Für die Anhänger des FC Bayern scheint die Meisterfrage nach dem ersten von 34 Spieltagen bereits beantwortet. Schon kurz nach Abpfiff hallte es durch die Allianz Arena: „Deutscher Meister wird nur der FCB“.
Mit dem klaren 5:1 gegen den VfB Stuttgart setzte München direkt zum Saisonauftakt ein deutliches Ausrufezeichen. Nach dem 6:0 gegen RB Leipzig im Eröffnungsspiel des Vorjahres lieferte die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany erneut eine Demonstration ihrer Stärke ab. Vor allem offensiv wirkt der deutsche Double-Sieger bereits wieder wie eine perfekt eingespielte Maschine.
National ist derzeit kaum ein Gegner in Sicht, der dieses Team ernsthaft gefährden könnte. Auch der neue Bundestrainer Jürgen Klopp, der das Spiel auf der Tribüne verfolgte, dürfte diesen Eindruck gewonnen haben.
Kane diesmal ohne Treffer – Bayern dennoch dominant
Harry Kane zeigte sich nach dem Spiel begeistert vom Start in die neue Spielzeit. Ein eigenes Tor brauchte der Torjäger diesmal nicht, denn andere übernahmen: Michael Olise überzeugte erneut, außerdem trafen Dayot Upamecano, Aleksandar Pavlovic und Luis Díaz. Hinzu kam ein Eigentor von Josha Vagnoman, der nur wenige Minuten nach dem zwischenzeitlichen 1:1 den Ball unglücklich zum 3:1 ins eigene Netz lenkte.
Hoeneß hadert nach erneutem Rückschlag
Stuttgarts Trainer Sebastian Hoeneß sprach nach der Partie von einer harten Niederlage. Schon drei Monate nach dem 0:3 im DFB-Pokalfinale in Berlin musste sein Team erneut eine klare Pleite gegen Bayern hinnehmen. Dabei hatte sich der VfB durchaus etwas einfallen lassen: Über weite Strecken agierten die Gäste mit konsequenter Manndeckung über das ganze Feld und brachten die Münchner damit phasenweise ins Wanken.

Letztlich setzte sich aber wieder die individuelle Klasse des Rekordmeisters durch. Joshua Kimmich sprach später von einem Spiel, das sinnbildlich für viele Duelle mit Stuttgart stehe: Der VfB hält gut dagegen, am Ende jubelt Bayern.
Bayern sieht noch Luft nach oben
Auch verbal legten die Münchner nach dem Abpfiff nach. Sportvorstand Max Eberl sprach von einer klaren Duftmarke zum Saisonstart. Kimmich warnte die Konkurrenz sogar noch mehr, indem er betonte, dass die Mannschaft noch nicht ihr höchstes Niveau erreicht habe. Nach dem bereits starken Supercup-Sieg in Dortmund ist das eine bemerkenswerte Ansage.
Kompany fordert ständig mehr
Um die ganz großen Ziele zu erreichen, wird dieses Topniveau allerdings nötig sein. Im dritten Jahr unter Kompany soll Bayern nicht nur national dominieren, sondern vor allem Paris Saint-Germain vom europäischen Thron stoßen und im Mai 2027 die Champions League gewinnen.
Ein zentraler Faktor dabei ist der Trainer selbst. Kane lobte Kompany dafür, das Team ständig anzutreiben und nie nachzulassen. Selbst in der Nachspielzeit coachte der Belgier seine Mannschaft noch lautstark von der Seitenlinie. Kompany selbst zeigte sich zufrieden, aber keineswegs restlos begeistert: Perfekt sei es nie, auch diesmal nicht.
Die Offensive macht wieder Angst
Nach den 122 Ligatoren der Vorsaison scheint auch ein erneuter Rekordangriff nicht ausgeschlossen. Mit Kane, Olise, Díaz und dem bei seinem Bundesliga-Debüt auffälligen Ismael Saibari verfügt Bayern über enorme Qualität in der Offensive. Kompany betonte, dass das Tore-Schießen tief in der DNA dieser Mannschaft verankert sei.
Viel Lob für Saibari
Der für rund 50 Millionen Euro verpflichtete Ismael Saibari deutete direkt an, warum Bayern ihn geholt hat. Der Marokkaner kam als Joker zu seinem ersten Ligaeinsatz und glänzte mit zwei Vorlagen. Kane sagte über den Neuzugang, er möge den Jungen. Kimmich nannte ihn eine absolute Verstärkung, und Eberl vergab für dessen Auftritt sogar die Note Eins.
Saibari selbst freute sich über seinen gelungenen Einstand in der Allianz Arena und darüber, direkt mit zwei Assists zum Sieg beigetragen zu haben.
Kane nahm seinen torlosen Abend gelassen. Natürlich treffe er am liebsten selbst, sagte der Engländer. Wenn die Mannschaft aber fünf Tore erziele und sein Name nicht auf der Anzeigetafel stehe, dann hätten die anderen schlicht überragend geliefert.
Hinzu kommt: Das Münchner Offensivpotenzial dürfte noch größer werden. Lennart Karl feierte nach der verpassten WM ein Kurz-Comeback, außerdem werden Jamal Musiala und Serge Gnabry zurückerwartet. Die Frage bleibt damit dieselbe wie nach diesem Auftakt: Wer soll diese Bayern aufhalten?
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber