EU-Sanktionen könnten Fischstäbchen und Tiefkühlfisch in Deutschland verteuern
Das geplante nächste Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland dürfte spürbare Folgen für den deutschen Markt für Fischstäbchen, Schlemmerfilets und andere Tiefkühl-Fischprodukte haben. Nach Informationen der dpa will die EU-Kommission die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte senken. Wegen des ohnehin knappen Angebots drohen der Branche geringere Produktionsmengen und steigende Preise.
Stufenweise Kürzung der Einfuhren
Nach dem Vorschlag der Kommission soll die Importmenge unmittelbar nach Inkrafttreten des Pakets zunächst auf den Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 begrenzt werden. Ein Jahr später wären nur noch 75 Prozent dieser Menge erlaubt, nach zwei Jahren nur noch die Hälfte.
Ziel: Russlands Einnahmen schmälern
Mit der Maßnahme soll Russland wirtschaftlich weiter unter Druck gesetzt werden, um die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine zu erschweren. Zwischenzeitlich stand laut Bericht sogar ein vollständiges Importverbot im Raum. Davon nahm man jedoch vorerst Abstand, da starke Nachteile für Unternehmen und Verbraucher in Europa befürchtet wurden.
Deutschland besonders betroffen
Nach Angaben des Thünen-Instituts, das zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums gehört, ist Russland weltweit der viertgrößte Produzent von Meeresfisch. Deutschland ist innerhalb der EU der wichtigste Abnehmer von russischem Alaska-Seelachs-Filet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, wurden im vergangenen Jahr 93.500 Tonnen tiefgefrorener Filets im Wert von rund 228 Millionen Euro nach Deutschland eingeführt.
Das Thünen-Institut verweist zudem darauf, dass der russische Anteil an den Importen von Alaska-Seelachsfilet zwischen 2020 und 2024 von 15 auf 45 Prozent gestiegen ist. Zugleich befinden sich in Deutschland die größten Fischstäbchenfabriken der Welt.
Warnung vor Folgen für Angebot, Preise und Jobs
Das Institut sieht erhebliche Risiken für die Versorgung mit günstigen Fischprodukten. Betroffen sein könnten demnach nicht nur das Angebot und die Preise, sondern auch Arbeitsplätze in der deutschen fischverarbeitenden Industrie.
In der Branche wird laut dem Dossier darüber nachgedacht, fehlende Mengen teilweise durch andere Arten zu ersetzen, etwa durch Süßwasserfische aus Aquakultur wie Pangasius. Ein vollständiger Ersatz sei aber kaum möglich – weder bei der verfügbaren Menge noch bei Produktform und Preis.
Begrenzte Alternativen auf dem Weltmarkt
Alaska-Seelachs wird vor allem im Golf von Alaska, im Ochotskischen Meer zwischen Russland und Japan sowie in der Beringsee gefangen. Meist wird der Fisch bereits auf Verarbeitungsschiffen tiefgefroren, vor allem als Filet, teils aber auch als ausgenommener Fisch.
Neben Russland liefern nach Angaben des Thünen-Instituts nur die USA vergleichbare Mengen. Diese Ware sei jedoch durch langfristige Verträge weitgehend gebunden und könne russische Ausfälle nicht einfach ausgleichen.
Russische Ware könnte in andere Märkte umgeleitet werden
Das Institut geht davon aus, dass Fisch, den die EU künftig nicht mehr aus Russland bezieht, in andere Regionen verkauft würde, weil die Nachfrage nach günstigem Alaska-Seelachs schon jetzt größer ist als das Angebot. In einem Dossier mit dem Titel „Droht eine Fischstäbchenkrise?“ warnt das Institut davor, dass die deutsche Fischindustrie und damit auch die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten dauerhaft Schaden nehmen könnten. Selbst nach einem Ende des Ukraine-Kriegs könnten Fischstäbchen dann eher aus Fernost kommen als aus deutscher Produktion.
Hersteller halten sich bedeckt
Unternehmen mit Sitz in Deutschland wie Iglo und Frosta wollten sich auf Anfrage der dpa zunächst nicht zu den möglichen Sanktionen und ihren Folgen äußern. Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums erklärte, die Bundesregierung unterstütze Maßnahmen, die Russland die wirtschaftliche Grundlage für seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine entziehen sollen. Das Ministerium prüft nach eigenen Angaben gemeinsam mit Wirtschaft und Wissenschaft die möglichen Folgen des Vorschlags der EU-Kommission.
Diplomaten zufolge soll das 21. Sanktionspaket spätestens im Juli verabschiedet werden. Neben den Beschränkungen für Alaska-Seelachs ist demnach auch ein vollständiges Importverbot für russischen Kabeljau ab 2028 vorgesehen.
Frühere Importstopps gegen Russland
Die EU hatte bereits in der Vergangenheit umfangreiche Handelsbeschränkungen gegen Russland verhängt. So wurden unter anderem die Einfuhren von Öl und Gas stark begrenzt sowie Importverbote für Produkte wie Zement, Holz, Diamanten und Gold beschlossen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion