Ukraine

Klitschko warnt: Wieder Raketen auf Kiew

Nächster Nachtangriff auf Kiew: In der Hauptstadt brennt es an mehreren Orten – was hinter der neuen Attacke steckt.

05.08.2026, 00:26 Uhr

Mindestens 17 Tote bei schwerem russischem Luftangriff auf Kiew und Umgebung

Die ukrainische Hauptstadt Kiew und das Umland sind in der Nacht erneut Ziel eines schweren russischen Luftangriffs geworden. Nach aktuellen Angaben kamen dabei mindestens 17 Menschen ums Leben, 44 weitere wurden verletzt. Besonders betroffen waren Kiew selbst sowie der östliche Vorort Browary. Die ukrainische Luftwaffe meldete, Russland habe 28 ballistische Raketen verschiedener Typen abgefeuert – keine einzige davon sei abgefangen worden.

In Kiew brachen mehrere größere Brände aus, aus mindestens sieben Bezirken wurden Schäden gemeldet. Unter anderem wurden Lagerhäuser zerstört. Medienberichten zufolge wurde auch ein 20-stöckiges Wohnhaus getroffen. Auch in den angrenzenden Kreisen Browary, Fastiw und Butscha waren Rettungskräfte nach Einschlägen im Einsatz.

Besonders schwer traf es die Bahnstation Kwitnewa in Browary. Dort wurden nach Angaben örtlicher Behörden acht Menschen getötet. Der Bürgermeister von Browary erklärte, mehrere Menschen hätten wegen einer Zugverspätung nachts noch auf die letzte Verbindung gewartet, als der Raketenbeschuss einsetzte. Weitere sechs Tote gab es demnach in zwei Verteilzentren der Supermarktkette Silpo.

Das russische Verteidigungsministerium sprach in Moskau von einem Massenangriff mit Präzisionswaffen. Ziel seien Logistik- und Verteilzentren für militärische Güter gewesen. Genannt wurden dabei unter anderem Einrichtungen der Logistikunternehmen Nova Post und Epizentr. Satellitendaten des Brandmeldesystems Firms der US-Raumfahrtbehörde Nasa registrierten an den betroffenen Standorten Feuer.

Präsident Wolodymyr Selenskyj machte erneut den Mangel an Flugabwehrwaffen für die hohen Opferzahlen mitverantwortlich. Abfangmunition gegen ballistische Raketen hätte Leben retten können, erklärte er. Bei einer Sitzung mit der Militärführung sagte Selenskyj zudem, die Lieferungen ausländischer Raketenabwehrmunition seien im Vergleich zum Vorjahr auf ein Drittel zurückgegangen.

Nach ukrainischen Angaben setzte Russland in der Nacht 24 ballistische Raketen vom Typ Iskander-M sowie umfunktionierte S-400-Flugabwehrraketen ein. Hinzu kamen vier Hyperschallraketen vom Typ Zirkon. Die Geschosse seien aus den grenznahen russischen Gebieten Brjansk und Kursk abgefeuert worden, wodurch kaum Vorwarnzeit geblieben sei. Gegen Iskander-Raketen gilt die ukrainische Abwehr als besonders anfällig, S-400-Raketen verursachen beim Einsatz gegen Bodenziele wegen ihrer Ungenauigkeit oft zusätzliche zivile Schäden.

Zusätzlich griff Russland die Ukraine mit 115 Drohnen verschiedener Typen an. Nach Angaben der Luftwaffe konnten davon 98 abgewehrt werden.

Als wichtigste Verteidigung gegen ballistische Raketen gelten die US-amerikanischen Patriot-Systeme, von denen auch Deutschland welche bereitgestellt hat. Der Ukraine fehlt es jedoch vor allem an passender Munition. In Kiew wächst deshalb die Sorge, dass weitere ungehinderte Angriffe im kommenden Winter erneut kritische Infrastruktur zerstören könnten.

Bereits in der Nacht zum Samstag hatte Russland Kiew mit ballistischen Raketen angegriffen. Nach bisherigen Angaben wurden dabei mindestens neun Menschen getötet und mehr als 30 weitere verletzt. Nach Zählung von Journalisten war es allein im Juli bereits der elfte derartige Angriff auf die ukrainische Hauptstadt.

Auch die Ukraine griff in der Nacht Russland mit großen Drohnenschwärmen an. Nach russischen Angaben wurden 475 Drohnen abgefangen; unabhängig überprüfen lässt sich das nicht. Getroffen wurden demnach unter anderem eine Raffinerie in Ufa sowie ein Logistikzentrum des Online-Händlers Wildberries in Alexin südlich von Moskau.

Unterdessen kündigte Kremlchef Wladimir Putin eine Umstrukturierung der russischen Armee an. Künftig sollen Logistiktruppen und weitere Unterstützungseinheiten stärker gebündelt werden. Zudem besetzte Putin Führungspositionen in den Armeegruppen „Zentrum“ und „Wostok“ neu, die im ostukrainischen Gebiet Donezk im Einsatz sind.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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