Mit goldenem Konfetti auf dem Trikot und noch mitten in der Meisterfeier deutete bei den Eisbären Berlin vieles auf einen emotionalen Umbruch hin. Nach der erfolgreichen Titelverteidigung in der Deutschen Eishockey Liga könnte der Hauptstadtclub nicht nur mehrere Leistungsträger, sondern auch seinen Cheftrainer verlieren.
Laut übereinstimmenden Medienberichten steht Serge Aubin offenbar vor einem Wechsel zum SC Bern. Zunächst hatte das Schweizer Portal „Watson.ch“ berichtet, später griffen auch „Bild“, „Kicker“ und weitere Medien das Thema auf. Brisant: Aubin ist in Berlin eigentlich noch langfristig gebunden. Sein Vertrag bei den Eisbären läuft bis 2028 und war erst im Juni 2025 vorzeitig verlängert worden.
Erst am Sonntag hatte der 51-Jährige mit den Berlinern die zwölfte Meisterschaft der Clubgeschichte perfekt gemacht. Nach dem 4:1-Erfolg in der Finalserie war Aubin mit feuchten Augen zu sehen, als er Spieler und Trainerstab abklatschte. Was zunächst wie pure Erleichterung wirkte, könnte sich im Nachhinein als stiller Abschiedsmoment deuten lassen.
Noebels verabschiedet sich emotional
Auch bei Marcel Noebels standen die Zeichen bereits auf Abschied. Der Routinier äußerte sich nach seiner fünften Meisterschaft in zwölf Jahren sehr bewegt und machte deutlich, dass sein letztes Spiel für die Eisbären gekommen sei. Eigentlich habe er seine Karriere gerne in Berlin beendet, sagte der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2018. Nun deutet vieles darauf hin, dass sein Weg zu den Kölner Haien führt.
Damit verliert der Serienmeister womöglich nicht nur seinen prägenden Trainer, sondern auch eine langjährige Identifikationsfigur.
Aubin stellt Clubrekord ein
Für Aubin war dieser Titel auch persönlich besonders bedeutend. Mit fünf Meisterschaften als Berliner Cheftrainer stellte der Kanadier den Clubrekord von Don Jackson ein. Bemerkenswert ist zudem seine Playoff-Bilanz: Immer wenn Aubin mit den Eisbären die Endrunde erreichte, gewann seine Mannschaft am Ende auch jede der bislang 15 Serien.
Dabei galt diese Meisterschaft lange als alles andere als selbstverständlich. Verletzungen wichtiger Spieler wie Blaine Byron und Ty Ronning, der Ausfall von Lean Bergmann, der zeitweise sogar im Rollstuhl mitfeierte, sowie die Sperre von Kapitän Kai Wissmann erschwerten die Saison erheblich. Erst nach der Olympia-Pause nahm Berlin nachhaltig Fahrt auf.
Aubin verwies selbst auf die schwierigen Monate und die Zweifel, die sein Team begleitet hätten. Gerade deshalb habe dieser Titel für ihn einen besonderen Stellenwert.
Beide Torhüter wohl vor dem Absprung
Auch auf der Torhüterposition drohen Veränderungen. Jake Hildebrand soll Medienberichten zufolge bereits bei den Adler Mannheim unterschrieben haben. Als er sich verletzte, sprang Jonas Stettmer ein und überzeugte auf ganzer Linie. Der 24-Jährige wurde zum besten Spieler der Finalserie gewählt und avancierte mit starken Leistungen zu einem entscheidenden Faktor auf dem Weg zum Titel.
Doch auch Stettmer wird die Berliner wohl verlassen und voraussichtlich zum ERC Ingolstadt zurückkehren.
Schweiz für Aubin kein Neuland
Für Aubin wäre ein Engagement in Bern kein Sprung ins Ungewisse. Die Schweiz kennt der Kanadier bereits aus seiner aktiven Laufbahn und seiner Trainerkarriere. Als Spieler stand er unter anderem für Genève-Servette HC und Fribourg-Gottéron auf dem Eis. Später arbeitete er auch als Trainer in der Schweiz, ehe er 2019 bei den ZSC Lions in Zürich entlassen wurde.
Eisbären-Sportdirektor Stéphane Richer wollte sich unmittelbar nach dem Titelgewinn nicht näher zu möglichen personellen Veränderungen äußern. Gegenüber der „Bild“ betonte er, dass zunächst gefeiert werde. Erst danach wolle man über Verträge sprechen.
Fest steht: Die Eisbären haben einmal mehr ihre Ausnahmestellung in der DEL unterstrichen. Doch direkt nach dem nächsten Titel beginnt in Berlin offenbar schon die Neuordnung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion