Flaschenpost aus dem Jahr 1958 auf Baustelle in Oberwesel entdeckt
Fast sieben Jahrzehnte lang lag eine Flaschenpost im Boden verborgen, bevor Bauarbeiter sie nun bei Arbeiten am Rheinufer in Oberwesel entdeckten. In der Flasche befand sich die Rückseite einer alten Speisekarte mit einer kurzen Botschaft, in der die Verfasser nach Brieffreunden suchten.
Stadtbürgermeister Jan Zimmer (CDU) berichtete, die Arbeiter hätten ihm bei einer Baubesprechung angekündigt, noch eine Flasche für ihn zu haben. Schon von außen sei erkennbar gewesen, dass sich darin eine Speisekarte mit dem Logo der Köln-Düsseldorfer befand. Die Reederei ist für Ausflugsfahrten auf dem Rhein bekannt. Als Datum war der 16. Juli 1958 vermerkt.
Speisekarte mit Preisen aus einer anderen Zeit
Die Karte gibt auch einen Einblick in die damaligen Preise: Angeboten wurden unter anderem eine Tagesplatte mit Wellfleisch, Bohnen und Kartoffeln für zwei Mark sowie Menüs mit Rehragout oder Rinderschmorsteak. Für Zimmer sind das typische Preise aus einer längst vergangenen Zeit.
Besonders spannend wurde der Fund jedoch durch die Notiz auf der Rückseite. Dort stand sinngemäß, dass die Verfasser eine Schiffsfahrt unternommen hätten und Brieffreunde suchten. Auffällig ist, dass der Text auf Französisch geschrieben wurde, obwohl am Ende eine deutsche Adresse aus der Gegend um Euskirchen angegeben war.
Rätsel um die französische Botschaft
Nach Einschätzung von Zimmer könnten die Absender Urlaub in der Region gemacht haben. Darauf deute auch hin, dass das Schiff „Drachenfels“, von dem die Speisekarte stammte, auf der Strecke zwischen Koblenz und Mainz unterwegs war.

Warum die Nachricht ausgerechnet auf Französisch verfasst wurde, bleibt unklar. Zimmer mutmaßt scherzhaft, vielleicht hätten die Verfasser gedacht, der Rhein fließe durch Frankreich – oder sie hätten gerade einen Französischkurs besucht.
Bürgermeister sucht nach den Absendern
Gefunden wurde die Flasche bei Bauarbeiten am Rheinufer, wo ein Bach freigelegt wurde. Zimmer hält es für eher unwahrscheinlich, dass die Flaschenpost von weit flussaufwärts, etwa aus Mainz, angeschwemmt wurde. Seiner Vermutung nach wurde sie wohl eher in Oberwesel oder im nahegelegenen Kaub in den Rhein geworfen.
Nun möchte der Bürgermeister versuchen, die Verfasser der Nachricht oder mögliche Nachfahren ausfindig zu machen. Der Zettel soll voraussichtlich im Stadtmuseum gezeigt werden. Denkbar wäre aber auch, ihm im Zuge der Umbauarbeiten einen Platz direkt am Rheinufer zu geben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber