Die Europäische Union beendet ihre laufende Förderung der Kunstbiennale in Venedig in Höhe von zwei Millionen Euro. Hintergrund ist die umstrittene Teilnahme Russlands an der diesjährigen Ausstellung.
Wie ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel mitteilte, beschloss die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) nach rechtlicher Prüfung und auf Empfehlung der Kommission, den Zuschuss an die Fondazione La Biennale di Venezia zu stoppen.
„Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden“, erklärte der Sprecher.
Die Leitung der Kunstbiennale sprach von einer seit Längerem erwarteten „politischen Entscheidung“ aus Brüssel. Man wolle dagegen vorgehen. Zugleich hieß es, die Kürzung habe „keine signifikanten Auswirkungen auf das Budget, den Haushalt oder auf geplante oder laufende Aktivitäten“.
Die Kunstbiennale von Venedig zählt zu den bedeutendsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. In diesem Jahr läuft sie vom 9. Mai bis 22. November. Mit dem EU-Zuschuss wurden unter anderem Filmproduzenten und Projekte mit immersiver Technik unterstützt. Die EACEA verwaltet EU-Mittel für Bildung, Kultur, audiovisuelle Medien, Sport, Bürgerbeteiligung und Freiwilligenarbeit.
Russischer Pavillon bleibt geschlossen
Russland ist damit erstmals seit Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder bei der Kunstbiennale vertreten. Rund 50 vom russischen Staat ausgewählte Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“.
Der russische Pavillon selbst, der dem russischen Staat gehört, bleibt für ein breites Publikum geschlossen. Besucher können jedoch außerhalb des Gebäudes eine Installation auf einem großen Bildschirm sehen. Die umstrittene Kuratorin Anastassija Karnejewa sagte, das sei von Anfang an so vorgesehen gewesen. Nach Angaben der Agentur ist sie die Tochter eines bei dem Staatskonzern Rostec tätigen Rüstungsmanagers im Rang eines Geheimdienstgenerals. Russland wertet seine Teilnahme als Zeichen für ein Ende der kulturellen Isolation im Westen.
Kritik aus der Ukraine und aus der EU
Bereits nach der Ankündigung der russischen Beteiligung hatte es scharfe Kritik gegeben. Die Aktion wurde teils als Teil von Moskaus „hybrider Kriegsführung“ bezeichnet.
Die Ukraine protestierte ebenfalls gegen die Teilnahme Russlands. Kiew verweist darauf, dass seit Beginn des Krieges nach offiziellen ukrainischen Angaben Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden. Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna kritisierten zudem die Verbindungen der designierten Leiterin des russischen Pavillons zur russischen Rüstungsindustrie.
Schon im März hatten Mitglieder der EU-Kommission angekündigt, eine Aussetzung oder Beendigung des Zuschusses prüfen zu wollen. Glenn Micallef und Henna Virkkunen erklärten damals, die Entscheidung der Biennale-Stiftung sei nicht mit der gemeinsamen EU-Reaktion auf Russlands brutale Aggression vereinbar.
Besucherzahlen steigen trotz Kontroverse
Ungeachtet der Debatte verzeichnet die Biennale nach Schätzungen in den ersten beiden Monaten deutlich mehr Besucher als zu Beginn der Ausgabe 2024. Die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete Mitte Juli unter Berufung auf Quellen in Venedig von einem Plus von 20 Prozent.
Vor vielen nationalen Pavillons bilden sich demnach immer wieder lange Schlangen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die laufende Ausgabe die bestbesuchte Kunstbiennale in der mehr als 125-jährigen Geschichte der Ausstellung werden. Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. November.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber