Ukraine

Moskau-Anschlag: Steckt die Ukraine dahinter?

Rätsel um Explosion in Moskau: Mehrere Tote, Behörden schweigen – doch Russlands Botschaft macht schon Kiew verantwortlich.

03.08.2026, 13:16 Uhr

Nach dem tödlichen Sprengstoffanschlag in einem Restaurant in einem Ausgehviertel von Moskau hat die russische Botschaft in Italien schwere Vorwürfe gegen die Ukraine erhoben. In sozialen Netzwerken erklärte die Vertretung, die „blutigen Fangarme der Terrorbande Selenskyjs“ hätten nun auch das italienische Restaurant „Balzi Rossi“ in Moskau erreicht.

Weiter hieß es aus der Botschaft, die mutmaßlichen Täter aus Kiew hätten mit dem Anschlag auch Italiener einschüchtern wollen, die in Russland tätig sind. Bislang hatten die russischen Behörden die Ukraine und Präsident Wolodymyr Selenskyj offiziell noch nicht für den Vorfall verantwortlich gemacht.

Nach Angaben der Botschaft blieben der aus Neapel stammende Küchenchef des Lokals sowie sein Team nur dank des Eingreifens von Sicherheitskräften unverletzt.

Bereits am Samstagabend hatte sich die Explosion in dem Moskauer Restaurant ereignet. Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach am folgenden Tag von einem „brutalen Terrorakt“. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Zu den genauen Hintergründen äußern sich die Behörden bislang nur sehr zurückhaltend.

Botschaft bestätigt Opferzahl und erhebt weitere Vorwürfe

Die russische Botschaft sprach nun von fünf Todesopfern und 19 Verletzten. Damit bestätigte sie frühere Berichte verschiedener Telegram-Kanäle. Das Nationale Antiterror-Komitee hatte zuvor noch von drei Toten und 21 Verletzten gesprochen.

Nach diesen früheren Angaben sollen unter den Toten eine Frau sein, die verdächtigt wird, den Sprengsatz zum Restaurant gebracht zu haben, ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes, der ihr den Zutritt verweigert habe, sowie ein Gast.

In ihrer Mitteilung verschärfte die Botschaft ihre Wortwahl zusätzlich und zog in Form einer rhetorischen Frage Vergleiche zwischen der Führung in Kiew und Terrororganisationen wie Al-Kaida oder dem „Islamischen Staat“. Genannt wurden dabei unter anderem Wolodymyr Selenskyj, Kyrylo Budanow, Andrij Jermak und Mychajlo Fedorow.

Zugleich behauptete die Botschaft, die Explosion in Moskau und „andere Terroranschläge in Russland, Monaco und an anderen Orten“ zeigten, dass sich eine „ukrainische Terrorepidemie“ in Europa und besonders in Italien auszubreiten beginne.

Als Beispiel verwies sie auf eine Explosion Ende Juni in Monaco. Dabei war der ukrainische Geschäftsmann Wadym Jermolajew schwer verletzt worden. Er machte danach den ukrainischen Militärgeheimdienst HUR verantwortlich. Die mutmaßliche Täterin wurde später in der Ukraine getötet.

Feierte ein General Geburtstag?

Die Zeitung „Kommersant“ berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, Ziel des Anschlags könnten die Gäste einer privaten Veranstaltung in dem Restaurant gewesen sein. Demnach soll die mit Metallkugeln präparierte Bombe per Fernsteuerung gezündet worden sein, als die Frau mit dem Paket vom Wachdienst kontrolliert wurde.

Laut dem Bericht ist zudem nicht ausgeschlossen, dass die Frau selbst nichts von dem Sprengsatz wusste und glaubte, ein gewöhnliches Geschenk zu überbringen.

Russische Militärblogger schrieben auf Telegram außerdem, in dem Restaurant habe ein General der Streitkräfte seinen 55. Geburtstag gefeiert. In diesem Zusammenhang fiel der Name Alexander Tschajko, der seit Mai dieses Jahres die russischen Luft- und Raumfahrtstreitkräfte führt und dort womöglich auch seine Beförderung gefeiert haben soll. Unter den Gästen sollen sich ranghohe Geheimdienstler, Beamte, Abgeordnete und Generäle befunden haben. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang nicht.

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 sind in Russland immer wieder hochrangige Militärs und prominente Propagandisten Ziel von Attentaten geworden. Im Februar dieses Jahres wurde der stellvertretende Chef des russischen Armeegeheimdienstes, Wladimir Alexejew, durch Schüsse schwer verletzt. Im April 2025 kam Generalleutnant Jaroslaw Moskalik bei der Explosion einer Autobombe ums Leben. Bereits im Dezember 2024 war Igor Kirillow, Chef der russischen ABC-Abwehrtruppen, bei einem Bombenanschlag getötet worden; der ukrainische Geheimdienst bekannte sich damals zu der Tat.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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