Ukraine

Drohnen-Schock in Moskau: Wohnhaus nahe Zentrum getroffen

Kurz vor Putins Siegesparade: Ukrainische Drohne trifft Wohnhaus nahe Moskaus Zentrum – was steckt hinter dem Angriff?

04.05.2026, 07:48 Uhr

Wenige Tage vor der traditionellen Militärparade zum Tag des Sieges in Moskau ist nach russischen Angaben eine ukrainische Drohne in ein Wohnhochhaus im Westen der russischen Hauptstadt eingeschlagen. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin schrieb am frühen Morgen auf Telegram, verletzt worden sei niemand.

Der Ort des Einschlags gilt als besonders sensibel: Nach russischen Medien liegt die Entfernung zum Roten Platz nur rund sechs Kilometer Luftlinie entfernt. Dort will Kremlchef Wladimir Putin am 9. Mai wie jedes Jahr die Parade zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über NS-Deutschland im Zweiten Weltkrieg abnehmen.

Einschlag an Luxushochhaus nahe mehrerer Botschaften

Beschädigt wurde ein markanter, etwa 213 Meter hoher Wolkenkratzer mit Luxuswohnungen an der Mosfilmowskaja-Straße. Auf Fotos waren mehrere ausgebrannte Fenster in einem Stockwerk auf halber Gebäudehöhe zu sehen. In dem westlichen Wohnviertel liegen auch mehrere Botschaften; die deutsche Botschaft befindet sich Berichten zufolge weniger als einen Kilometer vom Einschlagsort entfernt.

Nach Angaben Sobjanins fing die russische Luftabwehr zudem zwei weitere ukrainische Drohnen ab. Das russische Verteidigungsministerium sprach für die Nacht zum Montag insgesamt von 117 abgefangenen feindlichen Drohnen über verschiedenen Teilen des Landes.

Ukraine reagiert auf russische Feuerpause mit eigener Ankündigung

Parallel dazu hatte Russland für den 8. und 9. Mai eine Waffenruhe im Krieg gegen die Ukraine angeordnet. Das Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, die Armee folge damit einer entsprechenden Anordnung von Präsident Wladimir Putin. Moskau erwarte, dass die ukrainische Seite dem Beispiel folge.

Nachdem Kiew zunächst erklärt hatte, keine offiziellen Anfragen zu einer möglichen Feuerpause erhalten zu haben, kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj eine eigene Waffenruhe an. „Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“, teilte er mit. Bis dahin sei noch genügend Zeit, die Einstellung des Feuers sicherzustellen. Zugleich erklärte Selenskyj, die Ukraine werde ab diesem Zeitpunkt „spiegelbildlich handeln“.

Er verband die Ankündigung mit einer politischen Botschaft an Moskau: Wenn eine Parade in der russischen Hauptstadt nicht ohne den guten Willen der Ukraine möglich sei, liege es an der russischen Seite, „reale Schritte“ zur Beendigung des Krieges einzuleiten. Zugleich bekräftigte Kiew erneut, einen dauerhaften Waffenstillstand und eine Friedenslösung mit Sicherheitsgarantien anzustreben.

Moskau droht mit Angriff auf Zentrum von Kiew

Für den Fall ukrainischer Angriffe während der Siegesfeiern drohte das russische Verteidigungsministerium mit einem massiven Raketenschlag auf das Zentrum von Kiew. Aus „humanitären Überlegungen“ habe Russland trotz vorhandener Möglichkeiten bislang davon abgesehen, hieß es weiter. Die Zivilbevölkerung und Mitarbeiter ausländischer diplomatischer Vertretungen sollten die Millionenstadt in diesem Fall rechtzeitig verlassen.

Vorschlag zu Waffenruhe kam bereits Ende April auf

Über eine mögliche Feuerpause rund um den Feiertag hatten laut russischen Angaben zuvor bereits Putin und US-Präsident Donald Trump bei einem Telefonat Ende April gesprochen. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow sagte danach, der Kremlchef erwäge eine solche Waffenruhe.

Trump reklamierte in Washington die Initiative für sich. Selenskyj forderte daraufhin von den USA Aufklärung darüber, was genau besprochen worden sei. Vertreter Kiews sprachen sich mehrfach für einen dauerhaften Waffenstillstand und eine Friedenslösung mit Sicherheitsgarantien aus.

Nicht der erste Versuch einer Feiertags-Waffenruhe

Im Verlauf des seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskriegs gab es bereits mehrfach kurze Feuerpausen über hohe Feiertage. Zuletzt wurde über das orthodoxe Osterfest Mitte April ein solcher Versuch unternommen. Beide Seiten verzichteten dabei für etwa 30 Stunden auf Raketen- und Drohnenangriffe im gegnerischen Hinterland. An der Front blieb die Lage jedoch angespannt, weil die Kämpfe dort weitergingen. Russland und die Ukraine warfen einander anschließend jeweils tausende Verstöße vor.

Auch zum Tag des Sieges 2025 hatte Putin bereits eine dreitägige Feuerpause angeordnet. Damals beging Russland den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa mit einer großen Militärparade und zahlreichen ausländischen Gästen, darunter Chinas Staatschef Xi Jinping.

Selenskyj verweist auf Nervosität vor der Parade

Selenskyj äußerte sich bei einem Treffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft im armenischen Eriwan zudem zur militärischen Lage. Russland sei nach mehr als vier Jahren Krieg geschwächt, während die Ukraine stärker werde, sagte er laut Redemitschnitt.

Im Sommer komme für Putin der Zeitpunkt, an dem er entscheiden müsse, ob er den Krieg weiter ausweite oder den Weg der Diplomatie einschlage. Mit Blick auf die Parade sagte Selenskyj, Moskau werde dort erstmals seit vielen Jahren keine Militärtechnik zeigen können. Zugleich deutete er an, dass Russland offenbar fürchte, Drohnen könnten über den Roten Platz fliegen.

Parade erstmals seit 2007 ohne Panzer und Raketen

Bereits Ende April hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, dass die Militärparade in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen und wegen der „operativen Lage“ ohne Panzer und Raketen stattfinden solle. Damit würde auf dem Roten Platz erstmals seit 2007 wieder auf die Vorführung dieser Technik verzichtet.

Russische Beobachter verweisen zudem darauf, dass eine große Demonstration militärischer Stärke angesichts der Probleme Russlands im Ukraine-Krieg wenig überzeugend wirken könnte. Die Wirtschaft steht unter Druck, die Verluste sind hoch, und ukrainische Drohnen treffen zunehmend sichtbare Ziele tief im russischen Hinterland.

Einschläge in zivile Infrastruktur innerhalb Moskaus werden vergleichsweise selten bekannt. Unklar blieb, ob der Treffer auf das Hochhaus gezielt erfolgte oder möglicherweise auf einen Steuerungsfehler beziehungsweise elektronische Ablenkmaßnahmen zurückzuführen war.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Russland greift dabei weiterhin auch Ziele weit hinter der Front mit Raketen und Drohnen an. In der Ukraine sterben dadurch nahezu täglich Zivilisten, zudem werden Wohnhäuser und wichtige Versorgungsanlagen beschädigt oder zerstört.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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