Ukraine

Ende im Ukraine-Krieg? Trump schickt jetzt seinen Mann

Erst Moskau, dann Kiew: Trumps Unterhändler reisen los – kommt jetzt plötzlich Bewegung in die festgefahrenen Ukraine-Gespräche?

05.09.2026, 01:28 Uhr

In die Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs könnte mit Hilfe der USA wieder Bewegung kommen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte für das Wochenende einen Besuch des US-Sondergesandten Steve Witkoff und von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, an. Nach seinen Angaben ist abgesprochen, dass beide zunächst nach Moskau reisen und am Sonntag erstmals überhaupt auch in Kiew eintreffen.

Eine offizielle Bestätigung für Medienberichte über den möglichen Beginn einer zumindest einseitigen Waffenruhe am Wochenende gab es zunächst nicht.

Die russische Führung reagierte zurückhaltend. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte laut der Agentur Tass auf Nachfrage, er werde nichts ankündigen. Falls es solche Kontakte gebe, werde der Kreml darüber informieren.

Auch Trump bestätigte im Weißen Haus, dass er beide Unterhändler entsandt habe. Einen genauen Zeitplan nannte er nicht. Sie brächten einen Vorschlag mit, um den Krieg zu beenden, sagte der US-Präsident, ohne Details zu nennen. Man habe sie geschickt, um auszuloten, ob Fortschritte möglich seien.

Wie schon bei früheren Vermittlungsversuchen zeigte sich Trump optimistisch. Ein echter Durchbruch ist bislang allerdings ausgeblieben, obwohl er früher erklärt hatte, den Krieg binnen 24 Stunden beenden zu können.

Selenskyj kündigt Verzicht auf ukrainische Luftangriffe an

Selenskyj erklärte, Ziel sei es, den Besuch und die Gespräche mit der US-Seite möglichst konstruktiv und inhaltsreich zu gestalten, um den Krieg zu beenden. Die Ukraine werde während des Aufenthalts der amerikanischen Delegation keine Luftangriffe durchführen, kündigte er an. Wie bei früheren diplomatischen Besuchen der US-Seite werde Kiew die Sicherheit im russischen Luftraum gewährleisten, damit die Unterhändler sicher anreisen könnten.

Zugleich forderte Selenskyj eine spiegelbildliche Reaktion aus Moskau. Russland müsse sich ebenso verhalten, sagte er.

Allerdings gab es in der Nacht zum Samstag erneut Luftalarm und Berichte über Explosionen im Großraum Kiew. Das Portal Kyiv Independent berichtete über eine Welle von Drohnenangriffen. Im Vorort Boryspil sei dabei ein neunstöckiger Wohnblock beschädigt worden. Unter Berufung auf Militärgouverneur Tymur Tkatschenko hieß es, zwei Frauen seien verletzt worden. Unabhängig überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Bereits zuvor hatte es unbestätigte Berichte gegeben, wonach Witkoff und Kushner zunächst Kremlchef Wladimir Putin in Moskau und danach Selenskyj in Kiew treffen wollten. Nach Informationen der New York Times wurde die Reise über Wochen vorbereitet. Demnach bestand Washington darauf, dass die Ukraine ihre Drohnenangriffe auf Moskau und auf russische Energieanlagen vorübergehend aussetzt, solange sich Trumps Unterhändler in Russland aufhalten. Im Gegenzug soll von russischer Seite verlangt worden sein, Raketenangriffe auf Kiew zu stoppen.

Witkoff und Kushner gelten in der Trump-Regierung als zentrale Ansprechpartner für die Bemühungen um ein Ende des seit mehr als viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskriegs. Beide waren seit 2025 mehrfach in Moskau, für ihre Vermittlungsbemühungen aber noch nie in Kiew. In den vergangenen Monaten lagen die Gespräche weitgehend auf Eis, weil Trump seinen Schwerpunkt auf den von ihm begonnenen Krieg gegen den Iran gelegt hatte. Zuletzt saßen die USA im Februar bei direkten Gesprächen zwischen Russland und der Ukraine in der Schweiz als Vermittler mit am Tisch.

Kiew kündigt „schmerzhafte Antwort“ auf neue Angriffe an

Noch vor der Ankündigung des Besuchs wurde nach ukrainischen Angaben das Hauptgebäude des Geheimdienstes SBU im Zentrum von Kiew von einer russischen Drohne getroffen. Selenskyj schrieb auf Telegram, die Drohne habe direkt auf das Arbeitszimmer des SBU-Chefs gezielt. Offenbar blieb der Geheimdienstleiter unverletzt: Selenskyj teilte mit, er habe anschließend mit ihm über die Reaktion auf die russischen Angriffe beraten.

Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden bei dem Angriff mindestens zwölf Menschen verletzt. Beschädigt wurden demnach das Dach des Gebäudes und Teile der Außenwand. In sozialen Netzwerken verbreitete Fotos zeigten ein Einschlagsloch im zweiten Stock eines Seitenflügels. Der SBU bestätigte die Schäden und kündigte eine „schmerzhafte Antwort“ an.

Auch die zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Sophienkathedrale wurde nach Angaben der Museumsverwaltung durch den Drohneneinschlag in Mitleidenschaft gezogen. In einem Verwaltungsgebäude aus dem 18. Jahrhundert zerbarsten demnach Fensterscheiben. Andere Gebäude des Museumskomplexes seien nicht beschädigt worden. Außenminister Andrij Sybiha sprach angesichts des neuen Anlaufs für Friedensgespräche von einer „erheblichen Eskalation“ und forderte die Unesco zu einer Reaktion auf.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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