Baden-Württemberg

Mysteriöses Rinder-Virus in Süddeutschland entdeckt

Neues Rinder-Virus in Baden-Württemberg: Fieber, Durchfall, weniger Milch. Wie gefährlich ist der exotische Erreger?

03.08.2026, 13:13 Uhr

Ein neu eingeschlepptes Virus hat sich in Europa etabliert und breitet sich derzeit unter Rindern in Süddeutschland aus. Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zeigen betroffene Tiere unter anderem Fieber und Durchfall, bei Milchkühen sinkt zudem die Milchleistung. Übertragen wird der Erreger durch blutsaugende Gnitzen.

Nach bisherigem Kenntnisstand sind oder waren in der Region Südbaden rund 100 Rinder haltende Betriebe betroffen, wie das baden-württembergische Landwirtschaftsministerium mitteilte. Todesfälle seien bislang nicht bekannt. Nach aktuellem Stand verlaufe die Erkrankung typischerweise mild, betroffene Tiere erholten sich meist innerhalb weniger Tage.

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit mit Sitz bei Greifswald analysierte vier Proben aus Baden-Württemberg. Die Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass es sich um ein bislang nicht genauer beschriebenes Orthobunyavirus aus der Simbu-Serogruppe handelt. Vertreter dieser Virusgruppe sind vor allem aus Afrika, Asien und Australien bekannt.

Nach bisherigem Stand wohl kein relevantes Risiko für Menschen

Das neu entdeckte Virus gehört zu derselben Gruppe wie das Schmallenberg-Virus. Dieses war 2011 in Deutschland aufgetreten und hatte in den folgenden Jahren vor allem bei Schafen Fehlgeburten und Missbildungen verursacht. Damals waren mehr als 2.000 Höfe betroffen.

Von Viren dieser Gruppe werden vor allem Wiederkäuer infiziert, insbesondere Rinder, Schafe und Ziegen. Antikörper wurden außerdem bei Alpaka, Bison sowie bei Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild festgestellt.

Wie das FLI mitteilt, gilt das Schmallenberg-Virus nicht als auf den Menschen übertragbar. Auch das nun gefundene Virus stelle nach aktuellem Wissensstand kein relevantes Infektionsrisiko für Menschen dar. Allerdings seien weitere Untersuchungen notwendig. Nach Angaben des Ministeriums liegen derzeit zudem keine Meldungen über andere betroffene Tierarten vor.

Mögliche Gefahr für ungeborene Tiere

Bei ausgewachsenen Tieren verlaufen Infektionen mit Viren dieser Gruppe dem Institut zufolge meist nur mild bis mäßig. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch einer möglichen Übertragung auf den Fötus während der Trächtigkeit. Je nach Zeitpunkt der Infektion könne es zu Fehlgeburten, Totgeburten oder schweren angeborenen Missbildungen kommen.

Ob solche Folgen auch bei dem jetzt nachgewiesenen Virus auftreten, ist laut FLI noch unklar und muss erst untersucht werden. Da die übertragenden Gnitzen voraussichtlich noch bis November aktiv bleiben, rechnen Fachleute mit einer weiteren und möglicherweise raschen Verbreitung.

Ausmaß und Folgen noch ungewiss

"Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus hat", erklärte eine Sprecherin des Instituts. Denkbar sei, dass nun möglichst schnell an der Entwicklung eines Impfstoffs gearbeitet werden müsse.

Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums stehen Impfstoffe gegen das neu nachgewiesene Virus derzeit nicht zur Verfügung. Als wichtigste Schutzmaßnahme gelte deshalb der Schutz der Tiere vor Stechinsekten. Wie stark die Landwirtschaft über Behandlungskosten erkrankter Tiere und vorübergehende Einbußen bei der Milchleistung hinaus belastet wird, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Das hänge unter anderem davon ab, wie schnell sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten betroffen sind und welche Krankheitsbilder auftreten.

Zunächst fielen Tests auf bekannte Erreger negativ aus

Erkrankte Rinder waren dem FLI zufolge zunächst in der Schweiz und in Frankreich aufgefallen, im Juli dann auch in zahlreichen Beständen in Süddeutschland, vor allem in Baden-Württemberg. Zunächst deuteten die Symptome auf das Schmallenberg-Virus hin, doch Tests auf diesen und andere bekannte Erreger blieben negativ.

Schließlich stellte das FLI nach eigenen Angaben eine hohe genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren fest. In der Mitteilung des Instituts wird der Erreger deshalb als "Shamonda-like" bezeichnet.

FLI-Vizepräsident Martin Beer sprach davon, dass nach 2011 erneut ein exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden sei. Die kommenden Wochen würden zeigen, wie schnell sich das Virus ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen gesundheitlichen Folgen gerechnet werden muss.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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