Politik

Trump verliert sein Sprachrohr: Warum Leavitt jetzt geht

Trumps jüngste Stimme im Weißen Haus geht überraschend – warum Karoline Leavitt aufhört und was von ihr bleibt.

12.08.2026, 23:39 Uhr

Karoline Leavitt, bislang das öffentliche Gesicht von US-Präsident Donald Trump, verlässt Ende des Monats überraschend das Weiße Haus. Die 28-Jährige war als jüngste Präsidentensprecherin in der US-Geschichte zu einer Schlüsselfigur der Administration geworden und prägte den Ton von Trumps teils erratischer Politik wie kaum eine andere.

Für Trump ist ihr Abgang heikel: Er verliert eine besonders loyale und schlagfertige Vertraute und muss nun eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger finden. Das geschieht in einer politisch sensiblen Phase – außenpolitisch mit Blick auf den weiter nicht dauerhaft beigelegten Konflikt mit Iran und innenpolitisch vor den anstehenden Kongresswahlen.

Nach Informationen des Nachrichtenportals Axios hat Trump noch keine Entscheidung über die Nachfolge getroffen. Ein hochrangiger Regierungsbeamter sagte demnach, der Präsident sei traurig über Leavitts Abschied und hoffe weiter, dass sie es sich noch anders überlege.

Prägende Rolle im Umgang mit den Medien

Leavitt machte sich international mit ihrem oft scharfen Auftreten gegenüber Journalistinnen und Journalisten einen Namen. Bei ihren regelmäßigen Pressebriefings im Weißen Haus konnte die Stimmung binnen Sekunden kippen: Fragen wurden teils harsch zurückgewiesen, Medien warf sie immer wieder vor, Falschmeldungen zu verbreiten.

Öffentlich wich Leavitt kaum von Trumps Seite. Der Präsident lobte sie regelmäßig, und sie verteidigte seinen harten politischen Kurs kompromisslos. Kritische Fragen, etwa zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, versuchte sie konsequent vom Präsidenten fernzuhalten. Auch wenn es intern Unruhe gab, sprach sie nach außen beharrlich von der erfolgreichen Arbeit ihres Chefs.

Unter Leavitt verschärfte das Weiße Haus seinen Umgang mit den Medien weiter. In Trumps Umfeld werden etablierte Medien fortlaufend attackiert, während wohlgesonnene Berichterstattung ausdrücklich begrüßt wird. Leavitt öffnete den Briefingraum zudem stärker für sogenannte neue Medien, darunter oft rechte Influencer. Immer wieder durfte ein vom Weißen Haus handverlesenes Medium die erste Frage stellen – häufig wirkte das eher wie eine Vorlage für Eigenlob als wie kritische Befragung. Die gläubige Christin stand damit für einen rigiden und konfrontativen Kommunikationsstil.

Trump kündigt ihren Abgang an

Bekanntgegeben wurde Leavitts Ausscheiden von Trump selbst auf seiner Plattform Truth Social. Dort schrieb er, sie habe sich entschieden, künftig mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Er habe dafür „volles Verständnis“ und respektiere diesen Schritt. Ob ausschließlich private Gründe ausschlaggebend sind, blieb zunächst offen.

Ganz aus Trumps Umfeld verschwindet Leavitt aber offenbar nicht. Nach Angaben des Präsidenten soll sie ihm künftig als eine seiner wichtigsten externen Beraterinnen erhalten bleiben und innerhalb der Republikanischen Partei weiter Einfluss ausüben. Trump nannte sie eine der besten Sprecherinnen in der Geschichte des Weißen Hauses und würdigte sie als „echte Führungspersönlichkeit“.

Familie als offizieller Grund

Anfang Mai brachte Leavitt ihr zweites Kind, eine Tochter, zur Welt. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Nicholas Riccio, einem wohlhabenden Immobilienunternehmer, der mehr als 30 Jahre älter ist als sie, hat sie bereits einen kleinen Sohn, der 2024 geboren wurde. Nach der Geburt ihrer Tochter kehrte sie rasch in ihre Funktion als Sprecherin zurück.

Auf X bedankte sich Leavitt überschwänglich bei Trump für die außergewöhnlichen Möglichkeiten, die er ihr eröffnet habe. Die vergangenen anderthalb Jahre als Sprecherin des Weißen Hauses seien für sie „die Ehre und das Abenteuer meines Lebens“ gewesen.

Zugleich schilderte sie, wie belastend die Doppelrolle als Mutter zweier kleiner Kinder und Inhaberin eines der anspruchsvollsten Jobs in Washington gewesen sei. Seit ihrer Rückkehr nach der Geburt ihrer Tochter habe sie in ihrem Herzen gespürt, dass sie ihren Kindern nicht die Aufmerksamkeit geben könne, die sie verdienten, solange sie konstant die Zeit, Energie und Aufmerksamkeit aufbringe, die das Amt verlange. Deshalb habe sie sich letztlich zu einem „bittersüßen“ Abschied vom Weißen Haus entschlossen.

Demonstrative Loyalität zu Trump

Wie eng Leavitts Bindung an Trump ist, zeigte sich besonders nach dem Attentatsversuch auf den Republikaner im Sommer 2024 in Butler im Bundesstaat Pennsylvania. Damals arbeitete sie im Wahlkampfteam des späteren Präsidenten und hatte erst drei Tage zuvor ihren Sohn zur Welt gebracht.

Ihren kurzen Mutterschutz beendete sie kurz darauf. Dem Online-Magazin The Conservateur sagte sie damals, Trump habe buchstäblich sein Leben aufs Spiel gesetzt, um die Wahl zu gewinnen. Das Mindeste, was sie habe tun können, sei gewesen, so schnell wie möglich an den Arbeitsplatz zurückzukehren.

Rascher Aufstieg in Washington

Leavitt wurde 1997 in New Hampshire geboren. Sie studierte in ihrem Heimatstaat an einer privaten katholischen Universität Politik und Kommunikation. Ursprünglich wollte sie Journalistin werden, wechselte jedoch früh in die Politik.

Während Trumps erster Amtszeit begann sie im Weißen Haus mit der Bearbeitung von Bürgeranfragen, ging später in die Pressestelle und arbeitete dort unter der damaligen Sprecherin Kayleigh McEnany. Nach Trumps Wahlniederlage 2020 war sie für das Büro der republikanischen Abgeordneten Elise Stefanik tätig. 2022 kandidierte Leavitt selbst für einen Sitz im Repräsentantenhaus, scheiterte jedoch.

Trotz ihres Abschieds aus dem Weißen Haus will sie politisch aktiv bleiben. In ihrem Abschiedspost auf X machte sie deutlich, dass sie sich weiterhin für die Republikaner einsetzen will. Zugleich griff sie die in ihrer Partei verbreitete Darstellung auf, die Demokraten seien eine „existenzielle Bedrohung“ für das Land. Ihr Kampf gehe nun in eine neue Phase, sei aber noch lange nicht beendet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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