Russland und Ukraine setzen Drohnenkrieg vor den Feiern in Moskau fort
Kurz vor den Feierlichkeiten zum russischen Tag des Sieges haben beide Kriegsparteien ihre Angriffe mit Drohnen unvermindert fortgesetzt. Die Ukraine beendete eine zuvor einseitig angekündigte Waffenruhe nach nur einem Tag wieder und reagierte nach eigener Darstellung auf weiterlaufende russische Attacken mit einem ihrer bislang größten Drohnenangriffe.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in der Nacht 347 ukrainische Drohnen abgefangen. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Militärangaben nicht, die Zahl zählt jedoch zu den höchsten, die Moskau bislang gemeldet hat. Betroffen gewesen seien fast alle Regionen in West- und Zentralrussland. Ein Angriffsziel lag nach übereinstimmenden Berichten beider Seiten in der Stadt Perm am Ural, rund 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt.
Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte über Telegram, allein beim Anflug auf die Hauptstadtregion seien elf Drohnen abgeschossen worden. Der Telegramkanal Baza berichtete zudem von Gebäudeschäden in der Stadt Rschew nordwestlich von Moskau. Auch in Lettland gingen nahe der russischen Grenze zwei bislang nicht identifizierte Drohnen nieder; der Vorfall fiel zeitlich mit den ukrainischen Angriffen zusammen.
Kiew rechtfertigt Angriffe nach gescheiterter Feuerpause
Die Ukraine hatte zuvor eine einseitige Waffenruhe ab Mitternacht des 6. Mai vorgeschlagen, gab diese jedoch nach einem Tag wieder auf. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in sozialen Netzwerken, Russland habe die Feuerpause sowohl am Vortag als auch am folgenden Tag gebrochen. Die ukrainischen Langstreckenangriffe seien eine spiegelbildliche Reaktion auf diese russischen Attacken.
Zugleich ließ Selenskyj erkennen, dass Kiew bei ernsthaften diplomatischen Schritten Moskaus ebenfalls dazu bereit wäre. Russland töte jedoch weiter Menschen, während es aus seiner Sicht vor allem auf einige ruhige Stunden in einem Teil Moskaus für die Parade ankomme. Damit erneuerte der ukrainische Präsident den Vorwurf, dass es dem Kreml in erster Linie um einen störungsfreien Ablauf der Feierlichkeiten gehe.
Russische Angriffe auf die Ukraine gingen weiter
Nach ukrainischen Militärangaben setzte Russland auch in der Nacht zum Donnerstag seine Angriffe fort. Die ukrainische Luftwaffe meldete 102 russische Kampfdrohnen, von denen 92 abgefangen worden seien. Einschläge habe es an sechs Orten gegeben. Verletzte wurden unter anderem aus Charkiw und Cherson gemeldet. Die Angriffe dauerten demnach bis in den Vormittag an. Zudem wurde auf die Großstadt Dnipro eine ballistische Rakete abgefeuert.
Schon am Mittwochabend hatte Selenskyj in einer Videobotschaft aus Kiew erklärt, auf die anhaltenden russischen Drohnen- und Raketenangriffe werde die Ukraine entsprechend reagieren.
Moskaus angekündigte Waffenruhe für die Militärparade
Mit Tagesanbruch am Freitag um 0.00 Uhr Moskauer Zeit soll eine von Russland einseitig angekündigte zweitägige Waffenruhe in Kraft treten. Sie umfasst die Feiern zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Höhepunkt ist die Militärparade vor Kremlchef Wladimir Putin auf dem Roten Platz am Samstag.
Moskau drohte für den Fall von Störungen der Parade mit Angriffen auf das Zentrum Kiews. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, rief ausländische Diplomaten dazu auf, die ukrainische Hauptstadt zu verlassen.
Selenskyj hatte bereits erklärt, Russland habe sich militärisch so weit verausgabt, dass seine wichtigste Parade inzwischen vom Verhalten der Ukraine abhänge. Das sei ein klares Signal dafür, dass es Zeit sei, den Krieg zu beenden.
Kreml reagierte nicht auf ukrainischen Vorstoß
Der Kreml ging nach eigenen Angaben nicht auf den ukrainischen Vorschlag einer Feuerpause ein. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, es habe darauf keine Reaktion der russischen Seite gegeben. Zugleich bekräftigte er, dass Moskau an seiner eigenen Waffenruhe am 8. und 9. Mai festhalte.
Im mehr als vier Jahre dauernden Angriffskrieg hatte Russland bereits mehrfach Feuerpausen über Feiertage verkündet und diese stets als eigene Entscheidung dargestellt.
Neue diplomatische Bewegung mit Blick auf die USA
Die Bemühungen um ein Ende des Krieges gelten derzeit als festgefahren. Nach dem Bericht sind auch die USA, die sich als Vermittler sehen, momentan durch den Iran-Krieg abgelenkt. Dennoch soll der Chef des ukrainischen Nationalen Sicherheitsrates, Rustem Umjerow, noch in dieser Woche nach Florida reisen und dort mit Steve Witkoff sprechen, dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion