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Der «Daddy»-Typ ist plötzlich überall

Vom Tabu zum Trend: Warum heute selbst kinderlose Stars wie Pedro Pascal plötzlich als «Daddy» gefeiert werden.

04.05.2026, 07:37 Uhr

«Daddy ist eine Haltung – ihr wisst, was ich meine»: Mit diesem Satz aus einem Lügendetektor-Interview von Vanity Fair wurde Pedro Pascal vor einigen Jahren endgültig zum Meme im Netz. Spätestens seitdem ist der Typus des popkulturellen «Daddys» allgegenwärtig.

Warum gilt Pedro Pascal als Paradebeispiel für den «Daddy»?

Pedro Pascal, bekannt aus Serien wie Game of Thrones und Narcos, hat den Spitznamen nicht nur bekommen, sondern ihn auch mit Inhalt gefüllt. Im erwähnten Interview erklärte er das Daddy-Sein praktisch zu einer Lebenshaltung: Wer liebt, soll auch beschützen.

Der heute 51-Jährige festigte dieses Image mit Rollen, in denen er als Beschützer auftritt – etwa in The Last of Us. Besonders prägend war auch seine Figur Din Djarin in The Mandalorian. Im Kinofilm The Mandalorian and Grogu (Start: 20. Mai) wird dieses Motiv noch einmal zugespitzt: Als einsamer Kopfgeldjäger kümmert sich Pascal hingebungsvoll um Grogu, das kleine Wesen mit den großen Ohren.

Wichtig dabei: Grogu gehört zwar derselben Spezies an wie Yoda, ist aber nicht «Baby-Yoda» – wer ihn so nennt, liegt daneben.

Muss ein «Daddy» tatsächlich Vater sein?

Nein. Dass Pascal im Internet als Inbegriff des «Daddys» gefeiert wird, hat nichts mit seinem Privatleben zu tun. Er hat keine Kinder, ist nicht verheiratet und äußert sich nicht dazu, ob er hetero-, homo- oder bisexuell ist. Gerade diese Offenheit macht ihn für viele zur Projektionsfigur – auch in queeren Kontexten.

Bekannt ist dagegen, dass er politisch Stellung bezieht. Er setzt sich für die Rechte von Migranten, Frauen und trans Menschen ein. Seine Schwester Lux ist trans; als sie 2021 öffentlich darüber sprach, stand er demonstrativ hinter ihr. Auch mit einem T-Shirt mit dem Aufdruck «Protect the Dolls» zeigte er Solidarität – «Dolls» ist in der Ballroom-Kultur eine liebevolle Bezeichnung für trans Frauen.

Hinzu kommt: Pascal inszeniert sich nicht als unnahbarer Macho. Er spricht offen über Schlafprobleme, Angststörungen und persönliche Schicksalsschläge wie den Suizid seiner Mutter. Auch modisch scheut er keine Risiken und trägt ebenso selbstverständlich Muskelshirts wie schwere Stiefel. Gerade diese Mischung aus Verletzlichkeit, Haltung und Eigenständigkeit macht ihn für viele attraktiv.

Einmal wurde treffend zusammengefasst, Pascal lasse alte Vorstellungen von Männlichkeit bröckeln. Zur männlichen Ikone reichten heute eben nicht bloß Muskeln, sondern auch Prinzipien, Solidarität und Selbstreflexion.

Welche Stars passen noch in dieses moderne Daddy-Bild?

Neben Pedro Pascal wird oft Oscar Isaac genannt. Der 47-jährige Schauspieler, bekannt aus Dune und Frankenstein, zählt für viele ebenfalls zu den großen «Daddys» der Popkultur.

Zwar stammen beide aus Lateinamerika – Pascal wurde in Santiago de Chile geboren, Isaac in Guatemala-Stadt –, doch das erklärt den Hype kaum. Entscheidend ist vielmehr die Ausstrahlung: eine beruhigende Präsenz, die signalisiert, dass alles gut wird.

Ob ein Mann graue Schläfen hat, Brusthaar, einen sogenannten Dad Bod oder welche Herkunft er mitbringt, ist dabei zweitrangig. Wichtiger ist eine fürsorgliche, verlässliche Aura.

Die Medienwissenschaftlerin Sophie Einwächter von der Universität Marburg beschrieb Pascal in einem dpa-Gespräch 2025 als Beispiel für eine positiv besetzte, spielerische und unperfekte Männlichkeit, die für Frauen und viele Minderheiten als «sicher» wahrgenommen werde.

Gerade in unsicheren Zeiten scheinen solche Figuren für viele eine Art Trostspender zu sein. Einen ähnlichen Kult habe es zuvor schon um Keanu Reeves gegeben.

Als frühere Hollywood-Prototypen dieses Typs könnten Richard Gere und George Clooney gelten. Heute würden auch Ethan Hawke, Antonio Banderas oder Mark Ruffalo in dieses Raster passen. In Deutschland ließe sich etwa Florian Brückner nennen – nicht zuletzt wegen seiner fürsorglichen Rolle als neuer «Pumuckl-Papa».

Ist die Bezeichnung «Daddy» nicht auch problematisch?

Für manche ist der Begriff unangenehm, weil er sofort an Vaterbilder, Psychoanalyse oder Schlagworte wie «Daddy Issues» denken lässt.

Allerdings sind weder «Vaterkomplex» noch «Daddy Issues» medizinische Fachbegriffe. Umgangssprachlich beschreiben sie meist die Vorstellung, Frauen oder auch schwule Männer würden wegen einer schwierigen oder fehlenden Vaterbeziehung später ältere oder vermeintlich ungeeignete Partner wählen.

Warum sich manche Menschen zu älteren Partnern hingezogen fühlen oder Bindungen schwerfallen, ist jedoch komplex und keineswegs eindeutig auf die Beziehung zum Vater zurückzuführen. Vorlieben vorschnell zu bewerten, greift deshalb zu kurz.

Im Kern steckt hinter dem Daddy-Ideal oft etwas sehr Alltägliches: das Bedürfnis nach Nähe, Schutz, Vertrauen, Fürsorge und emotionaler Wärme.

Gleichzeitig gehört zur Debatte auch die sexuelle Seite des Begriffs. Es gibt Fantasien rund um dominante Vaterfiguren, ebenso Konstellationen, in denen ältere Männer als Versorger oder Machtfiguren begehrt werden – Stichwort «Sugardaddy». Wegen solcher Assoziationen soll es sogar vorkommen, dass Männer nicht möchten, von ihren eigenen Kindern «Daddy» genannt zu werden, sondern lieber «Papa» oder «Papi» hören.

So schwankt der Begriff heute zwischen Meme, Sehnsuchtsfigur, Männlichkeitsideal und Fetisch – und genau darin liegt wohl seine anhaltende Faszination.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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