Der Wahlkampf der CDU in Sachsen-Anhalt war klar auf Sven Schulze zugeschnitten. Auf Plakaten wurde er als „Ministerpräsident für alle“ präsentiert. Kaum ein Termin war ihm zu unbedeutend, um mit Bürgern oder Unternehmern ins Gespräch zu kommen. Dann zeigte er sich als nahbarer „Sven aus Heteborn“ aus dem Harz. Noch spätabends war Schulze in Talkshows zu sehen, nur um am nächsten Morgen schon wieder am Magdeburger Bahnhof mit Pendlern zu sprechen.
Schulze übernahm erst im Januar von Haseloff
Im Wahlkampf kam es mehrfach auch zu direkten Konfrontationen mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. In der MDR-Wahlarena sagte Schulze etwa selbstbewusst: „Ich rede nicht nur, ich liefere.“ In den vergangenen Monaten war der CDU-Politiker im ganzen Land unterwegs und gab sich bewusst bodenständig. Seine zentrale Botschaft: Ich komme von hier, und ich kümmere mich, statt nur Probleme zu beschreiben.
Bereits 2021 war Schulze als frisch gewählter CDU-Landeschef in die Koalitionsgespräche mit SPD und FDP gegangen und hatte das Bündnis aus CDU, SPD und FDP mit auf den Weg gebracht. Anschließend wurde er Wirtschaftsminister. Im Januar 2026 übernahm er dann in der Staatskanzlei von Reiner Haseloff (CDU) das Amt des Regierungschefs. Damit blieben ihm lediglich sieben Monate, um sein Profil als Ministerpräsident zu schärfen und im Land bekannter zu werden.
Der heute 47-Jährige hatte über Jahre konsequent auf dieses Ziel hingearbeitet. Der gebürtige Harzer absolvierte eine klassische politische Laufbahn: von der Kommunalpolitik über den Vorsitz der Jungen Union im Land bis hin zum Mandat im Europäischen Parlament. Der studierte Wirtschaftsingenieur war ursprünglich im Berufsleben als Vertriebsleiter tätig.

Fußball, Milchreis und Rockmusik
Privat begeistert sich Schulze für Fußball und Handball. Er unterstützt sowohl die Vereine aus Magdeburg als auch Borussia Dortmund. Außerdem zählt Milchreis zu seinen Lieblingsspeisen, und musikalisch hört er gern Rock – bei Liedern von Sido kann er aber ebenso mitsingen. Am Telefon soll es zudem vorkommen, dass er nebenbei mit einem Ball durch sein Büro dribbelt.
Nach der Wahl steht für Schulze nun die nächste schwierige Aufgabe an: Er muss mit SPD, Grünen und Linken ausloten, in welcher Form eine Zusammenarbeit möglich ist, um in Sachsen-Anhalt eine neue Regierung aufzustellen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber