachdem iranische Angriffe auf Ölanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Feuer ausgelöst hatten. Teheran wiederum warnte die USA davor, ihre Militärinitiative in der Region fortzusetzen. Bundeskanzler Friedrich Merz rief den Iran zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Trump hatte am Sonntag den Beginn einer Operation mit dem Namen „Projekt Freiheit“ angekündigt. Ziel ist es, festgesetzten Schiffen wieder die Durchfahrt durch die Straße von Hormus zu ermöglichen. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom liefen am Montag Zerstörer durch die Meerenge in den Persischen Golf ein. Zwei unter US-Flagge fahrende Handelsschiffe hätten das Gebiet bereits verlassen können. Im Verlauf des Einsatzes will das US-Militär zudem mindestens sechs iranische Schnellboote zerstört haben.

Iran greift Hafen in den Emiraten an

Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten mehrere Raketen in Richtung amerikanischer Kriegsschiffe abgefeuert, um eine Warnung auszusenden. Zudem attackierte der Iran Ölanlagen im Hafen von Fudschaira in den VAE, wo daraufhin Brände ausbrachen. Der Hafen gilt für die Emirate als besonders wichtig, weil von dort Öl exportiert werden kann, ohne dass Tanker die Straße von Hormus passieren müssen.

Es war der erste iranische Angriff auf den Golfstaat seit Beginn der Waffenruhe vor knapp vier Wochen. Diese Feuerpause war zuletzt von Trump einseitig auf unbestimmte Zeit verlängert worden. Die iranischen Streitkräfte bezeichneten den Angriff als Antwort auf das „Abenteurertum der US-Armee“ und auf eine aus ihrer Sicht illegale Passage von Schiffen durch gesperrte Routen der Meerenge.

Trump droht, Irans Außenminister warnt

Trump stellte dem Iran im Fall weiterer Angriffe auf amerikanische Schiffe die völlige Vernichtung in Aussicht. Laut Fox News sagte er, der Iran werde „von der Erde gefegt“, sollte er Schiffe attackieren, die im Rahmen der neuen US-Initiative in der Straße von Hormus unterwegs seien. Ob die Waffenruhe mit Teheran damit faktisch beendet ist, ließ Trump offen. In einer Folge des Podcasts „The Hugh Hewitt Show“ sagte er lediglich: „Nun, das kann ich Ihnen nicht sagen.“

Irans Außenminister Abbas Araghtschi warnte die Vereinigten Staaten unterdessen davor, an der Operation festzuhalten. Auf der Plattform X schrieb er in der Nacht: „Projekt Freiheit ist Projekt Sackgasse.“ Die Entwicklung in der Straße von Hormus zeige, dass sich eine politische Krise nicht militärisch lösen lasse.

Zugleich erklärte Araghtschi, die Bemühungen um ein Kriegsende kämen dank des starken Engagements Pakistans voran. Pakistan vermittelt in dem Konflikt. Die USA sollten sich, so Araghtschi, nicht erneut von „böswilligen Kräften“ in einen Sumpf ziehen lassen. Das gelte ebenso für die Vereinigten Arabischen Emirate.

Zwar ist auch der Iran darauf angewiesen, Öl über die Straße von Hormus zu exportieren. Umstritten bleibt jedoch, welche Schiffe die Passage nutzen dürfen und wer letztlich die Kontrolle über die wichtige Wasserstraße ausübt.

Arabische Staaten verurteilen iranische Angriffe

Mehrere arabische Länder, darunter Jordanien, Bahrain und Ägypten, verurteilten die neuen iranischen Angriffe auf die Emirate. Auch Kuwait und Katar bekundeten ihre Solidarität mit den VAE. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman sprach von ungerechtfertigten Angriffen.

Der frühere israelische Ministerpräsident Naftali Bennett wertete die Attacken als Kriegserklärung. Auf X schrieb der Oppositionspolitiker, faktisch handele es sich um die Wiederaufnahme des iranischen Krieges gegen Verbündete der USA und Israels in der Region.

Die Vereinigten Arabischen Emirate behielten sich eine Reaktion vor. Das Außenministerium erklärte, man werde Sicherheit und Souveränität des Landes verteidigen und habe das volle legitime Recht, im Einklang mit dem Völkerrecht auf die Angriffe zu antworten.

Merz: Teheran darf keine Nuklearwaffe bauen

Bundeskanzler Friedrich Merz drängte die iranische Führung angesichts der jüngsten Eskalation, wieder in Verhandlungen einzutreten. Auf X schrieb der CDU-Vorsitzende, die Islamische Republik müsse aufhören, „die Region und die Welt zur Geisel zu nehmen“. Die Blockade der Straße von Hormus müsse beendet werden. „Teheran darf keine Nuklearwaffe bauen“, mahnte Merz. Weitere Drohungen und Angriffe gegen Partnerstaaten dürfe es nicht geben.

Am 8. April war unter Vermittlung Pakistans eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran vereinbart worden. Die Gespräche zwischen beiden Seiten blieben bislang ohne greifbares Ergebnis. Neben dem iranischen Atomprogramm zählt die Öffnung der für den globalen Ölhandel zentralen Straße von Hormus zu den entscheidenden Streitpunkten in den Verhandlungen über eine Beilegung des Konflikts.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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