Tsipras kündigt politische Rückkehr mit neuer Partei an
Der frühere griechische Regierungschef Alexis Tsipras will wieder aktiv in die Politik eingreifen. In Athen präsentierte der 51-Jährige vor der Akropolis eine neue politische Plattform mit dem Namen Griechische linke Koalition (ELAS). Der linkspopulistische Politiker erklärte, die Partei solle unter seiner Führung künftig wieder Regierungsverantwortung übernehmen. Seine Ansprache wurde am Abend von zahlreichen griechischen Medien live übertragen.
Nach Rückzug nun ein neuer Anlauf
Nach den deutlichen Wahlniederlagen seiner früheren Partei Syriza in den Jahren 2019 und 2023 hatte sich Tsipras weitgehend aus der aktiven Politik zurückgezogen. 2025 legte er zudem sein Mandat im Parlament nieder. In einem Buch setzte er sich später mit der Zeit der Finanzkrise auseinander. Die Hauptverantwortung für politische Fehlentwicklungen sah er dabei vor allem bei ehemaligen Ministern und langjährigen Vertrauten, während er eigene Fehler kaum thematisierte. Während seiner Regierungszeit von 2015 bis 2019 stand Griechenland zeitweise am Rand eines Austritts aus der Eurozone.
In seiner Rede attackierte Tsipras die konservative Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, die seit 2019 im Amt ist, mit scharfen Worten. Er warf ihr Korruption, den Abbau rechtsstaatlicher Strukturen und eine zunehmende soziale Ungleichheit vor. Für den Fall einer Rückkehr an die Macht versprach er mehr soziale Gerechtigkeit, eine Stärkung der Demokratie und größere nationale Eigenständigkeit.
Kampf um die Führung im linken Lager
Mit der Gründung von ELAS beginnt faktisch ein neuer Wettbewerb um die Vorherrschaft im linken und mitte-linken politischen Lager Griechenlands. Die frühere Regierungspartei Syriza ist inzwischen in mehrere kleinere und politisch kaum noch einflussreiche Gruppen zerfallen.
Nach aktuellen Umfragen bleiben die konservativen Kräfte jedoch mit mehr als 15 Prozentpunkten Vorsprung klar stärkste politische Kraft. Tsipras’ neue Partei liegt demnach ungefähr gleichauf mit der sozialdemokratischen Pasok im Rennen um den zweiten Platz. Die nächsten Parlamentswahlen in Griechenland müssen spätestens im Frühsommer 2027 abgehalten werden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion