Weltweite Bierproduktion leicht rückläufig
Weltweit ist im vergangenen Jahr weniger Bier produziert worden. Nach einer Analyse des Nürnberger Hopfenhändlers BarthHaas sank der Ausstoß um 1,4 Milliarden Liter beziehungsweise 0,7 Prozent auf 189,6 Milliarden Liter. In der Zahl ist auch alkoholfreies Bier enthalten, das in einigen Regionen zuletzt an Bedeutung gewonnen hat.
BarthHaas-Geschäftsführer Thomas Raiser verweist auf einen breiteren Trend: In vielen klassischen Biermärkten stagniere oder sinke der Konsum, während alkoholfreie und alkoholärmere Getränke wichtiger würden.
Den prozentual stärksten Rückgang gab es in Australien und Ozeanien. Dort verringerte sich die Produktion um 2,4 Prozent auf 1,8 Milliarden Liter. Im weltweiten Vergleich spielt die Region damit allerdings nur eine Nebenrolle.
Der Norden bremst die Entwicklung
Auch in wichtigen Produktionsregionen ging es nach unten. In Europa sank die Biermenge um 1,6 Prozent auf 51 Milliarden Liter. Vor allem geringere Produktionszahlen in Deutschland und Polen drückten das Ergebnis. Deutschland kam trotz eines Rückgangs von knapp 6 Prozent auf 7,9 Milliarden Liter und behauptete damit Rang sechs unter den größten Bierproduzenten der Welt – hinter China, den USA, Brasilien, Mexiko und Russland.
In Asien fiel die Produktion um 1,2 Prozent auf 59 Milliarden Liter. Zwar legte Indien zu, doch Rückgänge in China, Vietnam, Japan, Südkorea und Myanmar wogen schwerer. China bleibt dennoch mit großem Abstand der größte Bierproduzent der Welt und steht für mehr als ein Sechstel der globalen Menge.
In den USA deutliches Minus
Auch Nordamerika musste einen spürbaren Rückgang verkraften. Dort sank die Produktion um 1,9 Prozent auf 34 Milliarden Liter. Ausschlaggebend war vor allem die Entwicklung in den USA, wo fast eine Milliarde Liter weniger gebraut wurden und die Menge auf gut 17 Milliarden Liter fiel. Der Anstieg in Mexiko auf knapp 15 Milliarden Liter konnte das nicht ausgleichen.
Anders verlief die Entwicklung in Südamerika: Dort stieg der Ausstoß um 1,7 Prozent auf 25 Milliarden Liter. Maßgeblich war Brasilien, wo die Produktion auf gut 15 Milliarden Liter zunahm. Noch stärker fiel das Wachstum in Afrika aus, wo ein Plus von 2,6 Prozent auf knapp 17 Milliarden Liter verzeichnet wurde.
Weniger Hopfenanbau, aber weiter Überangebot
Beim Hopfen bleibt Deutschland sowohl bei der Anbaufläche als auch bei der Erntemenge weltweit die Nummer eins vor den USA. Insgesamt zeigt jedoch auch dieser Markt nach unten – und zwar stärker als der Biersektor. Die weltweite Hopfenfläche schrumpfte um 5,5 Prozent auf 52.660 Hektar, die Erntemenge sank um 3,8 Prozent auf 109.188 Tonnen.
Trotz dieser Rückgänge liegt die Produktion nach Einschätzung von Experten weiter über dem Bedarf. Heinrich Meier von BarthHaas sagte, auch 2025 sei mehr Hopfen erzeugt worden, als tatsächlich benötigt werde.
Für das laufende Jahr rechnet BarthHaas nicht mit Wachstum beim Bierausstoß. Erwartet wird vielmehr eine weitgehend stabile, tendenziell etwas niedrigere Entwicklung. Zuwächse in Afrika, Asien sowie in Mittel- und Südamerika dürften demnach durch Rückgänge in Europa und Nordamerika aufgezehrt werden. Entsprechend bleibt auch die Lage am Hopfenmarkt angespannt.
Schlechtere Aussichten für Deutschland
Für den deutschen Markt fallen die Perspektiven noch düsterer aus. Bis Mai lag der Absatzverlust im Vergleich zum Vorjahr nach Angaben des Deutschen Brauer-Bunds bei mehr als 5 Prozent. Hauptgeschäftsführer Holger Eichele sieht die Branche nicht nur in einer vorübergehenden Schwächephase, sondern an einem tieferen Wendepunkt.
Als Ursachen nennt er unter anderem das schlechte Konsumklima infolge anhaltender politischer Unsicherheit, die demografische Entwicklung sowie Nachwirkungen der Pandemie wie die andauernde Krise der Gastronomie. Seit 2019 ist der deutsche Biermarkt laut Eichele um rund 18 Prozent geschrumpft.
Das dürfte auch Folgen für die Brauereilandschaft haben. Angesichts hoher Produktionskosten und sinkenden Bierkonsums sei damit zu rechnen, dass die Zahl der Brauereien in Deutschland weiter zurückgeht.
Fußball-WM sorgt teils für Impulse
Zumindest im Juni gab es bei einzelnen Unternehmen positive Signale – wohl auch wegen der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Bitburger Braugruppe meldete für diesen Monat ein Absatzplus von 28 Prozent.
Das Unternehmen sieht in dem Turnier einen zusätzlichen Schub für Marken und Absatzkanäle. Allerdings lassen sich diese Zahlen nicht ohne Weiteres auf die gesamte Branche übertragen. Bitburger gehört zu den Werbepartnern der Nationalmannschaft, weshalb der WM-Effekt dort tendenziell stärker ausgefallen sein dürfte.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber