Bayern

Waldbrand am Saurüsselkopf: Das passiert jetzt

Am Saurüsselkopf brennt es weiter – warum die Einsatzkräfte gegen das Feuer kaum ankommen.

04.05.2026, 07:38 Uhr

Am Saurüsselkopf in den Chiemgauer Alpen kämpfen Einsatzkräfte weiter gegen einen schweren Waldbrand. Aus dem bewaldeten Berghang bei Ruhpolding im Landkreis Traunstein steigt weiterhin dichter Rauch auf. In dem Gebiet gilt der Katastrophenfall.

Nach aktuellen Schätzungen des Landratsamts stehen inzwischen 50 bis 60 Hektar Wald in Flammen. Am Montagmorgen war noch von rund vier bis fünf Hektar die Rede gewesen. Das Feuer war am Sonntagabend nach einer längeren Phase trockener und warmer Witterung ausgebrochen. Die Ursache ist weiterhin unklar.

Katastrophenfall wegen Bedrohung für Trinkwasserschutzgebiet

Im Zentrum des Einsatzes steht das Trinkwasserschutzgebiet im Ruhpoldinger Ortsteil Laubau. Nach Angaben von Landrat Andreas Danzer muss vor allem die dortige Quelle gesichert werden. Sie versorgt nach seinen Worten rund 30.000 Bürgerinnen und Bürger mit Wasser.

Danzer hatte den Katastrophenfall ausgerufen, um Einsatzkräfte, Fachstellen und Behörden zentral zu koordinieren. Angesichts der schwierigen Lage sei dieser Schritt notwendig gewesen, um alle verfügbaren Mittel gezielt einzusetzen und das Schutzgebiet wirksam zu sichern.

Zum Einsatzleiter wurde Kreisbrandrat Christoph Grundner bestellt.

Brandherd in extrem steilem Gelände

Das Gelände am Berg gilt als äußerst steil und schwer zugänglich. Nach Einschätzung der Verantwortlichen ist der Brand vom Boden aus direkt kaum zu bekämpfen. Danzer betonte deshalb, man sei auf überörtliche Unterstützung angewiesen.

Auch die Gemeinde hatte bereits darauf hingewiesen, dass ein unmittelbarer Löscheinsatz direkt am Brandherd derzeit nicht zielführend wäre und die Einsatzkräfte zusätzlich gefährden könnte.

Löscharbeiten aus der Luft – nachts keine Flüge möglich

Mehrere Hubschrauber bekämpfen das Feuer aus der Luft. Nach Angaben des Landratsamts sind derzeit vier Polizeihubschrauber der Landespolizei sowie zwei Hubschrauber von Heli Austria im Einsatz. Hinzu kommen Hubschrauber der Bundespolizei sowie ein weiterer Hubschrauber der Landespolizei Baden-Württemberg.

Für Dienstag sind außerdem Luftunterstützungen der Bundeswehr geplant. Nach Angaben von Danzer kann ein Bundeswehrhubschrauber rund 5.000 Liter Wasser transportieren und damit deutlich mehr als die bislang eingesetzten Polizeihubschrauber.

Sollte es die Lage erfordern, könnte aus Baden-Württemberg erneut ein weiterer Hubschrauber angefordert werden. Zusätzlich stellt die Polizei Baden-Württemberg einen in Bayern nicht verfügbaren Flugfeld-Tankwagen bereit, damit Treibstoff direkt im Einsatzraum nachgefüllt werden kann.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit sollen die Hubschrauber weiter löschen. In der Nacht müssen die Flüge jedoch eingestellt werden. Einsatzleiter Grundner erklärte, dafür fehle derzeit eine Maschine mit Wärmebildkamera beziehungsweise Nachtflugtauglichkeit.

Feuerwehr auch am Boden im Einsatz

Feuerwehren aus Ruhpolding und umliegenden Orten wurden zusammengezogen. Sie arbeiten auch am Boden daran, eine weitere Ausbreitung einzudämmen, unter anderem mit Bewässerungsmaßnahmen entlang von Forstwegen.

Laut Landratsamt sind rund 175 Kräfte im Einsatz. Die Lage bleibt nach Behördenangaben dynamisch und wird laufend neu bewertet.

Bürgermeister schildert bedrückende Lage

Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer sprach von einer besonders belastenden Situation für die Menschen vor Ort. Der Berg sei im gesamten Talkessel gut sichtbar. Wenn dort nachts Flammen zu sehen seien und der Berg rauche und brenne, "blute einem schon das Herz", sagte Pfeifer. Gerade in der Dunkelheit wirke die Lage besonders bedrückend.

Keine akute Gefahr für Anwohner

Für die Bevölkerung besteht nach Einschätzung der Behörden derzeit keine unmittelbare Gefahr. Dennoch wird dazu aufgerufen, das betroffene Gebiet weiträumig zu meiden und die Zufahrtswege für Feuerwehr und Rettungskräfte freizuhalten.

Im Bereich südlich des Ortsteils Laubau und der Chiemgau Arena kann es zu Ascheregen kommen. Anwohner sollen in diesem Fall Fenster und Türen geschlossen halten und sich möglichst wenig im Freien aufhalten.

Waldbrandgefahr weiter erhöht

Der Deutsche Wetterdienst wies für Montag in ganz Bayern auf dem Waldbrandgefahrenindex die Stufe 3 von 5 aus. In einigen Regionen, darunter auch in Alpennähe, galt sogar Stufe 4. Mit aufkommendem Regen könnte die Gefahr in den nächsten Tagen wieder sinken.

Einsatzleiter Grundner verwies zudem auf die extreme Trockenheit der vergangenen Tage und Wochen.

Polizei eingebunden – weiter keine Hinweise auf Brandstiftung

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd sind auch Polizeibeamte in den Einsatz eingebunden. Sollten sich Hinweise auf eine Straftat wie Brandstiftung ergeben, würde die Polizei Ermittlungen aufnehmen. Derzeit gibt es dafür nach Behördenangaben jedoch keine Anhaltspunkte.

Bereits am Wochenende hatte es mehrere kleinere Brände an Wiesen, Hecken und am Schilfgürtel eines Sees gegeben. Als wahrscheinlich gilt auch dort ein Zusammenhang mit der warmen und trockenen Witterung. Hinweise auf Brandstiftung liegen bislang in keinem dieser Fälle vor.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen